Schraubertipp: Fahrzeug konservieren

Ans Eingemachte

Erst Auszeit, dann Standzeit. Schade, wenn der fahrbare Untersatz dabei zu einem wertlosen Haufen Metall und Plastik verkommt. Richtig eingelagert, bleibt das Motorrad jedoch viele Jahre lang lecker.

Foto: fact
Motorrad konservieren: Tipps vom Fachmann
Motorrad konservieren: Tipps vom Fachmann
Wer rastet, der rostet, lehrt der Volksmund. Was aber, wenn die Zeit fürs Hobby fehlt und die
Maschine achtlos in der Ecke steht? Ohne entsprechende Vorbereitung und Pflege gammelt sie vor sich hin. Bald wird
es wieder anders, schwört der Besitzer. Bleibt es bei diesem Schwur und sind bereits Standschäden aufgetreten, kann die Wiederbelebung der abgestellten Maschine zum Trauerspiel geraten. Außerdem sollte man sich vor dem Stilllegen um wichtige Versicherungsfragen kümmern. Eine an die Haft- oder Teilkaskoversicherung gekoppelte Ruheversicherung gilt zum Beispiel nur ein Jahr lang. Dabei
beachten: Das Motorrad muss auf einem abgesperrten Stellplatz untergebracht sein, um im Schadensfall Ansprüche geltend machen zu können.
Echte Liebhaber ihres Motorrads kümmern sich hingegen früh genug um alles und pflegen es in der großen Auszeit entsprechend. Manche Oldtimer- und Youngtimer-Fans haben sich sogar
ein ganzes Arsenal von abgemeldeten Motorrädern angelegt, die schon beim bloßen Betrachten Spaß bereiten. Ungeachtet der Gründe, warum das Motorrad für längere Zeit eingelagert werden soll, gelten bestimmte Regeln zur Fahrzeug-Konservierung. MOTORRAD zeigt, wie’s ans Eingemachte geht.
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Tipps

