Steel Factory-Harley-Davidson VRSC-RR Tief im Westen

Viel besser als man glaubt: Selten kam eine Liebeserklärung an eine Stadt so ehrlich daher wie die von Herbert Grönemeyer an seine Heimat Bochum; das gleichnamige Album von 1983 gilt als Meilenstein. Ähnliches trifft auf die 2005 erschienene Street Rod zu, nie zuvor war eine Harley so knackig und
dynamisch. Nun verfeinert just die Steel Factory aus Bochum – tief im Westen – das prächtige Milwaukee-Eisen.
Ganz pragmatisch verbauen die wackeren Ruhrpöttler Teile aus dem Buell-Regal. So stammt die Front-Maske mit den etwas tranfunzeligen Doppelleuchten von der XB12S. Hell strahlen dagegen die LED-Rückleuchten im gertenschlanken Karbon-Hintern à la Buell Firebolt. Er ist viel verführerischer gerundet als das plumpe Serienheck. Nur konsequent ist der Verzicht auf Beifahrersitz und Soziusrasten. Nein, diese Wuchtbrumme genießt man am besten allein. Wie ‘ne gute Currywurst: »Kommse vonne Schicht, wat schönret gibt et nicht...«.
Kerl, von wegen »Du liebst dich ohne Schminke«: Das i-Tüpfelchen bildet der silberne Lack mit orangefarbenen Race-Stripes. Orange glänzen auch die kunststoffbeschichteten Felgen vonne Ruhr. Und zwar nicht zu knapp. Dank Deget-Felgenverbreiterung rotiert hinten eine mächtige 200er-Heckwalze auf satter Sechseinhalb-Zoll-Felge. Fetter is better. Wenigstens bei Power-Cruisern.
Immerhin kleben die Metzeler Marathon, made in Germany, selbst bei Minusgraden besser auf Asphalt als wie Mayo auffe Pommes. Mächtig schiebt der von Porsche entwickelte 60-Grad-V2 die 281-Kilogramm-Fuhre an – satte elf Kilogramm leichter
als ab Werk. Voll original blieb das elastische 120-PS-Aggregat mit den förderturmhohen Zylindern. Wennze den Big Twin von
der mördermäßig strammen Kupplung schnalzen lässt, kommse verdammt zügig vom Fleck. Dann musse dich gut an der klasse geformten Lenkstange festhalten.
Und der Sound is nich von schlechten Eltern. Den Pulsschlag aus Stahl hörse laut, nicht nur bei Nacht. Die Zwei-in-eins-Auspuffanlage von Ixil trompetet die Dröhnlandsymphonie nur
so heraus. Selbst wenn die von Lindenberg ist und nicht von
Grönemeyer. Obacht, da fehlte der rausnehmbare dB-Eater im Endrohr, neudeutsch auch Noise-Limiter genannt.
»Wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld« kannse bei Harley wohl vergessen: Bereits serienmäßig kostet die Street Rod VRSCR 16155 Euro, für diesen Umbau bisse mit 22900 Euro
dabei. »Wer wohnt schon in Düsseldorf?« Die Zweigstelle der Steel Factory, wo diese VRSC-RR ebenfalls zu haben ist.
Und wer den Kanal partout nicht voll kriegt: Bearbeiten der Ansaugwege samt neuem Mapping und »Power Commander« soll bis zu 135 PS außem Hut zaubern, Aufbohren von 1131 auf 1247 cm3 sogar 150 getüvte Pferdekes. Dat is aber nur wat für Leute, die voll auf Droge sind und noch ma’ eben bis zu 5800 Euro extra auffe hohen Kante liegen haben. tsr

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