Suzuki DR 650 (GK) (Archivversion) LESERERFAHRUNGEN

Die DR 650 ist scheinbar ein berechenbares Motorrad, denn nach den Lesererfahrungen treten einige Mängel mit großer Regelmäßigkeit auf: Nach wenigen 1000 Kilometern ist der Auspuff angerostet und nach ziemlich genau 20 000 Kilometern der Dekompressionszug gerissen.

Schon bald nach dem Kauf meiner 1991er DR 650 R stellte sich ein Lenkkopflagerschaden heraus - Reparaturkosten rund 300 Mark. Weitere 100 Mark fielen an, nachdem ich wegen Startschwierigkeiten den Vergaser reinigen lassen mußte. Allerdings sind kleinere Service-Arbeiten wie Wechseln des Kettensatzes oder Ventilspieleinstellung mit Hilfe eines Reparatur-Handbuchs auch für Anfänger kein Problem, da alles leicht zu erreichen und übersichtlich ist. Recht umständlich gestaltet sich die Ölstandsmessung. Das Sichtfenster befindet sich so weit unten, daß ein Kontrollblick vom Sattel schlichtweg unmöglich ist. Als die beste Methode hat sich erwiesen, daß jemand die Maschine hält, während man selber auf allen vieren versucht, den Ölstand durch das verdreckte Fenster abzulesen. Bei matschigem Gelände und in Hanglage nervt die Startprozedur mit dem Dekompressionshebel, zudem ist die Gummi-Ummantelung des Kickstarters gefährlich rutschig. Bei längeren Fahrten zu zweit ist die Sitzposition äußerst unbequem, da der Fahrer auf den Tank geschoben wird und sich dem Sozius die Gepäckbrücke in den Steiß schiebt.Tabea Hettler, UlmMeine DR 650 RSE kaufte ich Mitte 1991. Nachdem ich die Sitzbank um fünf Zentimeter hochgepolstert hatte (Größe 1,91 Meter), war ich mit der Sitzposition sehr zufrieden. Nach 26 000 Kilometern traten Geräusche im Kurbeltrieb auf. Die anschließende Motorzerlegung brachte ans Licht, daß der Hubzapfen der Kurbelwelle rund 50 Prozent seiner Oberflächenbeschichtung verloren hatte. Da dieser Schaden zwei Monate nach Ablauf der Garantiezeit auftrat, ersetzte mir Suzuki lediglich zwei Drittel der Materialkosten auf Kulanz, die restlichen 1100 Mark mußte ich selbst bezahlen - und dies bei einem Schaden, der offensichtlich durch eine mangelhafte Oberflächenbeschaffenheit verursacht wurde. Bei Kilometerstand 33 000 traten starke Motorvibrationen auf, was eine erneute Demontage zur Folge hatte. Es stellte sich heraus, daß meine »Fachwerkstatt« bei der vorhergegangenen Reparatur das Kettenrad der hinteren Ausgleichswelle derart fest angeschraubt hatte, daß die Halteschraube abriß. Ohne mich hiervon in Kenntnis zu setzen, wurde das Kettenrad kurzerhand angeschweißt, und diese Schweißnaht war jetzt gerissen. Nachdem mir kostenlos eine neue Ausgleichswelle eingebaut wurde, dauerte es nicht lange, und es traten erneut Vibrationen auf. Diesmal hatte sich die Paßscheibe zwischen Welle und Kettenrad selbständig gemacht, wodurch das »Timing« der Ausgleichswelle nicht mehr stimmte. Auch dieser Schaden wurde kostenlos behoben. Da ich jegliches Vertrauen in die Zuverlässigkeit meiner DR verloren hatte, gab ich sie 1993 mit 38 000 Kilometern zum Schleuderpreis von 4000 Mark für eine gebrauchte Yamaha TDM 850 in Zahlung - privat war sie vorher wochenlang unverkäuflich.Jan Hülsermann, WürselenVorab: Ich bin Motorradkurier und fahre pro Arbeitstag 200 bis 300 Kilometer, manchmal auch mehr. Meine DR 650 habe ich 1994 zugelassen - von Tachostand null auf 68 000 habe ich 19 Monate gebraucht. Nach 2000 Kilometern war der Auspuff von Rost überzogen, nach 20 000 Kilometern riß der Dekompressionszug. Da dies scheinbar regelmäßig passiert und das Teil mit rund 60 Mark unverschämt teuer ist, habe ich den Zug nach dem zweiten Riß einfach weggelassen - antreten ist auch so kein Problem. Sobald allerdings die Kiste länger als eine Woche steht, springt sie erst nach einer halben Stunde und unzähligen Flüchen an. Nach 35 000 Kilometern war aus unerfindlichen Gründen der Kupplungszug total festgegammelt, die Kupplung trennte keinen Millimeter mehr. Bei Kilometerstand 38 000 brach eine Schaltgabel, 2000 Kilometer später