14 Bilder
Finale: Suter-Zweitakt-Rennmaschine MMX 500 - der klassische 500er-GP-Zweitakter modern interpretiert.

Suter-Zweitakt-Rennmaschine MMX 500 Schweizer Ur-Werk

Halbliter-Zweitakt-Rennmaschinen sind aus heutiger Sicht Urviecher des Motorrad-Grand-Prix-Sports – und zu Recht im Museum gelandet. Doch jetzt hat der Schweizer Eskil Suter der ausgestorbenen Spezies neues Leben eingehaucht – mit modernster Technik.

Geht nicht – gibt’s nicht, heißt es bei Eskil Suter. Weil er sich vor keiner Herausforderung fürchtet, stieg der joviale Schweizer vom Grand Prix-Privatfahrer zum Besitzer eines Hightech-Unternehmens auf. Erst produzierte die junge Firma „Suter Racing Technology“ Kupplungen und Tuningteile, dann die Petronas FP1-Dreizylindermotoren für die Superbike-WM und Fahrwerke für namhafte MotoGP-Teams. Auf einer Suter MMX2 fuhr Marc Márquez 2012 zum Moto2-WM-Titel, als nächster Coup folgte die Moto3-Prototypenentwicklung für Mahindra.

Vollgas heißt Suters Lebensmotto, und wenn der 48-Jährige gelegentlich hinkt, hängt das mit einer nimmermüden Begeisterung fürs Motocross-Fahren und für das Testen der Eigenentwicklungen zusammen, vorzugsweise in der sonst so ruhigen Landschaft seiner Heimatgemeinde Turbenthal, in der sein Musterbetrieb ansässig ist.

Zweitakter faszinieren ihn ganz besonders wegen ihres geringen Gewichts und der explosiven Leistungsentfaltung. „Wenn man einen Zweitakter schön aufbaut, bringt er immer noch den besten Spaßfaktor“, sagt Suter. Schade nur, dass es nach den Vierzylinder-Halbliter-Production-Racern der 70er- und 80er-Jahre nie mehr solche Maschinen zu kaufen gab. Jeder private Zugriff auf die japanischen Werksmaschinen wurde verhindert, am Ende der Zweitaktära wanderten die Maschinen in die Schrottpresse, waren Vergangenheit. Bis Eskil Suter die Dinos zurückbrachte.

Anzeige

195 PS bei 127 Kilogramm

„The beast is back“, wirbt er für die neue Suter MMX 500, ein giftiges, wild schreiendes und in jeder Hinsicht unzeitgemäßes Energiebündel, das 195 PS bei 127 kg Gewicht ebenso faszinierend machen wie die schiere Unvernunft der ganzen Idee. Bei der MMX 500 geht es nicht um TÜV-Plaketten, sondern um die Erinnerung an die Wildwest-Helden des GP-Sports wie Kenny Roberts, Randy Mamola oder Kevin Schwantz, an den Rodeo-Ritt auf Motorrädern, die sich aufführten wie wilde Stiere, an Adrenalinschübe, wie sie keine andere Formel je auslöste.

Die Suter MMX 500 bringt diese Zeiten zurück und macht dabei vieles besser als manche Originale von einst. Statt einer Kurbelwelle rotieren im Suter-V4 zwei gegenläufige Kurbelwellen für perfekten Ausgleich der Massenkräfte. Beim Hubraum schoss Suter mit 576 cm3 etwas übers Ziel hinaus, weil er von dem im Markt gängigen Kolbendurchmesser von 56 mm ausgehen wollte. „Der Hub ist dann eine logische Konsequenz. Bei zu großem Hub stehst du mit der Kolbengeschwindigkeit an, bei zu kleinem Hub geht wegen der Spülverluste Drehmoment verloren.“ Mit 58,5 mm Hub konnte Suter das „Drehmomentloch der alten 500er auffüllen“ und weist stolz darauf hin, dass Freddie Spencer bei der ersten Präsentation der Maschine ein langes Wheelie zaubern und die Maschine mit feiner Gashand kontrollieren konnte.

Anzeige

Zweitakter wird wieder salonfähig

Kundenfreundlich ist auch die Saugrohreinspritzung, die das Benzin-Luft-Gemisch ständig neu austariert. „Wenn die Temperatur steigt, müsstest du bei Vergasern die Düsen wechseln. Mit der Elektronik passiert das automatisch. Die Sensoren merken, wenn der Motor zu mager läuft oder klopft, dann reagiert das System“, so Suter.

Derzeit sitzen die Einspritzdüsen im Ansaugtrakt, mit jeweils einer Düse vor und einer hinter der Drosselklappe, doch für die nächste Evolutionsstufe denkt Suter an eine umweltfreundliche Direkteinspritzung. „Sie tritt erst in Aktion, wenn die Auslasskanäle geschlossen sind, ohne Spülverluste. So erreichen wir bei der Suter MMX 500 Abgaswerte nach Euro 4-Norm und senken den Benzinverbrauch um 20 bis 30 Prozent. Der Zweitakter wird dann wieder salonfähig. Und straßentauglich“, so Suters Zukunftsvision.

Eine Suter MMX 500 kaufen sich Enthusiasten, die sich etwas Extravagantes leisten und den Traum des ultimativen Kicks erfüllen können. „Das Leistungsgewicht ist extrem und das Handling unbeschreiblich. Eine Moto2-Maschine ist ein Traktor dagegen“, schwärmt Suter. Bald will er Events anbieten, bei denen die Kundschaft gemeinsam mit der Suter-Crew an Rundenzeiten feilen kann.

Foto: Davision
Ian Loughers letztes Rennen mit einem Zweitakter auf der Isle of Man war 17 Jahre her. 2016 startete er mit der Suter MMX 500 bei der Senior-TT und fuhr auf Platz 34.
Ian Loughers letztes Rennen mit einem Zweitakter auf der Isle of Man war 17 Jahre her. 2016 startete er mit der Suter MMX 500 bei der Senior-TT und fuhr auf Platz 34.

Renneinsätze bei der Senior-TT

Ernsthafte Renneinsätze stehen ebenfalls auf dem Programm. Suter Racing ging Anfang Juni als Werksteam bei der Senior-TT und in der Superbike-Klasse auf der Isle of Man an den Start. Galionsfigur ist der zehnfache TT-Sieger Ian Lougher, der für drei Jahre verpflichtet wurde. 2016 belegt er mit dem Suter Racing bei der Senior TT Rang 34.

Ein zweiter kühner Plan liegt derzeit auf Eis. Wayne Gardner wollte die Helden von einst zu einer Seniorenmeisterschaft mit baugleichen MMX 500-Maschinen ­zusammentrommeln, die für die Show in den alten Originalfarben lackiert werden sollen. Schon für die „ADAC Sachsenring Classic“ im Juni stand das erste Kräftemessen der „World GP Bike Legends“ auf dem Programm. Doch so schön die Idee des Weltmeisters von 1987 auch war: Für ein Feld von bis zu 20 solcher Bikes fehlte schlicht das Geld. Rund 110.000 Euro (ohne MwSt.) kostet eine Suter MMX 500, die ersten 20 sind bereits verkauft.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote