Supersport und Superbike-WM in Misano/Italien

Jetzt geht’s los

Unter der sengenden Adria-Sonne eröffnete Supersport-Weltmeister Jörg Teuchert in Misano die heiße Phase in Sachen Titelverteidigung.

Jörg Teuchert musste eine Weile nachdenken. »Wann ich zum letzten Mal in der ersten Startreihe gestanden bin? Ich denke das war im vergangenen September in Assen.« Im Rennen konnte sich der Weltmeister von Startplatz drei aus zusammen mit seinem Yamaha-Markenkollegen und Erzrivalen um den Supersport-WM-Titel, Paolo Casoli, sowie dem schottischen Kawasaki-Werksfahrer Iain MacPherson an der Spitze festsetzen.
Und was dann folgte, war eine Demonstration strategischer Überlegenheit des in diesem Jahr noch sieglosen Champions. »Casoli konnte vor allem am Ende der Gegengeraden extrem spät bremsen«, schildert Teuchert die Frühphase der Hitzeschlacht, »sich dort mit ihm anzulegen wäre sehr gefährlich gewesen. Beim Anbremsen diese langsamen Linkskehre rutschst du schnell mal aus.«
So hielt sich der Franke gerade dort deutlich sichtbar zurück, bremste bewusst relativ früh und wiegte die Herren Casoli und MacPherson in Sicherheit. »In der vorletzten Runde aber musst du in Misano an der zweiten Position sein, wenn du gewinnen willst«, erklärte Stratege Teuchert und machte deshalb beim Anbremsen der La Quercia-Kehre ernst. Vizeweltmeister und WM-Tabellenführer Casoli staunte nicht schlecht, dass ausgerechnet »Frühbremser« Teuchert sich plötzlich doch an ihm vorbei auf Rang zwei hinter dem führenden MacPherson zwingen konnte.
Der Schotte ahnte natürlich, was ihm dann in der letzten Runden blühen könnte. Und die Ahnung sollte wahr werden. Wieder am Ende der Geraden schnappte sich Frankenstolz Teuchert MacPherson und fuhr die letzte halbe Runde souverän zu einem mit fünf Hundertstelsekunden Vorsprung ebenso knappen wie dennoch überlegenen Sieg.
Teucherts Sieg, nach dem Trainingsergebnis von vielen erwartet, brachte den Titelverteidiger bis auf zwölf WM-Punkte an Tabellenführer Casoli heran. Die heiße Phase des WM-Duells zwischen dem italienischen und dem deutschen Yamaha-Star ist damit eröffnet, auch wenn sich einige weitere Konkurrenten noch Hoffnungen machen, vielleicht dazwischenfunken zu können.
Der Teamchef des Meisters, Ex-Rennfahrer Udo Mark, hat in seiner eigenen aktiven Karriere schon einiges erlebt. Und nicht zu vergessen das unglaubliche Saisonfinale im Vorjahr, als Teuchert mit Hilfe seines Teamkollegen Christian Kellner aus dem Vorhof der Hölle noch zum von vielen längst abgeschriebenen WM-Titel gefahren ist. Doch auch für den Schwarzwälder gibt es Momente des grenzenlosen Erstaunens. »Der Teuchert – der ist doch der Hammer«, suchte der Teamchef noch Minuten nach dem Misano-Sieg nach Worten, »es ist nicht zu fassen, wie Jörg ein ganzes Rennen exakt auf das Ergebnis ausrichten kann. Dazu gehört eine mentale Stärke, die ihresgleichen sucht.«
Udo Mark hatte auch noch eine Überraschung parat. Er erklärte nach dem Sieg seinen Rückzug für das Saisonende: »Ich habe mit Yamaha Deutschland einen Drei-Jahres-Vertrag. Der läuft Ende 2001 aus und wird nicht verlängert. Ich möchte mir künftig neue Aufgaben suchen, nicht mehr an vorderster Front an der Rennstrecke. Außerdem ziehen mich auch private Gründe wieder zurück nach Süddeutschland.«
Das Wilbers-Yamaha-Erfolgsteam sieht Jörg Teuchert allerdings nicht gefährdet: »Udo Mark hat in den vergangenen drei Jahren zusammen mit der ganzen Mannschaft hervorragende Arbeit geleistet. Wir müssen respektieren, wenn er sich jetzt anders orientieren will. Außerdem haben mir Vertreter von Yamaha Deutschland und der europäischen Yamaha-Zentrale in Amsterdam bereits versichert, dass das Team auch 2002 bestehen bleibt. Und auch ich wäre sehr daran interessiert, weiter für Yamaha zu fahren.«
Teucherts Teamkollege Christian Kellner konnte auch in Misano, wo er im Vorjahr gewonnen hat, seine Pechsträhne nicht beenden. Der Oberbayer musste nach einer Kollison mit dem italienischen Suzuki-Fahrer Iannuzzo aufgeben.
Die Superbike-WM-Rennen wurden zur sicheren Beute der beiden Ducati-Werksteams. Im ersten Lauf dominierte Troy Bayliss vor seinem »feindlichen« Bruder Ben Bostrom. Im zweiten Rennen drehte der California Dreamboy den Spieß um und siegte vor WM-Tabellenführer Bayliss. Der starke Auftritt des spanischen Kawasaki-Fahrers Gregorio Lavilla wurde nur zum Teil belohnt. In beiden Rennen bezwang er Weltmeister Colin Edwards auf der Werks-Honda im Kampf um Rang drei. Im ersten Lauf aber wurde Lavilla wegen eines umstrittenen Überholmanövers unter gelber Flagge auf Rang vier zurückversetzt.
Anzeige

