Steve McQueen Métisse Desert Racer (Archivversion) Racing is Life

– the rest is still waiting! Steve McQueen war nicht nur Filmstar, sondern auch Racer und Biker. Seine Leidenschaft wurzelt in der Begeisterung für ein besonderes Bike.

Hollywood-Legende Steve McQueen besaß einen beeindruckenden Fuhrpark – etwa 200 verschiedene Motorräder befanden sich im Besitz des berühmten Amerikaners. Eines davon hatte es ihm ganz besonders angetan: ein von einem Triumph-TR6-Paralleltwin angetriebenes und mit einem Métisse-Rahmen aufgebautes, schlankes Offroad-Bike namens Desert Racer, das er 1966 gekauft hatte. McQueen war bekannt dafür, dass er seine Motorräder exzessiv nutzte – so auch dieses, zum deutlichen Missfallen seiner Filmproduzenten. Zahlreiche mörderische Enduro-Rennen in Kalifornien und anderen westlichen US-Staaten bestritt er damit, erntete Top-Platzierungen sowie ein hohes Maß an Anerkennung, nicht nur in der eigenen Fan-Gemeinde.

Warum ihn gerade diese Métisse-Triumph so begeisterte, beschreibt ein Artikel in der amerikanischen Zeitschrift „Popular Science“, der im November 1966 erschienen ist. Darin schwärmt McQueen: „Das Motorrad ist seiner Zeit um Jahre voraus. Es ist ein revolutionäres Bike, das keinen Öltank mehr benötigt. Das Öl zirkuliert durch die Rohre des Rahmens, was es kühl hält. Das ist im harten Rennbetrieb wichtig. Und die Power – die Maschine ist schneller als der Schall!“ McQueen hatte genug Ahnung von der Materie, er wusste genau, wovon er sprach: „Mir sind die großen Viertaktmotoren lieber, speziell in so leichten Bikes wie diesem. Die Kotflügel und der Tank aus Fiberglas helfen, das Gewicht niedrig zu halten, und die Ceriani-Gabel beschert einem ein lässiges Fahrgefühl. Die BSA-Gabelklemmen sind dazu die stabilsten, die es gibt. Das ist wirklich wichtig für mich, denn ich habe schon so manche Unebenheit oder Bodenwelle so hart getroffen, dass ich den Lenker dabei verbogen habe!“ Das zeigt, mit welchem Einsatz der Schauspieler seine Rennen bestritt. Steve McQueen starb bereits 1980, gerademal 50 Jahre alt, an einem Herzinfarkt nach einer Krebs-Operation in Mexiko. Und auch seinen Métisse Desert Racer gibt es nicht mehr, zumindest weiß niemand etwas über dessen Verbleib. Wahrscheinlich wurde er bei einem der zahlreichen Einsätze zerstört. Dass McQueens Lieblingsbike nun in einer Kleinserie von 300 Stück in England Nähe Oxford neu aufgelegt wird, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Sir Anthony Bamford, Hersteller von Bau- und Industriemaschinen, Motorsport-Enthusiast, Nicht-Motorradfahrer, aber ein glühender Verehrer des amerikanischen Schauspielers, den er bei Autorennen kennengelernt hatte.

Vor etwa drei Jahren brachte Bamford Gerry Lisi von Métisse/Rickman dazu, eine Replik von genau der Maschine zu bauen, die Steve McQueen 1966 gekauft hat. Diese originalgetreue Kopie stand bald in den Londoner Verkaufsräumen von Sir Bamford, und innerhalb weniger Monate konnte sich die Firma Métisse/Rickman vor Kaufanfragen kaum mehr retten. Da McQueens Sohn Chad ebenfalls ein enthusiastischer Motorsportler ist, ließ er sich für das Projekt der Kleinserie schnell begeistern. Und so prangt nun auf allen Replikas die Signatur des berühmten Vaters. Die größte Schwierigkeit bei der Realisierung der 300 Desert Racer lag darin, den original Triumph-TR6-Zweizylinder in ausreichender Stückzahl zu bekommen. Auch die Hinterradnabe von BSA ist ein altes Originalteil, bei dessen Beschaffung Motorenbauer Bill Thompson aus Cheshire half und mit seinen fünf Scouts die raren Teile in USA und Kanada in ausreichender Stückzahl auftrieb. Thompson übernahm auch die komplette Revision der robusten, 650 Kubikzentimeter großen, charakterstarken Twins mit 360 Grad Hubzapfenversatz. Alle anderen Teile wurden neu produziert. Den leichten, aber sehr stabilen Scrambler-Rahmen ließ Gerry Lisi in bester Métisse/Rickman-Tradition (Métisse war eine Marke der berühmten englischen Rahmenbau-Brüder Rickman) aus hochfesten Reynolds-Rohren hartlöten. Anschließend bekam das Rohrwerk einen schützenden und edel glänzenden Nickel-Überzug. Die 35 Millimeter starke Telegabel stammt wie das Original von Ceriani und besitzt 190 Millimeter Federweg. Auch die BSA-Gabelklemmung, die sieben Zoll große Triumph-Trommelbremse, die Hagon- Federbeine und die Avon-Kunststoffteile sind originalgetreue Kopien vom damaligen McQueen-Scrambler. Einziges Zugeständnis an die Moderne ist die kontaktlose CDI-Zündung, wie sie Triumph bei den Maschinen der 1970er Jahre verwendete. Zusammengebaut wird der Vintage-Crosser in der knapp 400 Quadratmeter großen Métisse-Werkshalle auf dem Gelände eines eleganten, englischen Country-Clubs.

Dass dieses Motorrad seiner Zeit voraus war, spürt man heute noch. Nur die Startprozedur nimmt sich davon aus. Da keine Kaltstartanreicherung vorhanden ist, muss der mittig montierte Amal-Vergaser erst einmal gut mit Sprit geflutet werden, bevor der Motor mit zwei, drei Tritten auf den Kickstarter zum Leben erwacht. Was dabei aus den anmutig geschwungenen, kurzen und dämpferlosen Auspuffrohren entweicht, weckt selbst den verschlafensten Country-Club auf – ein sonor-würziges Markenzeichen. Mit sattem Drehmoment schiebt der trocken 135 Kilogramm leichte Offroader vorwärts, das gut schaltbare Vierganggetriebe muss nicht über Gebühr beansprucht werden. Erstaunlich ist, wie sanft der Twin läuft, fehlen im doch Errungenschaften der Neuzeit wie Ausgleichswellen völlig. Für ein Paralleltwin-Bike zeigt die Replika ein feinfühliges Handling, das den Umgang mit ihr auch unter widrigen Umständen enorm erleichtert. Steve McQueen hätte noch immer seine Freude an dem Bike, weshalb er mit der Entscheidung seines Sohnes Chad sicherlich einverstanden wäre, dass diese Bike seine Unterschrift trägt.

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