Szene: Motorradmarkt in Deutschland Von BMW bis Yamaha

Immer mehr Motorradfahrer wählen europäische statt japanischer Marken. Und die Nachfrage nach neuen Bikes sinkt. Wie das?

Foto: Sdun

Dass sich der Absatz verringert, hat viele Gründe: "Zum Beispiel die immer älter werdende Bevölkerung", glaubt Jens Borrusch vom KTM-Marketing in Deutschland. Den fehlenden Nachwuchs bei den Bikern führt Honda-PR-Referent Aaron Lang auf die "hohe Hürde zum Motorradführerschein" zurück, der in den vergangenen zwanzig Jahren um mehr als das Dreifache teurer geworden sei. Zudem konkurriert das Hobby mit vielen anderen Freizeitaktivitäten. "Das Motorrad hat in den vergangenen Jahren viel von seinem Rebellen-Image, das die Jugendlichen faszinierte, eingebüßt. Wer Gefahr läuft, seinem eigenen Opa am Bikertreff über den Weg zu laufen, dem vergeht leicht der Spaß an der Sache", erklärt Bernd Gneithing, Marketing Director bei Harley-Davidson. Hingegen führt Kawasaki-Niederlassungsleiter Jürgen Naue andere Gründe an: "Die Freiheit auf zwei Rädern ist beschnitten worden." Dazu tragen die "hohe Verkehrsdichte, verschärfte Überwachung und härtere Sanktionen" bei, aber auch die höhere Zuverlässigkeit heutiger Motorräder spiele eine Rolle.

Der Bestand an zulassungspflichtigen motorisierten Zweirädern ist mit 3,8 Millionen in Deutschland hoch. Viele Besitzer sind, wie Umfragen ergaben, sehr zufrieden mit ihren Motorrädern. Inzwischen hat die Mehrheit der Piloten zwischen 40 und 49 Jahre auf dem Buckel, während ihre Untersätze im Schnitt fast 14 Lenze zählen.

Die Entwicklung in Deutschland ist jedoch nicht einzigartig, auch die Märkte in Nordamerika und anderen europäischen Ländern wie Frankreich schrumpfen. Weltweit konzentrieren sich die Manager großer Konzerne auf Länder, die große Wachstumschancen bergen. Honda produziert rund zehn Millionen Motorräder, BMW um die 100000 jährlich. "Die vier großen japanischen Hersteller bedienen Weltmärkte und waren daher gezwungen, das Angebot für boomende Märkte wie China und Indien zu verbessern. Die Marken, die seit knapp zehn Jahren Anteile gewinnen, bedienen nur diesen Markt und konnten sich intensiver auf dessen Bedürfnisse einstellen", so Paul M. Rowney, General Manager bei Suzuki International Europe. Dagegen dreht sich für Triumph der Verkaufserfolg um das Zauberwort "Lifestyle". Vor allem Bikes im Retro-Design sprechen Kunden an, die vorher kein Motorrad besaßen, so Vertriebsleiter Frank Ahlers. Für immer mehr Piloten zählen beim Erwerb eines Motorrads kaum noch rationale Argumente. "Nur Produkte, die Emotionen wecken und über klare Alleinstellungsmerkmale verfügen, haben das Potenzial, ihre Zielgruppe zum Kauf zu begeistern", betont Bernd Gneithing.

Wie sieht die Zukunft aus? "Der Trend geht hin zum individuellen und auch multifunktionalen Motorrad, mit dem sich viele Einsatzbereiche abdecken lassen", so Kai Swaton, Pressesprecher von Ducati Motor Deutschland. Rowney glaubt an eine Renaissance des Motorrads. Unter einer Voraussetzung: "Wenn wir als Industrie es verstehen, den Nutzen für die Allgemeinheit besser darzustellen. Diese Fahrzeuge bieten eine Steigerung der Lebensqualität." Denn: "Die Verkehrsdichte und der Parkplatzsuchverkehr werden deutlich reduziert. Wenn Sie also Spaß haben und dazu Zeit und Geld sparen, kommt das super an."

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote