So hält Ihr Motor(rad) ewig und drei Tage ... (Archivversion) 11 Tipps

Zwar sind heutige Fertigungstoleranzen viel enger als früher, die verwendeten Materialien hochwertiger und die Fertigungsmaschinen in der Produktion präziser. Trotzdem: Bei neuen Motoren unbedingt die Einfahrvorschriften des Herstellers beachten. Last und Drehzahl kontinuierlich steigern, bis der Motor voll eingefahren ist. Gilt in besonderem Maß für großvolumige, luftgekühlte Motoren à la BMW-Boxer und Guzzi- oder Harley-V2.

Das A und O der Motor-Haltbarkeit ist die richtige Betriebstemperatur.Das gilt insbesondere für luftgekühlte Motoren. Sie brauchen länger, um auf »Temperatur zu kommen« und werden etwa im Bereich des Zylinderkopfs wesentlich heißer als wassergekühlte Motoren. Bei älteren Motoren empfiehlt es sich, ein Ölthermometer zu montieren.

Nichts mindert die Dauerhaltbarkeit mehr als höchste Drehzahlen unmittelbar nach Kaltstarts! Dann ist das Öl noch zähflüssig, sind die Betriebstoleranzen der Bauteile – aus verschiedenen Metall-Legierungen gefertigt – noch nicht aufeinander eingespielt. Also: Bei kaltem Motor sachte beschleunigen, höchstens halbe Maximaldrehzahl und geringe Last abrufen.

Den Motor auch nicht untertourig fahren. Am wohlsten fühlt er sich bei dynamischer Landstraßenfahrt, bei der sich Drehzahl und Last ständig ändern. Bei warmem Motor (!) auch mal das letzte Drehzahldrittel entern, dafür wurde der Antrieb schließlich konstruiert.

Öl rechtzeitig wechseln. Motoröl altert auch durch Oxidation an der Luft; ein Wechsel vor der Winterpause schwemmt gebundene Säuren aus dem Motorgehäuse. Mit dem frischen »Winteröl« kann man dann, je nach Fahrleistung, noch einen guten Teil der Folgesaison abspulen. Ölfilter immer gleich mit wechseln.

Gutes Motorrad(!)-Öl verwenden. Es muss nicht das teuerste oder im Handbuch empfohlene sein. Es muss aber unbedingt auf die hohen Scherkräfte beim Schmieren von Getriebe und Kupplung abgestimmt sein. Beides brauchen Auto-Öle wegen separater Getriebe-Öle und Trockenkupplungen nicht zu leisten; zudem lassen sie Nasskupplungen oftmals rutschen.

Bei Vergasern: Einstellung regelmäßig kontrollieren und einstellen (lassen). Zu mageres Gemisch erhöht die Temperatur im Zylinder stark, zu fettes kann im schlimmsten Fall zu einer Verdünnung des Motoröls mit Benzin führen, das an den (noch kalten) Zylinderwandungen kondensiert. Rückschlüsse aufs Gemisch lassen die Kerzenbilder zu. Und verharzenden Sprit in den Schwimmerkammern durch Ablassen derselbigen vor der Winterpause vermeiden.

Drohende Defekte unverzüglich angehen, um Folgeschäden zu vermeiden: Ungewohnte Geräusche von der Fachwerkstatt kontrollieren lassen, zerschlissene Züge, abgefahrene Bremsbeläge sofort tauschen. Aber funktionierende Teile auch nicht ohne Not tauschen. Nur echte Schwachpunkte ausmerzen. Und Züge wie Gelenke regelmäßig schmieren.

»Eine persönliche Beziehung« zu seinem Motorrad aufbauen. Es ist wie in einer wahren Partnerschaft: Wenn man sich gut kennt, erkennt man kleine Wehwehchen noch rechtzeitig, weiß schon kleine Mucken richtig zu deuten.

Regelmäßiges, schonendes Putzen schärft den Blick auch für verborgene Ecken, etwa Rostnester am Rahmen, abvibrierte Schrauben, gebrochene Schweißnähte. So wie früher: Mit Eimer, Schwamm und anschließend mit Chrom- und Lackpolitur pflegen und polieren. Macht sogar Spaß ...

Sich selber nicht zu viel zutrauen, nichts verschlimmbessern. Zweirad-Mechaniker ist nicht ohne Grund ein anspruchsvoller Lehrberuf!

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