Suzuki GSF 1200 Bandit (Archivversion)

Baujahr 1997, aktueller Kilometerstand: 68215, gefahren: 11565 Kilometer

Die alles entscheidende Frage bei einem Gebrauchtkauf ist, ob man eine auf den ersten Blick nicht zu erkennende Gurke erwischt hat. Dieser Kelch ging im Fall der Bandit glücklicherweise an uns vorüber.

Zugegeben, einige verdeckte Macken wie eine verbastelte Pedalerie oder die eine oder andere geflickte Schraubverbindung traten zwar im Nachhinein zutage, doch eine Gurke war die 1200er beileibe nicht. Mal abgesehen von der nach 6000 Dauertestkilometern hoffnungslos durchrutschenden Kupplung kam es zu keinem größeren Defekt. Und dass sich das gewaltige Big-Bike-Drehmoment nach einer Gesamtlaufleistung von über 60000 Kilometern auf die Kupplungsbeläge auswirkt, hat niemanden wirklich überrascht. Eher schon, dass sich das von Anfang an in kaltem Zustand auftretende Heulen im ersten Gang nicht verschlimmert hat.

Alles in allem hat mich die GSF 1200 Bandit nicht enttäuscht. Sie ist ein zuverlässiges Alltagsbike mit Tourerqualitäten. Platz-, Leistungsangebot und Wohlfühlfaktor stimmen. So bombastisch, wie der erste Eindruck im Jahr 1995 war, als die Bandit neu auf den Markt kam, fiel der erneute Kontakt allerdings nicht aus. Zu viele hubraum- und leistungsstarke Motorräder kamen seitdem hinzu. Trotz allem: Hut ab, was die über zehn Jahre alte Bandit noch zu bieten hat. Für den Einsatz auf öffentlichen Straßen reicht’s dicke.

Dass auch an unserer Gebrauchten einiges an Zubehör verbastelt wurde, hätte es meiner Ansicht nach bis auf die Stahlflex-Bremsleitungen nicht gebraucht. Die kleinen Kellermann-Blinker hinten sehen zwar nett aus, doch in Kombination mit den fetten Ochsenaugen am Lenker geht der positive Effekt flöten. Und die Zubehör-Fußrasten bringen zwar Schräglagenfreiheit, doch wirklich benötigt werden auch sie nicht – und einer komfortablen Fahrhaltung wirken sie eher entgegen. Nicht zuletzt darum haben wir sie nach einiger Zeit gegen die Serienrasten getauscht. Was den breiten Superbike-Lenker anbelangt, scheiden sich ohnehin die Geister. Auf verwinkelten Strecken und auf Landstraßen mag sich die Bandit damit leichter bändigen und dirigieren lassen, in der Stadt hingegen ist das Teil beim Durchschlängeln eher hinderlich. Außerdem sorgt die „Segelstange“ für reichlich Unruhe bei schneller Autobahnfahrt. Erst wenn man sich nicht mehr krampfhaft am Lenker festklammert, hört der Spuk auf. Dann rennt die Bandit auch lang liegend bei 200 km/h noch sauber geradeaus. Ein Spaß ist das trotzdem nicht. Einerseits wegen des Orkans, der einen vom Bike blasen will, andererseits aufgrund des exorbitant ansteigenden Verbrauchs – über zehn Liter schlürft die Bandit dann schon mal weg. Bereits nach 150 Kilometer Autobahnfahrt heißt es: bitte Raststätte anlaufen und voll tanken.

Mein Resumee: Auch wenn die Bandit vielleicht kein Traumbike im klassischen Sinne ist, so erwies sie sich doch als das unkomplizierte Alltagsmotorrad mit Schubgarantie – wie schon in den neunziger Jahren. Eine Charakteristik, die mir auch in Zukunft gefallen wird.

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