Standpunkt (Archivversion)

Weil alle Welt wegen der Debatte um den Treibhauseffekt auf den Verbrauch schielt, kriegt das motorisierte Zweirad eine Extra-Chance. Meint MOTORRAD- Redakteur Fred Siemer.

Wehgeschrei wird nichts nützen, der Treibhauseffekt verschwindet nicht aus Mitleid mit uns Menschen. Den können wir nur eindämmen, wenn wir energisch, global und mutig handeln. Die erdölfreien Zukunftspläne der Kraftfahrzeugindustrie lassen durchaus auf weitere individuelle Mobilität hoffen. Unentschieden ist derzeit, ob Autos übermorgen von Elektro- oder Verbrennungsmotoren angetrieben werden. Was uns Motorradfahrern egal sein könnte, wenn wir nicht im logistischen Windschatten der Autos segeln müssten: Sollte es irgendwann nur noch Elektro-Autos geben, müssten wir – oder unsere Nachfolger – den Sprit wieder in der Apotheke kaufen. Oder findet hier jemand E-Motoren sexy? Aus diesem Grund wirkt die Aufbruchstimmung rund um den Bio-Sprit recht ermutigend: Sollte es gelingen, den allergrößten Teil von Benzin und Diesel über nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen, käme das insgesamt am billigsten und würde für alle Beteiligten – vom Hersteller über den Benzinlieferanten bis zum Kunden – die geringsten Einschnitte bedeuten. In rund fünf Jahren wissen wir mehr, in ungefähr 30 Jahren wird sich eine Technik durchgesetzt haben. Das ist nicht lange hin – Hondas CB 750 wird bald 40. Die Motorradindustrie sollte einstweilen die historische Chance nutzen, die gesellschaftliche Akzeptanz des Motorrads weiter zu erhöhen: 120 Gramm CO2-Emission pro Kilometer, das schaffen wir locker, 100 sind ohne großen Aufwand drin. Morgen.

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