Serie Motorradkauf, Folge 4

Internet

Sie wollen, dass Ihnen ein Motorrad ins Netz geht? Dann gehen Sie doch selbst ins Netz. Das Angebot ist riesig, kann aber auch verwirren. Neue und Gebrauchte finden sich in allen Variationen und zu unterschiedlichsten Preisen. Weil ein Motorrad nichts ist, was man sich mal eben so anschafft, informiert Sie MOTORRAD über die Chancen und Risiken, über das Internet zu kaufen.

Grafik:MOTORRAD
So verteilt sich der Markt: Internet-Handel ist mit zehn  Prozent dabei
So verteilt sich der Markt: Internet-Handel ist mit zehn Prozent dabei
Wie beeinflusst das Internet den Markt? Wenn Sie die Infografik auf Seite 70 betrachten, sieht es
zunächst so aus, als habe das Internet nur einen geringen Einfluss auf den Motorradhandel. Lediglich zehn Prozent aller Käufe und Verkäufe von Gebrauchten erfolgen nach Angaben des Zentralverbands des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZdK) über das Netz. Bei Neumaschinen spiele es so gut wie überhaupt keine Rolle. Dabei sollten Sie aber in Rechnung stellen, dass diese
Zahlen sich lediglich auf Transaktionen beziehen, die über das Netz direkt abgeschlossen wurden.
Im Gegensatz zu anderen Segmenten (Bücher, Tonträger, Elektrogeräte) hat sich das Internet im Motorradbereich noch nicht als klassischer Marktplatz etabliert. Das liegt daran, dass ein Motorrad ein relativ teures und emotional sehr stark besetztes Produkt ist, das man sich nicht en passant zulegt wie etwa
einen Toaster. Das Netz dient deshalb in den meisten Fällen nur der Orientierung und der Anbahnung des Kaufs, der dann auf
althergebrachte Weise erfolgt, also mit persönlichem Kontakt und unter genauer Prüfung der Ware selbst.
Dennoch hat das Internet den Markt bereits stark verändert. Die Zahl der Maschinen, auf die Interessenten über ein einziges Medium zugreifen können, hat sich vergrößert. Die Breite des
Angebots – nach Modellen, nach Regionen, nach Anbietern – wird in einer Weise abgebildet, die über klassische Medien nicht
möglich war. Allein an die 100 Suzuki GSF 600/S Bandit, Erstzulassung 2000, finden sich im Netz. Über die bequemere
Vergleichbarkeit der Offerten stellt sich, zumindest auf den ersten Blick, eine größere Preistransparenz ein. Zudem wird der Markt
in dem Sinne schneller, dass sich die Angebotslage stündlich
verändern kann.
Wie können Sie sich in der Breite des Angebots orientieren? Als Neueinsteiger ohne Vorwissen können
Sie das vermutlich überhaupt nicht. Wenn Sie einfach irgendein Motorrad suchen und noch keine einigermaßen konkreten Vorstellungen haben, wird das Angebot im Netz Sie erschlagen, weil Sie es nicht nach Ihren Bedürfnissen selektieren können. Sie sollten sich deshalb vorab darüber klar werden, was für Motorräder
für Sie in Frage kommen und worauf Sie bei diesen Modellen
unbedingt achten sollten. Diese Informationen liefert Ihnen zum Beispiel die Gebrauchtberatung in MOTORRAD mit Tipps zur Besichtigung, zum Preis, zu technischen Besonderheiten et cetera. Außerdem können Sie über www.motorradonline.de alle Tests downloaden, um sich über die Qualitäten und Fahreigenschaften Ihrer Kauffavoriten ins Bild zu setzen. Dann versuchen Sie
am besten, bei einem Händler in Ihrer Umgebung Ihre Wunschmodelle schon mal in Augenschein zu nehmen. Denn nach der
