So testet MOTORRAD (Archivversion)

In den Bergen auf öffentlichen Straßen rasen? Nein danke. Trotzdem will MOTORRAD natürlich wissen, wie sich die Motorräder im Grenzbereich verhalten. Daher gab es auch in diesem Jahr vor der Fahrt in die Berge einen ausgiebigen Testtag auf dem Flughafengelände in Neuhausen ob Eck, wo die Testcrew allen Maschinen zunächst im Flachland gründlich auf den Zahn fühlen kann. Slalom und die Kreisbahn liefern wichtige Erkenntnisse über das Handling, die Federung und die Schräglagenfreiheit. Hundertfach wedelt Testfahrer Karsten Schwers mit Beifahrer Rainer Froberg um die Pylonen, bis die Ständer auf dem Asphalt kratzen und Fahrwerke gautschen. Im Gegensatz zum üblichen Prozedere wird für das Alpen-Masters durchweg mit zwei Personen getestet, das soll die höhere Beladung mit Urlaubsgepäck und/oder Sozia widerspiegeln.

Dass eine KTM 990 SM T den Slalom am schnellsten bewältigt und auch in der Kreisbahn ganz vorn dabei ist, überrascht kaum. Auf der anderen Seite verwundert es ebenfalls wenig, dass die Triumph Bonneville vor allem wegen der begrenzten Schräglagenfreiheit keine Fabelzeiten produziert. Nicht unbedingt zu erwarten ist hingegen, dass die Aprilia Shiver GT bei den Allroundern die Bestmarken setzt. Wobei ihr die straffe Fahrwerksabstimmung, der drehmomentstarke Antrieb und viel Bodenfreiheit zugute kommen. Die sportlichen Italo-Big-Bikes sind natürlich noch einen Tick schneller. Vielfach hapert es an Schräglagenfreiheit, oft eine Folge zu weicher Fahrwerksabstimmungen. Ein Beispiel ist die eigentlich hochbeinige BMW F 800 GS, deren Ständer im Zwei-Personen-Betrieb in Linkskurven am Asphalt kratzt.

Auch für die Fahrleistungen hat sich das Testteam ein paar Gemeinheiten ausgedacht, die die speziellen Anforderungen in den Alpen berücksichtigen. Eine echte Prüfung ist beispielsweise der Durchzug am Berg im zweiten Gang ab 25 km/h, der besonders hubraumschwache und/oder lang übersetzte Modelle vor Probleme stellt. Das Balkendiagramm zeigt, dass die Big Bikes hier klar vor den Allroundern liegen, die Enduros/Funbikes ordnen sich im Mittelfeld ein. Ähnliches gilt auch für den Durchzug in 2000 Meter Höhe, der den Leistungsverlust in der dünnen Luft abbilden soll.

Benzinkonsum ist auch im Gebirge ein Thema, aus finanziellen Gründen, besonders aber wegen der geringen Tankstellendichte. Bei moderater Fahrweise schluckt das Power-Triebwerk der Vmax üppige 8,1 Liter/100 km, während sich die BMW F 800 GS mit 3,7 Litern be-scheidet. Dementsprechend markieren diese beiden auch die Extreme bei den Reichweiten mit Werten von 185 und 436 Kilometern. Interessante Erkenntnisse liefert außerdem der Vergleich der Bremswege auf einem 15-Prozent-Gefälle. 23 Meter für die beiden Besten (Honda CB 1300 und Yamaha XJ6 Diversion) stehen rund 31 Meter im Fall der Triumph Bonneville und der Moto Morinin Scrambler gegenüber. Allerdings neigt die XJ6 trotz ABS-Regelung zum Stoppie, während die fein regelnde CB 1300 souverän und stabil bleibt.

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