Superbike-Technik Yamaha R7 (Archivversion)

Daß eine R7 nicht unter die Rubrik »Gewöhnlich« fällt, dafür sorgt schon der Einstandspreis von stolzen 49 990 Mark. Genau 500 Einheiten dieser bildschönen Maschine sind bislang in Japan vom Band gelaufen, und damit ist genug. Denn die R7 soll nicht die Landstraßen der Welt bevölkern, sondern sportlichen Lorbeer ernten und die Superbike-WM gewinnen.Zu diesem Zweck stellte Kunihiko Miwa, Projektleiter und Vater der gesamten R-Familie, ein beispiellos kompromißloses Bike auf die Räder. Denn entgegen der äußerlichen Ähnlichkeiten zu ihren Schwestern R1 und R6 ist die R7 eine komplett eigenständige Entwicklung. Der mattschwarze Rahmen lehnt sich stark am Layout des aktuellen 500er GP-Bikes an und soll im vorderen Bereich die Steifigkeit des R1-Chassis um glatte 100 Prozent übertreffen. Ähnlich steif auch die lange, aus Aluminiumprofilen verschweißte Kastenschwinge, die zur R1-Schwinge immerhin um 80 Prozent an Stabilität zugelegt hat. Exzentrische Lagereinsätze für Lenkkopf und Schwingenaufnahme eröffnen dem Piloten in Verbindung mit den zigfach einstellbaren Federelementen von Öhlins eine Vielzahl von Abstimmungsmöglichkeiten. Daß Tank und Verkleidung mit Schnellverschlüssen befestigt sind, ist selbstverständlich. Auch die Öffnung für ein zweites Tankventil beim Einsatz in der Langstrecken-WM ist bereits vorhanden.Richtig aufwendig wird es dann im Motorinneren. Kurzhemdige Schmiedekolben, vier leichte Titanpleuel (260 Gramm) und 20 Titanventile sorgen für eine Reduzierung der bewegten Massen und erhöhen so die Drehzahlfestigkeit. Mit 48 Millimeter Hub liegt die R7 gleichauf mit der Suzuki GSX-R 750 und 3,2 Millimeter über der Kawasaki ZX 7R. Um die Baulänge des Aggregats kurz zu halten, liegen die Getriebewellen wie schon bei der R1 übereinander. Die Zylinder sind in das obere Motorgehäuse integriert. Schon serienmäßig verfügt die R7 über ein eng gestuftes Sechsganggetriebe.Die Benzinversorgung übernimmt eine Einspritzanlage mit zwei Einspritzdüsen pro Zylinder. Der besonderer Gag dabei: Über ein kleines Kästchen, das im Kit enthalten ist, läßt sich die Elektronik durch ein paar Knopfdrücke vom Straßen- in den Rennmodus umschalten. Damit wird automatisch eine schon vorhandene, zweite Einspritzdüse aktiviert. In diesem Modus wiederum kann sowohl die Einspritzmenge im unteren als auch im oberen Drehzahlbereich in Abhängigkeit von der jeweiligen Drosselklappenstellung beeinflußt werden. Klingt genial, ist aber nicht ganz einfach, immerhin umfaßt dieses recht komplizierte Kapitel knapp 20 Seiten im Kit-Handbuch. Schlüsselstelle ist dabei die elektronische Tachoeinheit. Die Nadel zeigt während der Einstellarbeiten die einzelnen Programmierschritte an.Die werksseitig angegebenen 106 PS für das Serienmotorrad sollten nicht beunruhigen. Die basieren auf der französischen Gesetzesgrundlage für die Homologation. Angesichts des vorbestimmten Einsatzzwecks der R7 hat man sich aus Kostengründen europaweit einfach auf diese Grenze herabgelassen. Der Kit mit Motoren- und Einspritzteilen, Schalldämpfer und Kühler soll laut Yamaha für immerhin 163 PS gut sein.

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