ersten Sitzprobe ist bereits so mancher Traum zerplatzt. Vielleicht aber werden Sie sich gleich vor Ort mit dem Händler einig und machen sich die Sache leicht. Wenn nicht, können Sie dann im Netz verschiedene Suchstrategien anwenden und miteinander kombinieren.
Wie suchen Sie am besten? Als wenig zielführend
erweist es sich, eine Suchmaschine mit einem Modellnamen zu füttern, da die alle Einträge, in denen der Modellname auftaucht, ausspuckt. Auf die Verkaufsangebote greifen Sie am besten über die entsprechenden Plattformen und Börsen zu (siehe Infografik rechte Seite). Die bieten in der Regel die Möglichkeit, die An-
gebote nach verschiedenen Kriterien zu durchforsten: Modell, Region, Preis, Leistung, Laufleistung, Erstzulassung, besondere Merkmale wie beispielsweise ABS.
Wenn Sie sich für ein stark verbereitetes Modell interessieren, wie etwa Suzuki Bandit, Honda Fireblade oder BMW R 1150 GS, sollten Sie Ihre Recherchen unbedingt räumlich begrenzen. Es lohnt sich in den wenigsten
Fällen, wegen 250 Euro Preisvorteil von Husum nach Berchtesgaden zu reisen. Wenn Sie Ihre
Suche aber derart eingrenzen, etwa auf einen Umkreis von 150 Kilometern, kann es passieren, dass Ihnen das Spitzenangebot in 152
Kilometer Entfernung entgeht. Denn das Netz denkt nicht mit.
So mancher, der dort inseriert, allerdings auch nicht. Weshalb es vorkommt, dass jahrelange Yamaha-Fahrer sich schweren
Herzens von ihrer Jamaha trennen oder eine Susuki Bandid umständehalber abgegeben wird. Springen Sie also mal über Ihren Schatten und stellen sich absichtlich dumm, soll heißen, variieren Sie bei der Suche nach Ihrem zukünftigen Motorrad die Schreibweise. Bei Foren, die Marken- und Modellbezeichnungen nicht zum Anklicken vorgeben, kann es klappen, dass Sie als einer von wenigen überhaupt von diesen Angeboten Wind bekommen.
Nicht nur orthografischer Schwächen wegen kann es sich
lohnen, mehrere Schreibweisen für ein Modell auszuprobieren.
Bei mobile.de fanden sich am 22. März zum Beispiel sieben
»Suzuki Bandit 600«, Erstzulassung 2000. Unter dem Suchbegriff »Suzuki GSF 600«, Erstzulassung 2000, erschienen demgegenüber 48 Angebote.
Soll Ihre Gebrauchte auf jeden Fall von einem Händler stammen – 65 Prozent aller Verkäufe laufen über diese Schiene, und
94 Prozent aller Motorradhändler engagieren sich im Gebrauchtgeschäft –, liegt es nahe, über eine Börse zu suchen, die es, wie motoscout24.de, erlaubt, dieses Kriterium in die Suche mit einzubeziehen. Ausschließlich Händlerangebote finden Sie auf motorrad2000.de, wo Sie gegen eine Gebühr von jeweils 50 Euro die Maschinen innerhalb von 48 Stunden von der Dekra prüfen
lassen können. Haben Sie eine Auswahl getroffen, stellen Sie Ihre Route so zusammen, dass Sie im Rahmen einer Tour mehrere Maschinen begutach-
ten können, und fangen Sie nach Möglichkeit mit Ihrem Favoriten an. Damit stehen die Chancen am besten, dass sich eine Weiterreise erübrigt.
Wie aussagekräftig und wie vergleichbar sind die Angebote? Laut EU-Recht sind Händler verpflichtet, auf Gebrauchte ein Jahr Gewährleistung zu geben, weshalb die Preise beim Händler in der Regel etwas höher liegen als bei privaten Anbietern, die sich von dieser Auflage vertraglich ausnehmen können und das in der Regel auch tun. Dann liegt das Risiko allein beim Käufer. Um zu verhindern, dass Sie auf ein schwarzes Schaf
hereinfallen, einen unseriösen Inserenten, hat MOTORRAD einen Fragebogen ausgearbeitet. Den sollten Sie ausschneiden oder
