Szene: Erik Buell Interview mit Erik Buell

Am 14. Oktober 2009 verkündete das Management von Harley-Davidson, dass das Tochterunternehmen Buell die Werkstore für immer schließt. Was macht Firmengründer Erik Buell jetzt?

Foto: Riles

? Warum hat Harley-Davidson 2009 Buell dicht gemacht?

! Mir wurde nur gesagt, dass Buell geschlossen wird. Über die Gründe ist mir nichts berichtet worden. Gerüchteweise habe ich gehört, dass Geschäftsführer Keith Wandell das Unternehmen Harley-Davidson wieder auf das Kerngeschäft und den Kernkunden fokussieren wollte. Das Management hat die US-Händler befragt, ob sie Buell behalten sollten. Da nur rund 40 Prozent der Händler Buell verkauften, war das Ergebnis keine Überraschung. Ich habe vor Jahren geglaubt, dass Harley sich zu einem größeren Unternehmen mit breiterem Angebot entwickeln würde, aber das ist nie geschehen. Zudem litt die Sportmotorradindustrie 2009 an einer tiefen Krise. Buell ging es nicht anders. Wir haben im Schnitt zwischen 8000 und 10000 Motorräder im Jahr gebaut. Im Krisenjahr 2009 waren es viel weniger. Auf der anderen Seite produzierte Harley rund 350000 Einheiten jährlich. Die Entscheidung, Buell zu schließen, war aus Sicht des Harley-Managements logisch. Viele Leute haben jedoch sehr emotional darauf reagiert.

? Ist es wahr, dass das Unternehmen Bombardier, zu dem der Motorenbauer Rotax gehört, die Rechte an der 1125 R von Harley kaufen wollte?

! Über die Verhandlungen weiß ich nichts. Es gab jedoch Leute, die glaubten, der Name Buell hätte einen Wert, aber am Ende kam nichts dabei raus. Doch das ist Vergangenheit.

? Welche Rechte blieben bei Harley-Davidson?

! Harley hat die Rechte am Namen Buell, den ich nach 2010 nicht mehr für den Motorradbau verwenden darf, sowie an allen Entwicklungen und Motorrädern, die bis Oktober 2009 entstanden, auch der B2 Barracuda.

? Was bedeutet die B2 Barracuda für Sie?

! Die B2, die 2011 hätte auf den Markt kommen sollen, wäre die Umsetzung eines Prototyps gewesen, den ich als Konzept bereits 1988 entworfen hatte: ein vollverkleidetes Zweizylinder-Sportbike mit Benzintank im Rahmen. Das originale Harley VR 1000 Superbike-Design stammt von mir. Zwischen dem Konzept und dem überarbeiteten Motorrad hätten dann 23 Jahre gelegen. Aber das Harley-Management wollte weder Hyperbike noch Vollverkleidung. Sie wollten sich nicht mit den Japanern anlegen. Ich bin jedoch davon überzeugt, wir wären mit einem bahnbrechenden Superbike erfolgreich gewesen.

? Was baut Erik Buell Racing?

! Harley wollte den Rennkram loswerden. Ich wollte das Renngeschäft behalten, damit Händler und Kunden weiterhin mit Enthusiasmus dabei sein können. Zudem wollte ich so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten. Zurzeit haben wir zehn Vollbeschäftigte und zwei Teilzeitstellen. Ich hatte bis Ende 2010 die Lizenz von Harley, Buell-Rennmotorräder zu bauen. Wir produzierten vier unterschiedliche Modelle für die Rennstrecke, die zwischen 7500 und knapp 45000 US-Dollar kosteten, darunter die 1125 RR und die 1190 RR. Mit der 1190 RR haben Harald Kitsch und das Pegasus Raceteam die europäische Meisterschaft Sound of Thunder gewonnen. Nach 2010 dürfen wir jedoch keine komplette Buell mehr bauen, aber ich kann Teile liefern, weil ich alle Maschinen habe, die man dafür braucht. Eine 1125 R kann ich zum Beispiel zur RR umbauen.

? Welche Pläne haben Sie?

