Speer, Herbert: Interview

Herbert Speer, Vertragshändler für Cagiva, Honda, MV Agusta,
Piaggio und Suzuki, zum Thema Inspektion und Kosten.

Warum ist es wichtig
die regelmäßigen Wartungsintervalle einzuhalten?
Zum einen, weil die
Hersteller Garantieansprüche in der Regel nur anerkennen, wenn alle vorgeschriebenen Durchsichten beim Vertragshändler erledigt wurden. Zum anderen wirkt sich ein lückenlos gestempeltes Wartungsheft stets vorteilhaft auf den Wiederverkaufswert aus. Die Lebensdauer der Motorräder, insbesondere bei heftig rangenommenen Supersportlern, profitiert davon ebenfalls. Außerdem stellen wir immer
häufiger fest, dass Kunden mit den vielfältigen Einstellmöglichkeiten des Fahrwerks moderner Motorräder überfordert sind. Einige sind sich dessen jedoch nicht bewusst, so dass eine falsche Abstimmung erst bei der obligatorischen Probefahrt erkannt und korrigiert wird.
Verursachen die leistungsstarken Motorräder von heute automatisch höhere Inspektionskosten?
Nicht unbedingt, wenn man nur die reinen Inspektionskosten betrachtet und eventuell notwendige Verschleißteile wie Reifen, Bremsbeläge oder einen Kettensatz nicht dazurechnet. So sind beispielsweise Einspritzanlagen weniger wartungsintensiv als Vergaser. Zudem wird bei modernen
Motorrädern, allen voran die leichten und starken Sportler, schon bei der Konstruktion auf eine einfache Wartung geachtet. Bei diesen Modellen sind die meisten wartungsrelevanten Bauteile leicht zugänglich, während ältere Motorräder oftmals recht verbaut sind und deshalb einen wesentlich höheren
Zeitaufwand bei der Inspektion erfordern. Dies gilt auch für
die komplizierteren V2-Triebwerke, die im Vergleich zu Reihenmotoren beim Service immer etwas teurer sind.
Welche Möglichkeiten haben Kunden, die Inspektionskosten zu reduzieren?
Während der Garantiezeit keine. Ansonsten kann man mit dem Werkstattmeister absprechen, dass kleinere Arbeiten wie Züge abschmieren, Kette spannen oder die Kontrolle der Schraubverbindungen in Eigenregie erledigt werden. Dabei sollte man aber bedenken, dass die Werkstatt den Stempel für eine vorschriftsmäßige Inspektion nur vergeben kann, wenn sie alle Checkpunkte abgearbeitet hat. Wer sein Motorrad eher sachte fährt, kann die Intervalle auch mal um 3000 Kilometer strecken. Zudem sind die Werkstätten selbst bemüht, Kosten zu sparen. Wir ersetzen beispielsweise Ventildeckeldichtungen nicht nach Wartungsvorschrift, sondern nur nach tatsächlichem Bedarf.
Worauf sollte man bei der Auftragserteilung achten, um
Missverständnissen vorzubeugen?
Ein bekannter Mangel oder sonstige Auffälligkeiten sollten bereits bei der Abgabe der Maschine erwähnt werden, ebenso das gewünschte Öl. Um Missverständnisse auszuschließen, haben wir für jedes Motorrad Checklisten entworfen, in denen die Kunden gezielt nach Problemen befragt
werden, die nach unserer Erfahrung beim jeweiligen Modell auftreten können.

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