Suzuki XF 650 Freewind (Archivversion) Ganz dicht?

Obwohl die Suzuki XF 650 Freewind die eine oder andere Macke aufweist, gilt sie als solide und vor allem preisgünstige Alternative zur Funduro BMW F 650.

Die spektakulären Verkaufserfolge der BMW F 650 Funduro ab 1994 ließen Suzuki nicht ruhen. Zwischen der puristischen DR 650 SE und dem wegen strengerer Schadstoffgrenzwerte ins Abseits geratenden Hubraumriesen DR 800 S platzierten sie die XF 650. Die neueBMW-Konkurrentin erhielt den poetischen Namen Freewind.Wichtigste Unterschiede zur DR 650, von der sie die Motorbasis übernahm: ein größerer Tank, eine effektivere Verkleidung, kürzere Federwege. Für kraftvolleren Durchzug des Motors aus niedigen Drehzahlen wurde ein Doppelvergaser mit separaten Einlasskanälen verbaut. In Verbindung mit größeren Ventilen und einem effektiveren Schalldämpfer war so auch ein Kraftzuwachsvon knapp zehn Prozent auf 48 PS möglich. Mit dieser Vitalkur hoffte Suzuki, bei den Mittelklasse-Reiseenduros mitspielen zu können. Und die mittlerweile xxxxx verkauften Freewind beweisen, dass solch ein Konzept Erfolg haben kann – auch in Zeiten stagnierender Absätze im Enduro-Bereich.Das Freewind-Gebrauchtangebot, das MOTORRAD inspizierte, wurde von der Firma Hiller in Stuttgart vermittelt. Die Maschine, Baujahr 1998, hatte 14000 Kilometer auf dem Tacho, sollte 5900 Mark kosten mit folgenden Extras: Vorderradgabel mit Technoflexfedern, hinten Technoflex-Federbein, Hauptständer, Handprotektoren und Sturzbügel. Die Maschine war für die Besitzerin um einige Zentimeter tiefer gelegt worden und optisch in sehr gutem Zustand. Schon beim Start überrascht der weiche, vibrationsarme Motorlauf, die aufrechte Sitzposition ist sowohl für Kurztripps als auch für längere Reisen bequem. Das Fünfganggetriebe schaltet sich weich, die Gänge rasten exakt ein Der Einzylindermotor bietet ein breites nutzbares Drehzahlband und zieht kraftvoll zwischen 2500 und 7000/min. Das tiefer gelegte Fahrwerk wirkt komfortabel mit ausreichend straffer Dämpfung. Bei den Serien-Federelementen dagegen geht beim Bremsen die Telegabel zu schnell auf Block und das hintere Federbein ist mit Beladung oder schweren Piloten schnell überfordert. Die Einscheibenbremse im 19-Zoll-Vorderrad wiederum arbeitet zufriedenstellend.Gewöhnungsbedürftig erweist sich das digitale Instrumentarium im Cockpit. Geschwindigeit, Drehzahl sowie Benzinstand werden digital angezeigt. Die Werte sind gut ablesbar und überraschend genau. Der Vierventiler gibt sich auf der Landstraße mit zirka 4,5 Litern recht genügsam. Und das, obwohl er sich mit seinen für einen Einzylinder dieser Größe beachtlichen Fahrleistungen nicht hinter der Konkurenz zu verstecken braucht.Der Freewind-Motor gilt – neben dem der nicht mehr angebotenen DR 350 – als der standfesteste und technisch solideste Einzylinder im Suzuki-Programm. Allerdings hat er auch in vielen Lesererfahrungen bestätigte Macke: Er ist nicht immer ganz dicht im Kopf. Der Ventildeckel, unter dem die Nockenwelle und die Kipphebel sitzen, besitzt keine Flachdichtung, sondern wird nur mit einer speziellen Dichtungsmasse behandelt. Weil dieser Deckel obendrein noch als obere Halterung am Rahmenrohr dient, können bei nicht spannungsfreier Montage des Triebwerks die Flächen zwischen Zylinderkopf und Deckel undicht werden, es tritt Öl aus. Gute Werkstätten sorgen für spannungsfreie Montage des Motors im Rahmen durch leichtes Aufbohren der Aufnahme und planen die Dichtflächen. Suzuki übernimmt die Reparatur dieses Mangels nur während der Garantiezeit kostenlos.Ein weitere Schatten, der auf die sonst sehr solide Freewind fallen kann, liegt im Scheinwerfer. Der durch Vibrationen erschütterte Reflektor scheuert Kunststoffpartikel vom Gehäuse und erblindet. Und noch ein Manko gilt es zu erwähnen: Die ersten Frewind waren mit einem zu langen Seitenständer ausgerüstet. Beim Abstellen hatte die Maschine zu wenig Neigung und kippte schon mal um. Statt den Ständer zu kürzen, feilt die Firma Hiller den Anschlag auf der Halteplatte 15 bis 20 Millimeter ab. Der Ständer lässt sich dann weiter ausklappen, das Motorrad findet sicheren Stand.Viele Freewind-Treiber ordern auch den Hauptständer aus dem Suzuki-Zubehörprogramm, der rund 260 Mark kostet und schnell zu montieren ist. Weiteres Zubehör für die Funduro: eine größere Verkleidungs-Scheibe von MRA, 170 Mark; Technoflex-Federn vorn und hinten für komfortableres Reisen mit Gepäck, rund 330 Mark; ein komplettes Federbein hinten kostet zirka 750 Mark. Wer also mit einer Funduro liebäugelt und die preisgünstige Freewind im Auge hat, sollte zudem wissen, dass beim reichlichen Gebrauchtangebot um den Preis kräftig verhandelt werden kann.

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