! Ich möchte weiterhin Motorräder produzieren, vor allem will ich wieder innovative Straßensportler bauen. Ich weiß, dass ich erneut klein anfangen muss. Wir haben Produktionsstätten in East Troy, Wisconsin. Wo früher mehr als 200 Leute Buells in vier Werkshallen bauten, nutzen wir jetzt eine Halle auf dem Gelände. Aber wir haben bei Buell unglaublich viel Innovatives geleistet, und ich möchte das gern wieder tun. Wenn ich nach Investoren suche, was unvermeidlich ist, oder eine Partnerschaft mit einem anderen Unternehmen aufbaue, dann müssen das Leute sein, die das Sportlersegment und den Kunden, den ich ansprechen will, verstehen. Ich will immer noch das Bike bauen, dessen Konzept als Zeichnung über meinem Schreibtisch hängt.

Es gibt so viele Ideen, die ich noch in Metall umsetzen will und so viele verschiedene Motorräder, die ich noch bauen will. Ich hoffe und glaube, dass es auch Kunden draußen gibt, die das kaufen wollen.

? Haben Sie sich überlegt, für Bombardier zu arbeiten und unter der Marke Can-Am Motorräder anzubieten?

! Darüber kann ich nicht sprechen. Das sind großartige Unternehmen, sowohl Bombardier als auch Rotax.

? Können Sie den Rotax 1125 R-Motor in einem künftigen Straßenmotorrad nutzen?

! Ich mag den Motor, er ist sehr standfest. Nach Tausenden von Rennmeilen auf Superbike-Niveau sieht er noch aus wie neu. Rotax weiß, wie man Motoren baut.

? Wie wird ein zukünftiges Straßenbike aussehen? Wie eine B2?

! Die B2 gehört Harley-Davidson. Aber so wie Ducati und Honda unterschiedliche 90-Grad-V-Twins bauen, kann ich ein Motorrad entwerfen, dass der B2 ähnlich ist, aber trotzdem meine neuen, eigenen Ideen transportiert. Wir werden das geis-tige Eigentum von Harley nicht antasten. Aber so etwas in der Art ist definitiv eines der ersten Motorräder, die wir fertigen. Wir arbeiten derzeit daran.

? Was brauchen Sie, um Erik Buell Racing-Bikes zu bauen?

! Die Kernfrage dreht sich ums Geld. Wir erarbeiten derzeit einen Finanzierungsplan, weil wir Investoren brauchen, die uns durch die erste Aufbauphase helfen. Wir können Bikes in East Troy bauen, wo wir Werkshallen, das Know-how und ausgebildete Mitarbeiter haben. Frühere Buell-Händler rund um die Welt warten nur darauf, unsere neuen Produkte zu verkaufen.

? Es ist jetzt mehr als ein Jahr her, seit Buell dicht ist. Wie fühlen Sie sich?

! Ich fühle mich nicht verbittert. Ich blicke nach vorn und nicht zurück. Aber ich mache mir Sorgen um die Kunden von Buell. Die Leute, die sich fragen, ob sie einen Fehler gemacht haben, so ein Motorrad zu kaufen. Ich möchte, dass sie unterstützt werden und Ersatzteile beziehen können. Es ist auch schwierig, über den Verlust von Arbeitsplätzen wegzukommen. Für manche ist das auch der Verlust von Hoffnung. Wenn alles nach Plan läuft, werden wir wieder Motorräder fertigen. Ich weiß, welche Motorräder ich gern bauen würde. Ich weiß auch, dass sie etwas bieten, was niemand anderes offeriert. Die Herausforderung lautet, all das umzusetzen. Daran arbeite ich. Schließlich habe ich noch mehr drauf, als bei meiner Band, den Thunderbolts, Gitarre zu spielen.

Anzeige

Vita: Eric Buell

Anzeige
Foto: Riles

Am 2. April 1950  wurde Erik Buell in Pittsburgh, Pennsylvania geboren. In seiner Jugend fuhr der US-Amerikaner Motocross- und Straßenrennen, arbeitete als Motorradmechaniker und studierte in Abendkursen an der Universität. Seit seinem Abschluss als Ingenieur 1979 arbeitete er für Harley-Davidson in Milwaukee. 1983 gründete er die Buell Motor Company in Wisconsin, die knapp 137000 Sportmotorräder baute, bevor Harley-Davidson das 2003 übernommene Tochterunternehmen im Oktober 2009 schloss. Im November 2009 gründete der 59-Jährige die Firma Erik Buell Racing.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel