So testet MOTORRAD (Archivversion) Auf der letzten Rille

Unzählige Messungen, 350 Runden im Parcours, tausende Daten: Die Testtruppe um Top-Tester Karsten Schwers und Dauersozius Rainer Froberg war am Ende echt groggy. Aber ein besonderer Test braucht eben ganz spezielle Test-
methoden. Weshalb die Testmannschaft beispielsweise auf das Fahren mit Sozius großen Wert legte. Schließlich ist man auf Alpentouren häufig zu zweit und/oder mit Gepäck unterwegs.

Der Parcours im Flachland
Im schnellen Slalom sind neben den Zeiten und Geschwindigkeiten die dabei gewonnenen Fahreindrücke aufschlussreich, die in die Punktewertung mit einflossen. Viele Fahrwerke, die im Solobetrieb noch unauffällig funktionieren, kommen bei größerer Beladung in die Bredouille, weil Federung und Dämpfung zu lasch ausgelegt sind. Wenig überraschend die Bestwerte der Fireblade. Schon eher, wie weit die R 1200 S in ihrer Kategorie von der Spitze entfernt ist. Der Sportboxer wird selbst von einem kleinen Allrounder wie der ER-6f klar überflügelt. Die fetten Tourer schlagen sich
dagegen recht tapfer, die Deauville kann ihre schwache Motorisierung durch gutes Handling ausgleichen.
Auf der Kreisbahn haben komfortbetont abgestimmte Maschinen Probleme, weil unter Belastung die Schräglagenfreiheit eingeschränkt ist. Die höchsten Geschwindigkeiten schaffen hier logischerweise die straffen Supersportler. Der ebenfalls recht sportive Allrounder F 800 S kann jedoch ganz vorn mitmischen und den unter seinem indifferenten Lenkverhalten leidenden Sportboxer locker überflügeln. Am anderen Ende der Skala findet sich die Monster,
deren Seitenständer wegen der soften Hinterradfederung früh am Boden kratzt. Da ist sogar die soft abgestimmte Deauville bei größerer Schräglagenfreiheit schneller.

Messungen im Gebirge
Die Durchzugsmessungen wurden ebenfalls den besonderen Umständen angeglichen. So mussten die Maschinen an einer elf-
prozentigen Steigung ihr Drehmoment unter Beweis stellen, auch dies im Zwei-
personenbetrieb. Der Durchzug im letzten Gang von 50 auf 100 km/h wurde auf
einer Geraden unterhalb der Passhöhe des
Stilfser Jochs in etwa 2300 Meter Höhe gemessen, um den Leistungsverlust im Gebirge zu berücksichtigen.
Die Verbrauchsangaben im Alpen-Masters sind nicht mit den üblichen Landstraßenwerten vergleichbar. Sie wurden bei zurückhaltender Fahrweise auf der 63 Kilometer langen Testrunde ermittelt. Wer es knacken lässt, wird auf deutlich höhere Durchschnittswerte kommen. Auffällig ist, dass die meisten Verbräuche kaum höher ausfallen als die im Flachland ermittelten. Offensichtlich egalisiert die lange Abfahrt den Aufstieg in vielen Fällen wieder. Allerdings gibt es auch ein paar Ausreißer.
So konsumierte die Kawa ZZR 1400 mit 7,2 Litern am meisten Benzin, kommt dank des 22-Liter-Tanks aber immerhin noch auf eine Reichweite von knapp über 300 Kilometern. Das genügsamste Motorrad war ebenfalls eine Kawasaki, die ER-6f be-
nötigte lediglich 4,1 Liter, was bei 15,5 Liter Tankinhalt für fast 380 Kilometer reicht. Beim Vergleich der drei Motorradkate-
gorien zeigt sich, dass die kleinen Allrounder recht sparsam mit dem Brennstoff
umgehen und alle im Schnitt unter fünf
Liter bleiben, während große Hubräume und hohes Gewicht ihren Tribut fordern.

Daten und Zahlen
Die ZZR findet sich auch bei der Zuladung am unteren Ende der Skala, 175 Kilogramm sind für einen Sporttourer einfach zu wenig. Da bleibt bereits bei zwei normalgewichtigen Passagieren samt Ausrüstung praktisch kein Spielraum für Gepäck. Die ER-6f macht’s übrigens kaum besser. Um die 200 Kilo sollten es schon sein, die K 1200 GT, RSV 1000 R und FJR 1300 sind in diesem Punkt vorbildlich.
Gewicht, Sitzhöhe und Bodenfreiheit spielen in den Bergen eine große Rolle. Bei den Allroundern ragt die F 800 mit ihrem 830 Millimeter hohen Sitz heraus, Kurzbeinige könnten damit Probleme bekommen. Für die wäre die leichte, niedrige Monster wohl die bessere Wahl. Die Tourer/Sporttourer gerieten alle recht gewichtig, selbst die kleine Deauville bringt mit 257 Kilogramm reichlich Pfunde auf die Waage. Erheblich leichter sind die Sportler, ihre Sitzhöhen allerdings auch nicht besonders niedrig. Trotzdem lassen sie sich dank schmaler Sitzgelegenheiten selbst von weniger großen Zeitgenossen ganz gut beherrschen.
Die Bodenfreiheit ist ein nicht zu unterschätzendes Kriterium, schließlich könnte man in den Alpen gelegentlich zu einer
kleineren Offroad-Einlage gezwungen werden. Und ebenso ist beim Rangieren auf unebenem Terrain viel Bodenfreiheit wünschenswert. 17 Zentimeter machen den Sportler R 1200 S beinahe zur Enduro.
Vorsicht ist dagegen im Fall der Monster 695 sowie sämtlicher plastikverschalter Tourer und Sportler anzuraten. Damit die Reise nicht schon auf dem buckligen
Hotelparkplatz endet.

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