platzte ein Ölschlauch - beides wurde auf Garantie repariert. Nach 60 000 Kilometern zerbröselte das Lager des Kettenrads - Suzuki-Originalteil: 86 Mark plus Steuer, zuzüglich drei Wochen Lieferzeit. Bei FAG Kugelfischer: 28 Mark inklusive Wellendichtring und fünf Minuten Lieferzeit. Nach 65 000 Kilometern rastete das Lenkkopflager mittig ein, ebenfalls für kleines Geld vom Zubehör erstanden, und bei Kilometer 67 000 scherten bei einer Geschwindigkeit von 140 km/h auf der Autobahn zwei Schrauben aus dem Kettenrad ab, die restlichen vier waren auch schon locker. Da ich nach jedem Wechsel des Kettenkits neue Schrauben und selbstsichernde Muttern verwende, ist mir diese Geschichte unerklärlich. Das war’s im großen und ganzen. Bis auf die miserable Verarbeitung und die schlechte Ersatzteilversorgung bin ich dennoch mit der DR 650 voll und ganz zufrieden. Mit einem Verbrauch von 4,5 bis sechs Litern und einer Höchstgeschwindigkeit laut Tacho von 165 km/h habe ich ein wendiges, schnelles und billiges Kurierfahrzeug, das ein Minimum an Pflege benötigt.Farid »Der Bringer« Hitze, BruchköbelGleich nach Erhalt des 1a-Führerscheins habe ich 1993 meine DR 650 R mit Kilometerstand 11 000 günstig erworben. Nach etlichen erfolglosen Kickversuchen (meine 58 Kilogramm reichten einfach nicht aus, um 650 Kubik in Gang zu bekommen) gab ich’s auf und ließ die DR beim Händler auf E-Starter umrüsten - etliche Probleme und Kosten, hat sich aber gelohnt. Zum Auspuff ist zu sagen, daß er aus Abfall-Metallen besteht. Man kann sich die Arbeit sparen, ihn abzuschmirgeln und mit Auspufflack zu überziehen, denn dann rostet er sogar noch schneller. Inzwischen hat meine DR 22 500 Kilometer auf dem Tacho, und bisher waren nur ein neuer Dekompressions- und Kupplungszug fällig. Auf jeden Fall ist die DR ein Allround-Motorrad mit Charakter und macht einfach Spaß.Michaela Oelsner, FürthMeine DR 650 RS kaufte ich 1990 neu. Der Motor glänzt durch wuchtigen Antritt aus niedrigsten Drehzahlen, aber ab 5000/min wird der Motor langsam zäh - der Einbau eines Proterra-Katalysators verstärkt diese Charakteristik: Das Drehmoment nimmt bis 3500/min spürbar zu, die Endgeschwindigkeit um fünf km/h ab. Die davonrostenden Innereien der Endtöpfe heben diesen Effekt aber mit der Zeit wieder auf. Die Qualität der Oberflächenkonservierung ist unter aller Sau. Bereits nach eineinhalb Jahren löste sich der Lack in großen Placken vom Rahmen, der blanke Stahl rang mit meinem ebensolchen Entsetzen. Ein Kulanzantrag wurde abgelehnt. Damals waren auch nur kleine Rostpickel an der Tankunterseite zu sehen, heute sind die Stoßnähte des Spritbehälters bereits schwer am Gammeln - ein Glück, daß nicht mehr Blech an diesem Motorrad ist. In die gleiche Schublade gehört die Qualität des Auspuffs. Das kernige Ballern im nagelneuen Zustand wurde schon nach einem Jahr lauter, mittlerweile ist es eine echte Lärmbelästigung. Bei Kilometerstand 28 000 ereilte mich dann ein größerer Motorschaden: Das Pleuelfußlager hatte gefressen, daraufhin sprang die Steuerkette über, und der Kolben verbog die Auslaßventile. Bei der Demontage zeigte sich dann auch noch, daß die Zahnräder der Gänge zwei, drei und vier massives Pitting bis hin zu Flankenausbrüchen aufwiesen, aber der Händler wollte einen Kulanzantrag gar nicht erst aufnehmen. Mittlerweile habe ich schon über 3500 Mark in die Reparatur gesteckt (die DR läuft jetzt wieder einwandfrei), aber wenn ich jetzt noch die Original-Endtöpfe anbaue, habe ich mehr als den Zeitwert investiert. Möchte vielleicht jemand eine generalüberholte RS?Reinhardt-Karsten Mürb, DenkteSchade, ein Schraubertip von allgemeinem Nutzwert war nicht dabei. Da sich aber Reinhardt-Karsten Mürb mit seiner angegammelten DR 650 RS extra für unser Aufmacherbild nach Stuttgart bemühte und während der 600 Kilometer langen Hinfahrt auch noch seinen angefaulten Auspufftopf verlor, erhält er diesmal die 100 Mark.

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