Tamburini, Massimo: Porträt (Archivversion) Massimo Tamburini über...

...Motorrad-Rennsport:
Das ist und bleibt meine große Leidenschaft. Wenn italienische Motorräder vorn dabei sind, umso mehr. Ich habe
mich furchtbar gefreut, als Loris Capirossi im Juni den
MotoGP-Lauf in Barcelona gewonnen hat. Zumal die Ducati Desmosedici ein wirklich schönes Motorrad ist.

...die Italiener:
Wir Italiener sind schon ein herrlich verrücktes Volk. Wir sind kreativ, aber leider unfähig, im Team zu arbeiten. Das Beste wäre ein Mix aus Deutschen und Italienern.

...die Deutschen:
Mir gefällt Präzision, deswegen mag ich die Deutschen. Allerdings sind sie manchmal arg stur und wenig flexibel, wenn es um Kompromisse geht.

...Motorradfahrer:
Die Italiener sind eigentlich keine echten Motorradfahrer, sondern mehr auf die Show bedacht. Wirkliche Motorradfahrer sind für mich die Deutschen und die Engländer, von
denen viele bei Wind und Wetter fahren und die bereit sind, für ihre Leidenschaft auch mal ein wenig zu leiden.

...MV-Boss Claudio Castiglioni:
Er hat ein Gespür für Motorräder und für den Trend wie sonst niemand, er ist einfach der Beste in der Branche. Und weil ich nicht gern in der zweiten Reihe stehe, will ich natürlich mit dem Besten arbeiten. Neben unserer Freundschaft ist das der Grund für unsere Zusammenarbeit, die jetzt schon fast 20 Jahre dauert.

...die Japaner:
Vor 40 Jahren kamen die ganz bescheiden zum Lernen nach Europa. Jetzt haben sie uns weit überholt und beliefern die ganze Welt mit ihren Motorrädern. Aber ich denke, sie haben sich verändert und in gewisser Weise europäisiert. Und nun kommen
allmählich die Chinesen. Möglich, dass den Japanern das Gleiche passiert wie uns
Europäern vor 30 Jahren.
...japanische Motorräder:
Das sind Qualitätsprodukte und gute Angebote in Bezug auf Preis und Leistung. Manche Ideen gefallen mir sehr gut, zum Beispiel der überaus kompakte Motor der Yamaha R1. Aber es fehlt den japanischen Motorrädern doch ein wenig an Persönlichkeit.

...die neue BMW GS:
Eigentlich muss man ein Motorrad immer live erleben, und ich habe die BMW
bislang nur auf Bildern gesehen. Insgesamt finde ich das Design gelungen, es passt zur BMW-Philosophie. Und der Erfolg gibt den Bayern Recht. Von uns
würde so etwas keiner haben wollen.

...die italienische Motorradindustrie:
Was ich nicht verstehe, ist die Feindseligkeit der italienischen Hersteller untereinander. Selbstverständlich braucht jede Marke ihr eigenes Profil. Gewisse
Entwicklungen und große Investitionen jedoch könnte man auch gemeinsam
machen, zumal es in Italien zu wenig gute Techniker gibt. Nur wird das wohl nichts werden, weil jeder Hersteller dem anderen misstraut.

...sein Alter:
Ehrlich gesagt, fällt es mir immer nur ein, wenn ich mich rasiere: Dabei muss ich ja in den Spiegel schauen, und dann sehe ich ein doch schon etwas altes Gesicht. Aber im Grunde fühle ich mich mit 60 auch nicht anders als mit 30.

...den Trend:
Echte Sportmotorräder werden stets ihren Platz haben, da bin ich sicher. Und
ich sehe gute Perspektiven für etwas einfachere Motorräder, wie etwa die
MV Agusta Brutale. Einfacher nicht in technischer Hinsicht, sondern einfacher
und entspannter zu fahren. Was nicht heißt, dass man mit solchen Motorrädern langsamer ist: Ich bin mit der Brutale auf Passstraßen schneller als mit der F4.

...sein Motto:
Das perfektionieren, was schon perfekt erscheint.

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