Stoßdämpfer und Umlenkhebel ausbauen/pflegen (Archivversion) Geschmiert und gefedert

Ist eine neues Federbein fällig? Sollen neue Umlenkhebel die Maschine tiefer oder höher legen? Dann helfen wir Ihnen gerne weiter.

Bei Umbauarbeiten an der hinteren Federung ist gleich zu Anfang ein mittelschweres Problem zu lösen: das Entlasten der Hinterradschwinge. Profis verwenden dazu einen Montageständer, der am Rahmen ansetzt, oder sie hängen das Motorrad mit einem kräftigen Gurt an der Werkstattdecke auf.

Für den einmaligen Umbau empfiehlt sich eine einfachere Lösung: Das Motorrad wird über den Seitenständer nach links gekippt und durch einen soliden Unterbau am Rahmen, an den Fußrasten oder am Auspufftopf abgestützt, so dass das Hinterrad komplett entlastet wird. Zur Sicherheit wird die Vorderradbremse mittels Gummiband blockiert, damit die Maschine nicht vornüberkippen kann, und der Lenker nach links eingeschlagen.

Erste Prüfung: Das Hinterrad wird in entlastetem Zustand auf- und abbewegt. Dabei sollte kein oder nur minimales Spiel auszumachen sein. Lässt sich die Schwinge mit lautem Klackgeräusch mehr als zwei Millimeter frei nach oben und unten bewegen, wird durch eine angelegte Fingerspitze jede Lagerstelle an den Umlenkhebeln oder dem Federbein auf Höhenspiel überprüft. Oft addieren sich diese Höhenspiele an der Hinterachse aus mehreren Nadellagern mit radialem Spiel. Dann helfen nur speziell angefertigte Übermaß-Innenringe weiter, beispielsweise von Fahrwerks-Guru Emil Schwarz anfertigt (www.emilschwarz.de). Spiel in der Umlenkung/Federbein kann zu unkontrolliertem Springen der Räder bei Schlaglöchern führen. Und Sportmotorräder neigen dann zu Chattering, das sind lästige Vibrationen beim Einlenken und in Schräglage, speziell, wenn sie mit Rennsportreifen oder Slicks besohlt sind.

Federbeine können je nach Lage schnell und einfach nach oben oder unten entfernt werden. Doch gelegentlich ist es notwendig, die kompletten Umlenkhebel zu entfernen, um das Federbein nach unten durch die Schwinge hindurchfädeln zu können. Bevor die Umlenkhebel ausgebaut werden, Einbaulage und die jeweils dazugehörigen Bolzen skizzieren und markieren.

Bei Federbeinen mit einer hydraulischen Vorspannung muss diese am Rahmen abgeschraubt und die Leitung ohne zu knicken dem Federbein hinterhergeschoben werden.

Bei Nachrüst-Federbeinen empfiehlt es sich auf jeden Fall, die Breite der Befestigungsaugen und die Einbaulänge zu kontrollieren. Umlenkhebel oder Zugstreben für eine Höher- oder Tieferlegung werden vor dem Austausch mit den Originalteilen verglichen und die Länge von Bohrung zu Bohrung vermessen und notiert.

Durch die exponierte Einbaulage der Umlenkung ist diese meist extrem verschmutzt oder korrodiert. Um den hartnäckigen Schmutz zu entfernen, kann mit Messingbürste oder Druckluft gearbeitet werden . Dabei müssen aber die Lagerinnenringe in den Dichtringen verbleiben, da sonst feine Schmutzpartikel in die Nadellager eindringen. Nach der Reinigung werden die Lagerringe entfernt, gereinigt und mit einer frischen Fettpackung wieder montiert .

Bei vielen Stoßdämpfern ist für diesen Arbeitsschritt allerdings eine Federpresse erforderlich. In diesem Fall hilft nur der Gang zum Spezialisten oder in eine gut ausgestattete Motorradwerkstatt. Vor Versuchen, die Feder mit Montierhebel oder Schraubendreher zu entfernen, sei gewarnt, denn durch die enorme Federkraft kann man sich bei unsachgemäßem Umgang schwere Verletzungen zuziehen. In jedem Fall muss vor der Demontage die vorgespannte Federlänge vermessen und notiert werden. Ist die Kolbenstange des Stoßdämpfers riefig oder ölverschmiert , sind meist die Dichtringe mitsamt Führungen verschlissen, was eine Reparatur oder den Austausch gegen ein Nachrüstfederbein notwendig macht.

Bei der nächsten Prüfung wird die Kolbenstange gegen den Druck des Gaspolsters im Federbein in den Dämpfer geschoben . Dabei muss ein gleichmäßiger, cremig-hydraulischer Widerstand bis zum Umkehrpunkt zu spüren sein. Es darf auf keinen Fall zu kurzen, ruckartigen Widerstandsverlusten mit schlürfenden Geräuschen der Dämpfung kommen. Dies würde auf Luft im System schließen und ebenfalls einen Austausch anraten lassen.

Beim "Ausfedern" muss sich die Dämpferstange selbsttätig langsam und gleichmäßig bis zum Anschlag aus dem Dämpferzylinder herausschieben.
Dieser Vorgang kann mit unterschiedlichen Einstellungen der Dämpferschrauben wiederholt werden, wenn vorher die Grundeinstellung notiert wurde. Dabei wird man bei funktionierenden Einstellmöglichkeiten deutliche Unterschiede in der Druck- und Zugstufen-Dämpfkraft feststellen.

ACHTUNG: Diese Prüfungen lassen sich nur bei den üblichen Zentralfederbeinen mit getrenntem Gasdruckpolster durchführen.
Gibt es an der Funktion des Dämpfers nichts auszusetzen, werden alle Bauteile in umgekehrter Reihenfolge montiert. Beim Einbau des Dämpfers darauf achten, dass die Zugstufeneinstellung am Gabelfuß auf der richtigen, zugänglichen Seite liegt. Wenn nicht, einfach den Gabelfuß mit einem passenden Dorn oder Schraubenschlüssel um 180 Grad verdrehen.

Vor der Montage werden zunächst sämtliche Bolzen gefettet sowie Muttern ohne Sicherungsring mit flüssiger Schraubensicherung eingestrichen. Dann wird das Motorrad von der provisorischen Abstützung genommen und alle Muttern und Bolzen in belastetem Zustand festgezogen. Dies garantiert, dass sich sämtliche Verschraubungen mit leichtem Höhenspiel in Lastrichtung anlegen und nicht erst während des Fahrens unter hoher Last setzen. Wer sich nicht sicher ist, verwendet einen Drehmomentschlüssel und die werkseitig angegeben Anzugswerte. Zur Sicherheit werden alle Schraubverbindungen nach der ersten Probefahrt auf festen Sitz kontrolliert.Die nächste Folge "Ratgeber Werkstatt" in MOTORRAD 16/2009 beschäftigt sich mit dem Wechsel von Rad-/Kettenlager hinten

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