Suzuki SV 650/S (Archivversion) Feines Spielmobil

Bei 18000 verkauften Suzuki SV 650 herrscht auf dem Gebrauchtmarkt kein Mangel. Bleiben die Preise mit dem Debüt des Einspritzmodells 2003 stabil?

Mit dem Erfolg hatte keiner gerechnet, auch Suzuki nicht. Aus dem Stand katapultierte sich die SV 650 im Debütjahr 1999 mit mehr als 4500 Einheiten auf Platz eins der deutschen Zulassungs-Charts. In den beiden folgenden Jahren konnte das unverkleidete Modell sowie das mit Halbschale den Absatz noch einmal steigern und sich in der Hitliste unter den Top Fünf etablieren. Dabei liegt der großen Beliebtheit ein simples Rezept zugrunde: Mit rund 6300 Euro (S: 6600) ist die SV in ihrer Klasse konkurrenzlos günstig, ohne mit billigen Lösungen aufzuwarten.Außerdem preschte Suzuki erfolgreich in die Marktlücke der Mittelklasse-Twins, die zuvor nur Ducati mit den relativ betagten, hochpreisigen Zweiventilern in Tourensport- und Monster-Ausführung besetzte. Die beiden SV-Varianten decken diese beiden Stilrichtungen locker und mit der hohen Fertigungsqualität japanischer Großserientechnik kostengünstiger ab. Zudem besitzt der japanische wassergekühlte V2-Vierventiler mit 71 PS mehr Leistung als die Italienerinnen. Weil Suzuki außerdem eine auf 34 PS gedrosselte Einsteigerversion offeriert, bedient die SV 650 eine relativ breit gefächerte Klientel von Anfängern, Wiedereinsteigern bis hin zu sportlichen Tourenfahrern.Das drehzahlfreudige, elastische Triebwerk bietet eine Höchstgeschwindigkeit von gut 200 km/h. Und das Fahrwerk verwöhnt mit überraschender Handlichkeit, das die gerade mal 190 Kilogramm schwere Maschine spielerisch dirigierbar macht. Die sportlich ambitionierte Kundschaft moniert die zu weiche Telegabel, die bei kräftigen Bremsmanövern zu früh auf Block geht. Kritik gibt es außerdem am Lastwechselverhalten des Motors, verursacht von einem leicht verzögerten Ansprechen der Vergaser. Das lässt häufig selbst bei penibler Synchronisation nicht gänzlich beseitigen. Auch bei der Langstreckentestmaschine von MOTORRAD wurde dieser Punkt im Fahrtenbuch immer wieder moniert. Ebenso fand dort die manchmal zögerlich ausrückende Kupplung durch eine nicht korrekt justierbare Kupplungsschnecke Erwähnung. Wirklich ärgerlich war aber nur das hakende Zündschloss, dessen Abdeckblende wohl klemmte, wodurch Feuchtigkeit eindringen konnte. Nach 50000 Kilometern gab es im Triebwerk außer einem in Mitleidenschaft gezogenen Kolbenbolzen und dem fünften Gangradpaar nichts auszutauschen.Mittlerweile haben einige SV-Treiber schon mehr als 65000 Kilometer zurückgelegt, ohne dass eine Motorrevison nötig wäre. Mit der Präsentation der neuen SV 650 mit Einspritzung, ungeregeltem Kat, Sekundärluftsystem und neuem Rahmen sowie der SV 1000 könnte das Vergasermodell zur Saison 2003 auf dem Gebrauchtmarkt ein Renner werden. Derzeit ist das Preisgefüge noch stabil. Aber wenn sich viele SV-Besitzer von der Neuen begeistern lassen, werden die sich dann häufenden Angebote den Preis sinken lassen. Die Chancen für eine erfolgreiche Schnäppchenjagd stehen im kommenden Frühjahr somit gut. Und für die alte SV 650 gilt weiterhin: Sie ist ein leichtes, feines Spielmobil, das mit relativ geringem finanziellen Aufwand für Fahrwerk und Ergonomie seinem neuen Besitzer mehr Spaß machen kann, als sich die Vierzylinderfraktion vorzustellen vermag.

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