Studie: BMW R 120 CS Warum nicht?

Die Bayern und ihre Tradition - a bisserl was geht alleweil. Nur bei einem Retro-Bike nicht. Dabei stände den Münchnern ein Blick zurück nicht schlecht, oder?

Man hätte das wissen können. Trotzdem war der eine oder andere überrascht. Keine BMW dabei! Ausgerechnet bei dem Thema Retro-Bikes (siehe vorhergehende Seiten). Warum eigentlich nicht? Wem fiele es leichter, einen richtig flotten Klassiker mit aktueller Technik auf die Speichenräder zu stellen, als den Münchnern? Liegt doch praktisch alles im Regal. Ruck, zuck, stände sie da, die legitime Enkelin der - sagen wir mal - R 90 S! Na, ja, nicht ganz. Denn beim Versuch, eine würdigen Nachfolgerin herbeizu-malen, stieß MOTORRAD-Designer Stefan Kraft bei der BMW-typischen Vorderradführung Telelever in Kombination mit der klassischen Tankform ohne modisch nach vorn gezogene Flanken an Grenzen. Der Längsträger passt dann ebenso wenig ins Retro-Konzept wie das freiliegende Mono-Federbein. Also muss - wie früher übrigens - eine konventionelle Gabel her, aber auch das ist ja in München kein Tabubruch mehr. Der aktuelle Gitterrohrrahmen hingegen harmoniert ebenso mit der klassischen Linienführung wie das Grundlayout des luftgekühlten Boxermotors, bei dem ja demnächst ganz zeitgemäß zwei obenliegende Nockenwellen den Gaswechsel steuern werden. Streiten kann man sicher, ob die obligatorische Einarmschwinge einen zierlichen zweiten Schwingenarm bekommen sollte, weil das besser mit der klassischen Zwei-Schalldämpfer-Lösung harmoniert. Unstrittig hingegen ist, dass eine derart konfigurierte R 120 CS wohl nicht nur bei altgedienten BMW-Fans ankäme, sondern auch Kunden diesseits des Rentenalters begeistern könnte. Und nun das traurige Ende der Geschichte. ?Hätte, sollte, würde" - alles Konjunktiv und wohl zu Recht, wie das nebenstehende Interview nahelegt. Dennoch: MOTORRAD wüsste gerne, wie eine Retro-BMW ankäme. E-Mails bitte an skaschel@motorpresse.de, Briefe unter dem Stichwort "R 120 CS" an die Redaktion.

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?Die Aufgabe übernimmt die R 1200 R"

BMW-Motorrad-Vorstand Hendrik von Kuenheim über ein Retro-Angebot im BMW-Programm

? Herr von Kuenheim, sind die BMW-Kunden nicht langsam reif für ein Retro-Bike aus München? ! Mit dieser Fragestellung muss man sehr sorgsam umgehen. Ein echtes Retro-Bike träfe sicher die Herzen mancher romantischer BMW-Enthusiasten. Allerdings würde eine Neuauflage eines alten Motorrads am Ende des Tages nicht genügend Kunden finden, um so ein Projekt finanziell tragfähig werden zu lassen. Solch ein Motorrad müsste völlig neu entwickelt werden und bliebe letztlich nur eine Kopie des Originals. ? Schuldet die Marke BMW sich nicht angesichts der über 85-jährigen Motorrad-Tradition einen Blick zurück? ! Der Boxer ist eine Ikone. Wir haben das einzigartige Motor-Prinzip mit seiner langen Historie nicht nur bewahrt, sondern entwickeln es intensiv weiter. Der Blick zurück ergibt sich von selbst durch die Synthese aus traditioneller Bauweise und zukunftsweisender Technologie. Die Boxer-Baureihe bleibt auch in Zukunft der starke Kern der Marke BMW Motorrad. Wir sind uns dieser Historie sehr bewusst. ? Verträgt sich dieser Blick überhaupt mit Ihren jüngsten Bemühungen, ein jüngeres, progressiveres Publikum anzusprechen? ! Warum nicht? Nicht jeder will eine BMW mit Boxer-Motor. Wir wollen wachsen, und das geht nur, indem wir mit anderen faszinierenden Produkten neue Kunden ansprechen, die wir mit unserem bisherigen Angebot nicht erreichen konnten. ? Würde sich der MOTORRAD-Vorschlag, nämlich eine moderne R 90 S, weitgehend mit Ihren Vorstellungen decken, oder hätten sie in dieser Hinsicht ganz anderes im Kopf? ! In der Historie der Marke fänden sich viele Modelle, die man als Basis für ein Retro-Bike verwenden könnte – es müsste nicht die R 90 S sein. ? Hätte BMW nicht alle Teile, darunter mit dem luftgekühlten Boxer auch den idealen Motor, um ohne viel Aufwand ein solches Motorrad auf die Räder zu stellen? ! Wir haben mit dem BMW Custom Concept bereits gezeigt, was aus dem Boxer noch entstehen könnte. Oberflächlich be-trachtet, sieht das Motorrad aus, als könne man es von heute auf morgen darstellen. Was sich Außenstehenden aber entzieht, ist der Aufwand, der hinter einer Produktentwicklung steht, um so ein Motorrad in Serie zu produzieren und weltweit zu vertreiben – das wäre aber eine Geschichte für sich. ? Sicher hat BMW zu diesem Thema schon Kundenbefragungen durchgeführt. Mit welchem Ergebnis? ! Wir führen zu zahlreichen Themen Kundenbefragungen durch. Die Analysen dienen vor allem dazu, daraus Rückschlüsse für unser zukünftiges Modellprogramm ziehen zu können. Über die Ergebnisse können wir aber aus Wettbewerbsgründen in der Öffentlichkeit nicht sprechen. ? Mit welchem Ergebnis rechnen Sie, wenn MOTORRAD seine Leser nach der Akzeptanz des Entwurfs fragt? ! Auf jeden Fall wird es Rückschlüsse auf den Teil Ihrer Leserschaft ermöglichen, der auch zu unserem Kundenkreis gehört. Spaß beiseite; wir exportieren über 80 Prozent unserer Motorräder ins Ausland. Würden wir beabsichtigen ein Retro-Bike zu bringen, dann müssten wir die Meinungsbildung auf eine breitere Basis stellen und auch Kunden in Europa, USA oder Japan befragen. ? Ist zukünftig mit einer BMW im Retro-Style zu rechnen? ! Lassen Sie es mich so formulieren: Es wird in unserem Modellportfolio immer ein eher klassisch anmutendes Motorrad geben – diese Aufgabe übernimmt derzeit die R 1200 R.

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