SUZUKI GS 500 E (Archivversion)

Ein allerletztes Mal stelle ich sie auf den Seitenständer und streiche ihr über die Sitzbank. Dann nimmt der Vater des neuen Besitzers auf »meiner« GS 500 E Platz, startet den Motor, winkt ein letztes Mal und fährt von dannen.
Der Verkauf lief viel schneller als erwartet. Keine zwei Tage nachdem ich die Maschine in Quoka, motoscout24 und mobile inseriert habe, meldet sich ein Käufer per Telefon. Dummerweise muss ich ihn übers Wochenende vertrösten, da familiäre Verpflichtungen anstehen und hoffen, dass er in der nächsten Woche überhaupt noch Interesse am Fahrzeug hat. Er hat. Frank H. ist 18 Jahre alt und erst seit einer Woche Besitzer des Motorradführerscheins. Die offene GS 500 E mit ihren 46 PS darf er also noch nicht selbst fahren. Weshalb sein Vater zum vereinbarten Termin mitkommt. Der hat selbst erst vor fünf Jahren seinen Motorrad-Führerschein gemacht und bringt es mittlerweile auf rund 13000 Kilometer Jahresfahrleistung mit seiner BMW K 1100 LT. Erstaunlicherweise ist der Sohnemann nie als Sozius mitgefahren, sondern wurde völlig unabhängig vom Motorradvirus infiziert. Zwei Jahre Roller-Erfahrungen reichten, um Lust aufs Motorrad zu machen. Das Budget beschränkte die Suche nach einer Gebrauchtmaschine auf die Preisklasse um 1000 Euro. In die engere Auswahl kamen die beiden beliebten und ­bekannt zuverlässigen Einstiegsmodelle Honda CB 500 und eben Suzuki GS 500.
Als wir uns auf den Weg in die Redak­tionstiefgarage machen, frage ich, ob sich die Herren nicht wundern, dass sie in der Motor Presse gelandet sind. »Nein, wir wissen schon, um was für eine Maschine es sich handelt.« Mein Name in der Anzeige kam dem Senior doch sehr bekannt vor, sodass ihm als MOTORRAD-Leser schnell klar war, welche GS da angeboten wird.
Ein längeres Verkaufsgespräch erüb-rigt sich folglich. Schließlich standen Stärken und Schwächen unserer GS 500 E mehrfach im Heft. Ein Blick aufs Motorrad genügt den beiden, um die Besichtigung mit den Worten »die nehmen wir« ab-zuschließen. Die Entscheidung hat auch nach der kurzen Probefahrt durch die Tiefgarage noch Bestand. Preisverhandlungen? Fehlanzeige. Vater und Sohn versuchen es ­erst gar nicht. Es bleibt also bei den ausgeschriebenen 999 Euro, trotz des bekannten, aber immer noch nicht lokalisierten gelegentlichen Verschluckproblems auf langen Vollgasetappen.
Ganz neben­bei wechseln noch der 34-PS-Drosselsatz wie auch die beiden Umlenkhebel für die Fahrwerkstieferlegung den Besitzer. Nach der unkomplizierten Drosselung auf 34 ­PS, die der Senior in der Werksatt eines Bekannten durch-führen lassen möchte, darf dann endlich der frischgebackene Besitzer und Führerscheinneuling die Suzuki bewegen.
Jetzt, als die Maschine aus der Redaktionsgarage rollt, sitzt ihr Käufer noch im Auto und fährt brav vor ­seinem Vater auf der GS 500 in Richtung neuem Zuhause meines 999-Euro-Lieblings. Ich bin mir ­sicher, dass er ebenso viel Spaß mit ihr haben wird wie wir. Und dass er für ­das Geld wohl kaum etwas Besseres und Zuverlässigeres gefunden hätte.hek

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