"Strategische Bedeutung" (Archivversion)

Die Zahlen dürften auch der in den letzten Jahren durchaus erfolgs­verwöhnten BMW-Belegschaft in den Ohren klingeln. Nach eigenen Angaben über eine Million motorisierte Zweiräder, über zwei Millionen Motoren – wenn man bei Loncin von Stückzahlen spricht, müssen die Bayern mit ihren rund 100000 Motorrädern im Jahr betreten schweigen.

Erst recht, wenn man weiß, dass Loncin erst 1994 gegründet wurde. Heute ist die Firma die Nummer eins in der Rangliste der privaten Unternehmen in der Region Chongqing, einem Zweirad-Ballungsraum, in dem pro Jahr zwischen fünf und sechs Millionen Motorräder hergestellt werden und ein Großteil der chinesischen Zuliefer­industrie ansässig ist.

Aktuell arbeiten bei Loncin über 4800 Menschen, davon rund 850 in der Entwicklung. Trotzdem legt BMW Wert darauf, dass Loncin an der Entwicklung des Xcountry-Motors nicht beteiligt war und die Industria­li­sierung vor Ort unter Aufsicht von BMW-Experten nach BMW-Vorgaben durchgeführt wurde. Es wurde gar eine eigene Produktionslinie eingeführt, an der die Mitarbeiter exklusiv am BMW-Motor werkeln. Das ist insofern nicht erstaunlich, wenn man berücksichtigt, dass Loncin zwar jede Menge Motorrad-Erfahrung mitbringt und zu den drei größten Motorrad-Produzenten im Reich der Mitte gehört, mit dem 650er-Xcountry-Motor jedoch Hubraum-Neuland betritt, weil sich der überwiegende Rest der Zweirad- und Quad-Palette in den dort üblichen Größen-ordnungen zwischen 50 und 200 Kubikzentimetern bewegt.

BMWs Kleinster ist also bei Loncin ein ganz Großer. Und für BMW ein großer Schritt auf zu neuen Ufern – auch wenn die Münchner den China-Motor als einen ganz logischen Schritt auf ihrem Weg zum Voll-Sortimenter mit weltweiter Präsenz betrachten.

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