kopieren, dem Anbieter faxen und darauf bestehen, dass das
Formular vollständig ausgefüllt und unterschrieben an Sie zurückgeht. Ein ehrlicher und seriöser Verkäufer wird diesem Wunsch
sicher gerne nachkommen. Wenn nicht, dürfte der Inserent was zu verbergen haben, und wenn Sie bei der Besichtigung feststellen, dass er falsche Angaben gemacht hat, haben Sie auf jeden Fall die besseren Karten in der Hand.
Anzeigen ohne Foto werden wesentlich seltener angeklickt, müssen aber nicht weniger attraktiv sein, zumal viele Abbildungen so aussagekräftig sind wie Werbemotive, geschönt eben. Die wichtigen Details können Sie auf diesen Bildern oft nicht erkennen. Bitten Sie den Verkäufer, Ihnen hoch auflösende Fotos charakteristischer Stellen zukommen zu lassen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht über ein vermeintlich fantastisches Schnäppchen nur geködert werden, eine 0190-Nummer anzurufen. Anzeigen bei mobile.de, ebay.de oder motorradonline.de (gekoppelt mit dem Inserat im Heft) sind gebührenpflichtig. Für Sie als Kaufinteressenten kann das durchaus von Vorteil sein. Es hält nämlich manche Verkäufer davon ab, dort ihr Motorrad zu einem überzogenen Preis einfach mal probeweise ins Netz zu stellen. Gleichen Sie
die geforderten Beträge mit den Werten aus der Schwacke-Liste und den übrigen Angeboten ähnlicher Motorräder ab (siehe
Infografik Seite 70).
Wieso bieten Händler im Internet Neumaschinen weit unter dem Listenpreis an? In einigen Fällen handelt es sich bei solchen Motorrädern schlicht um Ladenhüter, von
denen der Händler weiß, dass er sie auf dem normalen Vertriebsweg nicht an den Mann oder die Frau bringt. Die er aber seinem Importeur hat abnehmen müssen, um seine Vertragspflichten zu erfüllen. Die kosten ihn nur Zinsen und Platz, müssen also raus. Hin und wieder erweisen sich die »Neumaschinen« als solche,
die die Bezeichnung gar nicht mehr verdienen, weil sie zwar null Kilometer auf der Uhr, aber bereits ein Jahr oder mehr auf dem Buckel haben. Anderere Möglichkeit: Die »Neue« erweist sich als Exemplar, das bereits eine Tageszulassung hatte, um die eigene oder die Bilanz des Herstellers/Importeurs zu beschönigen. Nicht auszuschließen ist ferner, dass sogar ein Vertragshändler über
das Netz mit Grauen Geschäfte macht. Denn Grauimporte lohnen
sich zwar nicht für den Privatmann (siehe Folge 3 der Serie), wohl aber – der Stückzahlen wegen – für manchen Händler.
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Ihre Rechte als

Käufer im Internet

l Für die Wirksamkeit des Kaufvertrags ist es unerheblich,
auf welche Weise er zustande gekommen ist, ob per
Unterschrift oder einen Klick im Netz.
l Die Ware muss zum Zeitpunkt der Übergabe in vertragsgemäßem Zustand sein, sonst können Sie als
Käufer Nachbesserung verlangen, den Kaufpreis mindern,
vom Vertrag zurücktreten oder Schadenersatz verlangen.
Und zwar nach Ihrer Wahl, nicht der des Verkäufers.
l Erwerben Sie Ihr Motorrad unbesehen von einem Händler,
hat der sich an die Regelungen über Fernabsatzverträge zu halten. Dazu gehört auch Ihr Widerrufsrecht. Heißt: Sie können binnen einer Frist von 14 Tagen vom Kauf zurücktreten.
Der Händler muss Sie auf dieses Recht hinweisen. Tut er
das nicht, erlischt auch Ihr Widerrufsrecht nicht.
Quelle: Ralph Andress, Rechtsanwalt in Heilbronn

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