Neuheit von Honda Supersportler von Honda - die neue RC 30

Darauf mussten Honda-Fans viele Jahre warten: Endlich will der größte Motorradhersteller der Welt wieder den Standard setzen. Honda-Boss Takanobu Ito kündigte an, dass man einen Nachfolger der legendären V4-Maschine VFR 750 R RC 30 bauen wolle.

Foto: Quality-Lab-srl

Jetzt scheint es den Honda-Oberen zu reichen. Seit Jahren mussten sie erleben, wie ihnen zunächst Ducati mit der Straßenversion der Desmosedici und seit einiger Zeit sogar BMW das Wasser im Supersportsegment abgrub. Die bayerische S 1000 RR, nun sogar noch mit der Version HP4 frisch aufgewertet auf dem Markt, ließ nicht nur leistungsmäßig jeden Konkurrenten ziemlich alt aussehen. Inzwischen muss selbst Honda anerkennen, dass die Europäer auch technologisch die Führungsrolle hier übernommen haben. Was die neue BMW an hoch entwickelter Elektronik an Bord hat und vor allem wie diese funktioniert, lässt zurzeit alles andere verblassen.

Da will Honda nun gegenhalten, und zwar mit lupenreiner MotoGP-Technik. Die straßentaugliche Version einer zukünftigen Moto-GP-Maschine soll es werden. Und mit all den elektronischen Helferlein versehen, die heutzutage das Pilotieren der 260-PS-Rennboliden am physikalischen Limit ermöglichen. Klar scheint nach dem MOTORRAD-Interview mit Honda Motorrad-Direktor Tatsuhiro Oyama und Entwicklungs- und HRC-Präsident Tetsuo Suzuki, dass die Straßen-RCV von einem 1000-cm3-V4-Motor angetrieben wird. Darüber, wie weit sich das V der beiden Zylinderbänke spreizen wird, kann nur spekuliert werden. Sicher werden es weniger als die traditionellen 90 Grad der immer noch hoch geschätzten RC 30 sein.

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Foto: Honda

Dafür wird der Motor mit guten 15000/min Höchstdrehzahl deutlich über 200 PS leisten können. Interessant wird sein, ob die zukünftige MotoGP-Replica wie früher die RC 30 bei HRC entwickelt und gebaut wird. Die legendäre Honda-Rennabteilung, deren Gründung sich gerade zum 30. Mal jährt, steht für außerordentlich penible Verarbeitung und geringe Stückzahlen. Denn eines scheint schon jetzt klar: Die Neue wird wohl einem exklusiven Kundenkreis vorbehalten bleiben. Nämlich denen, die einiges an Barem auf dem Konto haben. Man darf also durchaus daran zweifeln, dass 50000 Euro reichen, um sich die Hightech-Maschine aus Japan kaufen zu können. Als Beispiel kann hier die Ducati Desmosedici herhalten. Die V4-Waffe aus Bologna wird selbst gebraucht selten unter 50000 Euro angeboten, neu mussten mit ein wenig Zubehör gute 60 Tausender über den Tresen gereicht werden.

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Foto: Honda

Ob die Maschine auch mit dem geheimnisumwitterten zugkraftunterbrechungsfreien Getriebe der aktuellen RC 213 V aufwarten kann, bleibt noch verborgen. An wegweisender Technologie wird es der V4-Rakete aber keinesfalls mangeln. Dafür nimmt Honda schon jetzt den Mund zu voll. Schon 2014 soll die Maschine in den Verkauf gehen. Es kann also nur  noch eine Frage von Monaten sein, bis die ersten echten Bilder der sensationellen V4 zu sehen sein werden.

Firmenpolitisch bedeutet die angekündigte Maschine eine Kehrtwende. Honda scheint sich nun wieder auf seine Führungsrolle zu besinnen. War in den letzten Jahren viel von Umwelt, Verbrauch und Sicherheit zu hören, kommen nun emotionale Themen auf den Tisch. Leistung, Hightech, Supersport. Ganz so, wie es sich für einen Weltmarktführer gehört. Zehn Jahre war Honda relativ verhalten. Jetzt will man endlich wieder angreifen.

Hondas V4 Legenden

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Alles begann 1988. Die ersten RC 30 trudelten in Deutschland ein, die Maschine unten links im Bild stand in Hockenheim - und dem Autor dieser Zeilen die Kinnlade offen. Noch schlimmer kam es, als die V4-Honda zum ersten Mal gestartet wurde. Denn ihr kerniger Ton klang völlig fremd, schnarrend, böse. Das Schlimmste aber war, mit welch unglaublichem Speed die 750er auf der Piste an einem vorbeischoss. Dem war kein Kraut gewachsen. Etwas Magisches war passiert: Honda hatte mit der RC 30 den Standard gesetzt.

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Die Nachfolgerin, die RC 45, hatte mehr Druck, breitere Reifen, vielleicht auch bessere Bremsen. Sie kam aber weder in der Verarbeitung noch im Handling an die Vorgängerin heran. Im Rennsport war sie aber international ebenso erfolgreich und auch Weltmeister in der Superbike-Klasse. Ein Sammlerstück wie die RC 30 ist sie noch nicht.

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Kaum noch auf den Straßen sieht man dafür die unglaubliche NR 750. Deren einzig-artiger Ovalkolbenmotor ist bis heute der aufwendigste Motorradmotor, der in Serie gebaut wurde. Mit ihr zeigte Honda 1992 Muskeln. Und mit 100000 Mark eine mutige Preisgestaltung. Die gut 100 Kilometer, die dem Autor mit diesem Prestige-Motorrad vergönnt waren, bleiben unvergesslich. Wahnsinn war der drehfreudige Motor, der von 2000/min bis knapp 15000/min zog und dabei klang, als wäre er ein V4-Zweitakter. Sensationell die vielschichtige Lackierung, erstaunlich schwerfällig das Handling. Eine große Maschine.

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