Service Tips und Tricks: Suzuki GS 500 E (Archivversion) Beziehungs-Kick

Wenn sich die erste Euphorie gelegt hat, belastet plötzlich die ein oder andere Kleinigkeit das anfänglich harmonische Verhältnis von Mensch und Maschine. Im Fall der Suzuki GS 500 E gibt es jedoch geeignete Mittel, um der Beziehung wieder den richtigen Kick zu verpassen.

Mit über 40 000 verkauften Exemplaren gehört die Suzuki GS 500 E zu den erfolgreichsten Motorrädern in Deutschland. Besonders bei Führerschein-Neulingen und Wiedereinsteigern steht der preisgünstige Twin mit seiner überschaubaren Technik, geringem Gewicht und gutem Handling hoch im Kurs. Sehr beliebt ist die GS 500 E auch bei den Zubehör-Anbietern, die für beinahe jeden Geschmack und Einsatzzweck Umbauten und Zutaten bereithalten. Aus der breiten Angebotspalette hat sich MOTORRAD einige Teile herausgegriffen und geprüft, ob sich die Suzuki damit verbessern läßt. Sportliche Fahrer bemängeln am Serienfahrwerk die tendenziell zu weich gefederte und lasch gedämpfte Gabel sowie das ruppig ansprechende, in der Dämpfung aber ebenfalls zu soft geratene Federbein. Nach dem Einbau progressiver Gabelfedern mitsamt dem passenden Gabelöl spricht die gestraffte Vorderradführung noch immer feinfühlig genug an, bietet aber deutlich mehr Reserven; außerdem sorgt die klare Rückmeldung über den jeweiligen Fahrzustand für ein sicheres Gefühl beim sportlichen Kurvenkratzen. Als gute Beruhigungsmittel für die Hinterradführung bei flotter Fahrt oder mit Sozius erweisen sich die getesteten Federbeine. Während das Federbein von White Power im Vergleich zum Serienteil sowohl Komfort als auch Dämpfungsreserven merklich erhöht, setzt das Hagon-Monofederbein den Schwerpunkt auf satte Dämpfung; das Ansprechverhalten verbessert sich gegenüber dem Original nur unwesentlich. Eine weitere Steigerung erfährt das Fahrverhalten durch die Umrüstung auf andere Reifen. Die ab Werk aufgezogenen Bridgestone Exedra G 547/G 550 reagieren empfindlich auf Längsrillen und aufgesetzte Fahrbahnmarkierungen; darüber hinaus sorgen sie für ein ausgeprägtes Aufstellmoment beim Bremsen in Kurven. Auch in Sachen Grip sind die Exedra nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. MOTORRAD testete vier Alternativ-Gummis auf ihre Qualitäten unter alltäglichen Bedingungen. Entscheidend für die Beurteilung waren Eigenschaften wie Handling, Fahrverhalten in Kurven, Eigendämpfung sowie das Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage. Verschleiß, Naßhaftung und das Verhalten im Grenzbereich wurden bei dieser Reifenempfehlung nicht berücksichtigt. Ergebnis: Die vier Reifenpaarungen verleihen der GS 500 E durchweg ein neutraleres Fahrverhalten (siehe Kasten auf Seite 149). Als besonders harmonisch erwies sich der komfortable Bridgestone BT 45, der ein ausgesprochen sicheres Fahrgefühl vermittelt. Da bei der GS 500 E keine Markenbindung vorgeschrieben ist, steht beim nächsten Reifenwechsel einer Umrüstung auf ein besseres Produkt nichts im Wege. Erfreulichen Ergebnisse erbrachte die Leistungsmessung der Nachrüstauspuffanlagen mit EG-ABE von BSM, Laser und Remus: Die Komplettanlagen brachten im Vergleich zur Serienanlage jeweils zwei PS mehr Endleistung sowie ein leichtes Drehmomentplus (siehe Kasten auf Seite 148). Die fülligsten Kurven zeichnete der Meßschreiber bei der Remus-Anlage in das Diagramm, die minimal dumpfer klingt als das Original. BSM und Laser liegen in der Sound-Wertung subjektiv auf dem Niveau der Serie. Die mehrteiligen Komplettanlagen sind dem einteiligen Suzuki-Rohr in der Verarbeitungsqualität deutlich überlegen. Während das Original aus rostanfälligem, lackierten Stahl besteht, setzen die Nachrüster auf pflegeleichten Edelstahl oder Aluminium und werten damit das Erscheinungsbild des Twins merklich auf. Wer mit der GS 500 E gern auf große Tour gehen möchte, kann die Mittelklasse-Maschine mit diversen Mitteln zum reisetauglichen Bike umrüsten. Bei Gepäckspezialisten wie beispielsweise Hepco & Becker finden sich Gepäckträger und Koffersysteme in großer Auswahl. Die paßgenaue, straff gepolsterte und etwas breiter ausgeformte Sitzbank von Corbin verbessert den Komfort auf langen Etappen. Von MBD stammt die gut verarbeitete und paßgenaue Lenkerverkleidung mitsamt Bugspoiler. Für mehr Windschutz sorgt die Vollverkleidung von JF Motorsport, die es in einer limitierten Sonderserie schon einmal direkt von Suzuki gab. Sinnvoll insbesondere für Anfänger sind Motorschutzbügel, die in Schwarz oder Chrom erhältlich sind. Sehr empfehlenswert ist eine Stahlflex-Bremsleitung, da mit ihr die kräftig zupackende Bremse im Vorderrad viel besser zu dosieren ist als mit der nachgiebigen Gummileitung der Serie. Der Superbiker-Lenkerumbau verhilft zu einer aufrechten Sitzposition, der längere Hebelweg des breiten Lenkers macht aber die sowieso schon sehr handliche Suzuki fast schon zu nervös. Was man alles aus einer GS 500 E machen kann, wenn man nicht auf die Mark schaut, zeigt der sportliche Komplett-Umbau von Gimbel im Lucky-Strike-Design von Kevin Schwantz. So weit müssen GS 500-Fahrer allerdings nicht gehen: Die richtigen Reifen, progressive Gabelfedern, eines der Nachrüstfederbeine sowie eine stahlummantelte Bremsleitung reichen aus für eine harmonische Beziehung von Mensch und Maschine.

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