1. Waschen und PutzenAb unter die Dusche! Der Dreck muss weg, denn er zieht Feuchtigkeit an und fördert so Korrosion. Das Motorrad zunächst mit einem Komplettreiniger (empfehlenswert: Dr. Wack S100; Gericke HG Performance) einsprühen und dann abdampfen. Den Dampfstrahler nicht direkt auf die Lager richten – Schmierstoffe könnten sonst herausgespült werden. Schonender ist eine Wäsche mit Seifenlauge, Schwamm und Bürste. Anschließend das Motorrad sorgfältig trocknen, nach restlichen Schmutzstellen fahnden und diese mit einem Lappen entfernen.2. FlüssigkeitenDie Betriebsstoffe sollte man vor einer längeren Standpause erneuern. Darauf achten, den Ölwechsel bei noch warmem Motor durchzuführen, um möglichst viele der aggressiven Verbrennungsrückstände des alten Öls herauszuspülen. Falls nötig, auch Kardan- und Getriebeöl wechseln. Für das Bremssystem empfiehlt es sich ebenfalls die Flüssigkeit zu erneuern, denn Bremsflüssigkeiten sind hygro-skopisch, ziehen also Wasser an, das wiederum für Korrosion sorgt. Ist die Kühlflüssigkeit nicht älter als zwei Jahre, kann sie drinbleiben. Voraussetzung: Pegelstand stimmt und Frostschutz ist ausreichend enthalten. Bei Standzeiten von mehr als einem Jahr jedoch lieber das System komplett trocken legen.3. TankDen entleerten und ausgebauten Tank mit rund einem halben Liter Konservierungsöl befüllen und gut ausschwenken, so dass der gesamte Innenraum damit in Kontakt kommt. Danach überschüssiges Öl ausleeren und fachgerecht entsorgen. Den Tank am besten in einem Raum mit möglichst wenig Temperaturschwankungen lagern.4. VergaserAuf jeden Fall vor längeren Stand-zeiten die Schwimmerkammern des Vergasers entleeren! Ablagerungen durch Kraftstoffrückstände bilden sich an den Düsenstöcken teilweise schon nach wenigen Monaten. Und das bedeutet viel Arbeit: komplettes Zerlegen und Reinigen des Vergasers.5. BatterieSie mag es lieber trocken und nicht zu kalt. Deshalb die Batterie ausbauen. Ist sie nicht wartungsfrei, den Pegelstand der Säure überprüfen, falls nötig, mit destilliertem Wasser auffüllen. Frost-frei lagern und vierteljährlich aufladen beziehungsweise permanent an ein Frischhaltegerät anschließen.6. MotorWer sein Motorrad für längere Zeit abstellt, sollte ein wenig Konservierungsöl ins Kerzenloch geben. Dann die Kurbelwelle ein paar Mal rotieren lassen, um das Öl im Brennraum zu verteilen. Dazu Gang einlegen und das Hinterrad mehrmals drehen.7. BremsenAufpassen, dass Scheibe und Beläge nicht aneinander liegen, insbesondere bei Gussbremsscheiben. Sollten sie im Laufe der Zeit zusammenrosten, muss unter Umständen eine neue, meist teure Bremsscheibe her. Deshalb vor dem Einlagern die Bremskolben ganz zurückdrücken.8. Lack, Metall und GummiMehr als reine Kosmetik: Sein Motorrad mit dafür vorgesehenen Pflegemitteln aus dem Zubehörhandel zu verwöhnen hilft wirksam gegen Alterungsprozesse. Gummi wird mit der Zeit spröde. Glycerin und Talkum aus der Apotheke lassen es jedoch geschmeidig bleiben. Die gleiche Schutzwirkung haben spezielle Kunststoff-Tiefenpfleger auf Silikonbasis. Sie verhindern außerdem das Ausbleichen und sind auch für raue Kunststoffe anzuwenden. Niemals Vielzwecksprays wie WD 40 oder Caramba verwenden, denn diese Mittel entziehen dem Plastik und Gummi die Weich-macher. Auf Lacke und glatte Kunststoff-Oberflächen gehört zunächst eine Politur und zur Versiegelung ein Hartwachs, um für frischen Glanz zu sorgen. Beides aber bitte nicht mit Papiertüchern, sondern am besten mit weichen Spezialtextilien auftragen, um Kratzer zu vermeiden. Vorher die Oberfläche genau nach Schäden absuchen und diese ausbessern. Alle Metallflächen, besonders Chrom- und Aluminiumteile, gründlich mit speziellen Metallreinigern (zum Beispiel Autosol, Nevr Dull) behandeln und anschließend mit Konservierungsöl einreiben. Die Kette gründlich reinigen und von allen Seiten mit Kettenspray gut schmieren.9. ElektrikElektroverbindungen mit Kontaktspray behandeln und sie anschließend mit Polfett oder Vaseline abdichten. So vermeidet man korrodierte Verbindungen.10. Richtig lagernGanz klar: Wer keinen geeigneten Raum, also etwa eine Garage, Stellplatz in einer Scheune oder Ähnliches, zur Verfügung hat, sollte sich das längere Einmotten aus dem Kopf schlagen. Um das Motorrad nicht gleich im heimischen Wohnzimmer zu parken, seinen Händler nach einem Mietstellplatz fragen. Wichtig ist, dass die Maschine trocken und vor Sonnenlicht geschützt untergebracht ist. Lack, Kunststoffe und das Reifengummi reagieren empfindlich auf UV-Strahlung. Außerdem empfehlenswert: die Schutzhaube von Corrodom (Telefon 06222/3879291, www.corrodom.de; ab 40,85 Euro). Dieses »Ganzkörperkondom« dünstet einen Rosthemmstoff aus, in dem das vollständig eingepackte Motorrad wirksam vor Korrosion geschützt ist. Ob Schutzhaube oder nicht, möglichst die Räder entlasten, ebenso bei den Federelementen die geringste Vorspannung einstellen. Richtig vorbereitet kann das Motorrad jahrelang stehen bleiben.

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