Superbike Zweizylinder (Archivversion) Wenig Hoffnung für die Japaner

Was für eine Panne: Aufgrund noch geheim gehaltener Produktionsschwierigkeiten fehlt die Suzuki TL 1000 R bei diesem Vergleich. Und damit entbehrt das Zweizylinder-Match nahezu jeglicher Spannung. Daß die Ducati 916 SPS die Nase vorn haben wird, ist klar. Die Frage ist nur: wie weit?Patsch. Mit einer Traumzeit von 1.34.51 schockiert die Italienerin nicht nur die direkte Konkurrenz, auch die hoch favorisierten 600er sehen plötzlich blaß aus. Sollte Leistung tatsächlich durch nichts zu ersetzen sein - selbst auf einem so verzwickten Kurs wie Calafat?Schon aus dem Drehzahlkeller wird weich beschleunigt, um am Kurvenausgang die volle Power des Vau-Zwo auszukosten. Nach dem Umstieg von den 600ern ist es schon fast beängstigend, mit welcher Macht die Ducati aufs nächste Eck zuschiebt.Das Fahrwerk ist eine Wucht - wenngleich sich die extrem hohe Fahrstabilität negativ aufs Handling auswirkt. Die Ducati verlangt stets nach kräftigen Lenkbefehlen. Aber einmal auf Kurs gebracht, ist sie durch nichts mehr aus der Ruhe zu bringen. Ohne Übung läuft allerdings wenig: Wie die 748 SPS läßt sich die 916 SPS nur von erfahrenen Piloten zu Höchstleistungen anspornen. Und ebenso wie ihre kleine Schwester leidet sie unter Bremsbeschwerden.Von der Motorcharakteristik her ähnlich, streicht die Suzuki TL 1000 S zumindest in diesem Punkt gute Noten ein. Der Einspritzer hängt spontan am Gas und überzeugt durch satten Schub aus unteren und mittleren Drehzahlen. Allerdings geht dieser in Regionen oberhalb der 9000er Markierung, wo das Ducati-Triebwerk noch mal richtig zubeißt, flöten.Trotz identischer Bereifung (Michelin Race 3) baut die TL niemals den Grip auf, wie ihn die 916 bietet. Ein Zeichen dafür, daß die eigenwillige Hinterradfederung der Suzuki noch nicht der Weisheit letzter Schluß ist. Auch die Gabel wirkt vergleichsweise schlapp. Ein Trost für alle Suzuki-Fahrer: die TL ist um 25400 Mark günstiger als die Kampfmaschine aus Bologna.Auch die Honda-Fan-Gemeinde sollte ob des bescheidenen Abgangs der VTR 1000 F nicht gleich in die Luft gehen. Schließlich war die Firestorm nie dafür gedacht, sportlichen Lorbeer zu erringen. Touristisch komfortabel und leicht zu beherrschen, schlingert sie wenig ehrgeizig um den Kurs, wobei die Gabel bei jedem härteren Bremsmanöver durchschlägt und das Vorderrad über sämtliche Wellen springt. Da hilft nur eins: Gas raus.

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