Studie Ducati Super Strada Desmodromia

Wohin das Styling von Ducati geht, ist spätestens seit dem Erscheinen der 999 fraglich. MOTORRAD erinnert mit der SuperStrada an die Tradition.

Es ist schon ein Jammer. Da haben die Ducati-Mannen den wohl aufwendigsten und erfolgreichsten Zweizylindermotor aller Zeiten gebaut und verstecken ihn hinter modernem Design-Plastik. So wie die 999 auf den Rädern steht, ist sie ein Schlag ins Gesicht aller traditionellen Ducati-Fans. MOTORRAD-Zeichner Stefan Kraft sieht das ähnlich und entwarf eine Maschine, die, ohne auf moderne Technik zu verzichten, wieder eines leistet: Sie berührt. Mit filigraner Mechanik, verchromten Auspuffen und kunstvoll gestricktem Gitterrohr. Dabei kommt als Antrieb kein anderer als der Desmo der 999 in Frage. Denn 120 PS sollten die SuperStrada schon nach vorne drücken. Schließlich will man ja mit den Kumpels mitkommen. Allerdings darf der starke V2 statt billiger Plastikhutzen sauber konturierte Zahnriemenabdeckungen tragen. Und seine Abgase entsorgt er ganz offen und ehrlich in einer Zwei-in-eins-Auspuffanlage, die dazu noch – welch Frevel in der Neuzeit – verchromt ist und somit schnell mal blau anläuft. Kenner der Marke werden sich an selige Königswellenzeiten erinnert fühlen, was übrigens der kleine Sitzbankhöcker ebenfalls leisten soll. Unter ihm versteckt sich nichts als ein kleiner Raum für die Regenkombi, so wie es früher schon war. Und heute noch immer praktisch ist. Das kleine runde Rücklicht daran könnte bereits in den Siebzigern gestylt worden sein, auch wenn es moderne Diodentechnik trägt. Der Tank soll ebenso klassisch gestaltet werden, nur die Verkleidung darf ein wenig an die 999 erinnern und trägt die charakteristischen seitlichen Luftschlitze. Dafür wird der Scheinwerfer bündig in die Verkleidung integriert. Bei der 999 artet jede Putzaktion nach einer mückenreichen Sommerausfahrt zum Fummeldrama im zerklüfteten Scheinwerferbereich aus.Der Rahmen und die Schwinge werden in Gitterrohrbauweise gefertigt. Und zwar gefertigt, nicht zusammengebrutzelt wie bei den aktuellen Modellen. Schon Otto Waalkes wusste: »Das Auge isst mit!« Deswegen bitte schön zarte und regelmäßige Schweißnähte auftragen und die Rohre gerade lassen. Solchermaßen gefertigt, kann das ganze Fahrwerk rot lackiert werden und muss sich nicht mehr schamvoll verstecken. Ergänzt wird das Ganze mit konventionellen Räder, Bremsen, Gabel und Federbein.Einen Mythos muss man pflegen. Und den italienischer Motorradbaukunst erst recht. Die Ducati SuperStrada schafft das. Ob die Italiener jemals wieder so eine Ducati baut? MOTORRAD hofft es.

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