Dreiklang sucht Harmonie

Schon das akustische Erlebnis ist einzigartig. Das brandneue Benelli Tornado 900-Superbike bringt nämlich melodiösen Dreizylinder-Sound in das eher herbe Konzert aus V2-Traktoren-Donner und Reihenvierergeschrei.Und auch sonst überrascht die Neubelebung der Traditionsmarke Benelli mit originellen Details. Die futuristisch anmutenden Lüfterräder am Heck der Vorserien-Tornado sind bei der Rennmaschine zwar verschwunden. Dennoch bleibt die Benelli-Kühlung ungewöhnlich. Von Schlitzen in der vorderen Verkleidung führen Luftkanäle zum unter dem Sitz platzierten Kühler.Auch der Rahmen der Benelli hat in der Superbike-Welt kein Pendant. Der Brückenrahmen besteht aus Gussteilen für Lenkkopf und Schwingenlagerung, die durch Stahlrohre verbunden werden. Der als tragendes Teil konzipierte 900er-Reihendreizylinder-Motor mit 88 Millimeter Bohrung und 49,2 Millimeter Hub leistet nach offiziellen Angaben bei einer Verdichtung von 12,8 derzeit 165 PS bei 13000/min am Hinterrad. Damit konnte Werksfahrer Peter Godard beim Debüt in Misano zwar nicht, wie von Benelli-Chef Andrea Merloni prophezeit, die Superpole-Qualifikation der schnellsten 16 erreichen. Von Startplatz 27 aber fuhr der Routinier bis gegen Rennmitte auf Rang 16 vor und wurde lediglich von einem defekten Benzinschlauch gestoppt. Und auch nach dem Sturz im zweiten Rennen war die Stimmung nicht allzu schlecht im Benelli-Lager. Denn selbst wenn das Fahrwerk noch nicht perfekt auf den weit vorn liegenden Schwerpunkt der Tornado abgestimmt ist, und die Benelli vielleicht auch deswegen ihre Dunlop-Reifen noch zu stark beansprucht, zeigt der flotte Dreier durchaus ausbaufähige Anlagen.

Ergebnisse Superbike: 1. Lauf

ErgebnisseSuperbike: 1. Lauf1. Troy Bayliss (AUS) Ducati 40.23,410 min2. Ben Bostrom (USA) Ducati -0,4823. Colin Edwards (USA) Honda -11,3864. Gregorio Lavilla (E) Kawasaki -13,3725. Akira Yanagawa (J) Kawasaki -16,2036. Neil Hodgson (GB) Ducati -16,3347. Troy Corser (AUS) Aprilia -16,3378. Alessandro Antonello (I) Aprilia -20,7459. Tadayuki Okada (J) Honda -26,04910. Ruben Xaus (E) Ducati -34,10411. James Toseland (GB) Ducati -34,41212. Pierfrancesco Chili (I) Suzuki -34,50513. Steve Martin (AUS) Ducati -50,02214. Stephane Chambon (F) Suzuki -55,65115. Alessandro Gramigni (I) Yamaha -57,20625 Runden = 101,500 kmSchnitt des Siegers: 150,779 km/hSuperbike: 2. Lauf:1. Ben Bostrom (USA) Ducati 40.20,677 min2. Troy Bayliss (AUS) Ducati -7,5473. Gregorio Lavilla (E) Kawasaki -12,4834. Alessandro Antonello (I) Aprilia -15,0695. Tadayuki Okada (J) Honda -18,0506. Ruben Xaus (E) Ducati -26,9127. Broc Parkes (AUS) Ducati -29,5888. James Toseland (GB) Ducati -30,8629. Troy Corser (AUS) Aprilia -33,19210. Pierfrancesco Chili (I) Suzuki -38,49411. Colin Edwars (USA) Honda -47,17412. Alessandro Gramigni (I) Yamaha -52,14713. Stephane Chambon (F) Suzuki -56,11914. Giovanni Bussei (I) Ducati -57,71915. Mauro Sanchini (I) Ducati -59,29125 Runden = 101,500 kmSchnitt des Siegers: 150,950 km/hPole Position: Hodgson in 1.35,235 min = 153,473 km/hSchnellste Runde: Hodgson in 1.35,403 min = 153,203 km/hWM-StandBayliss 250Edwards 203Corser 179Chili 153Bostrom 147Hodgson 141Lavilla 116Yanagawa 110Okada 100Chambon 80Xaus 77Laconi 75Izutsu 63Tamada 50Toseland 37Supersport1. Jörg Teuchert (D) Yamaha 38.26,298 min2. Iain MacPherson (GB) Kawasaki -0,0843. Paolo Casoli (I) Yamaha -0,4194. Fabien Foret (F) Honda -2,4605. Chris Vermeulen (AUS) Honda -3,6336. Katsuaki Fujiwara (J) Suzuki -4,0647. James Whitham (GB) Yamaha -8,0558. Andrew Pitt (AUS) Kawasaki -18,5319. Karl Muggeridge (AUS) Suzuki -18,63810. Piergiorgio Bontempi (I) Yamaha -18,99911. Nello Russo (I) Yamaha -19,12512. Christophe Cogan (F) Yamaha -19,24513. Alessio Corradi (I) Yamaha -32,49014. Camillo Mariottini (I) Ducati -35,68515. Werner Daemen (B) Yamaha -35,84123 Runden = 93,380 kmSchnitt des Siegers: 145,761 km/hPole Position: MacPherson in 1.38,125 min = 148,950 km/hSchnellste Rennrunde: MacPherson in 1.39,253 min = 147,260 km/hWM-StandCasoli 100Teuchert 88Curtain 81Pitt 80Muggeridge 64Riba 53MacPherson 49Whitham 47Bontempi 45Guareschi 43Fergusson 40Cogan 40Fujiwara 37Pirovano 31Kellner 30

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote