Suzuki GSX-R 600 (Archivversion)

Gut, dass japanische Motorradhersteller deutsche Autobahnen ernst nehmen. Die Tatsache, dass dort abschnittsweise nach Herzenslust schnell gefahren werden kann, macht Hochgeschwindigkeitstests für neue Motorräder notwendig, und dies beschert alle paar Jahre einem Fotografen mit Jagdglück einen Erlkönig.
Prima auch, dass die Attitüde, sich um den Rest der Welt nicht groß zu scheren, in den USA weit verbreitet ist. Sie führte unlängst zu einigen vor der Zeit ins Internet gestellten Fotos der neuen Honda Fireblade, auch der amerikanische Suzuki-Importeur konnte seine Bilder nicht hal­ten. Beiden Umständen in Kombination verdankt MOTORRAD die Gelegenheit, pünkt­-lich zur Modellvorstellung Fotos von der neuen GSX-R 600 zu präsentieren.
Vergleicht man das Fahrfoto aus deutschen Landen mit den Studioaufnahmen aus den USA, so fällt auf, dass an der zierlichen Heckverkleidung die Hubraumbezeichnung fehlt. Die »deutsche« Maschine könnte also auch eine 750er sein – es ist ja auch sinnvoll, Hochgeschwindigkeitstests gleich mit dem schnelleren von zwei Typen durchzuführen. Wegen der weitgehenden Ununterscheidbarkeit der beiden Modelle darf man die Fortsetzung der bisherigen Suzuki-Politik als sicher annehmen. Sie besteht darin, mit vielen gleichen und in höheren Stückzahlen preisgünsti­geren Komponenten zwei Supersportler auf die Räder zu stellen, von denen die hubraumstärkere 750er zu einem höheren Preis als die 600er, andererseits aber deutlich günstiger als die 1000er angeboten wird. In Deutschland nehmen viele Fans das Angebot an und fahren sehr gut, bei entsprechendem Können auch ziemlich schnell damit. Der gegenüber den Vorgängermodellen sichtlich vergrößerte Endschalldämpfer deutet auf höhere Spitzen­-leistung. Euro 3 hat damit nichts zu tun, diese Norm erfüllen die beiden schon seit zwei Jahren. Insbesondere die 600er war zuletzt ins Hintertreffen geraten und die 750er bräuchte ebenfalls einen Schub, um auf die schon lange angegebenen 150 PS zu kommen. Fotovergleiche lassen freilich weder bei den Motoren noch bei den Fahrwerken bahnbrechende Neukonstruktionen erwarten. Bremsen und Federelemente haben sich, wenn überhaupt, nur im von außen unsichtbaren Bereich verändert.
Dafür gelang den Designern eine sehr ansprechende Verkleidungsfront. Die Form des Scheinwerfers löst das Dilemma zwischen horizontaler oder vertikaler Anordnung durch ein geschicktes »sowohl als auch«. Seine große Lichtaustrittsfläche lässt zumindest in der Theorie eine hervorragende Fahrbahnausleuchtung erwarten.

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