Technik: Achsschenkellenkung (Archivversion) Großer technischer Aufwand - geringer effektiver Nutzen?

Gegenüber der konventionellen Teleskopgabel bieten alternativen Radführungssyteme wie die Achsschenkellenkung oder das Telelever-System von BMW zwei gravierende Vorteile: optimale Voraussetzung für ein gutes Ansprechverhalten und einen guten Bremsnickausgleich. Der sorgt beim Bremsen auf Bodenwellen stets für ausreichend Restfederweg.Bei der Achsschenkellenkung übernimmt die Lenkung eine teleskopförmige Lenksäule, die über Gelenke mit dem Achsschenkel verbunden ist. Der ist über Kugelgelenke drehbar im oberen und unteren Längslenker gelagert. Federung und Dämpfung erfolgt wie beim Hinterrad mit einem Federbein. Darüber hinaus kann durch eine geschickte Anordnung der einzelnen Drehpunkte ein vollständiger Bremsnickausgleich geschaffen werden. Demnach müßte die Achsschenkellenkung die Telegabel doch schon längst abgelöst haben. Aber sie hat auch Nachteile. So erfordert die Konstruktion einen größeren technischen Aufwand und höhere Kosten. Außerdem ist das Gewicht der GTS-Konstruktion vergleichsweise hoch.BMW geht mit dem Teleleversystem einen gelungenen Kompromiß ein. Die Bremsmomente stützen sich zusammen mit der Federungs/Dämpfungseinheit direkt am Hauptrahmen ab. Ein gutes Ansprechverhalten der Federung und Dämpfung und eine gute Stabilität erzeugen die großen Überschneidungslängen von Tauch- und Standrohren. Um dies auch bei der konventionellen Telegabel zu erreichen, drehten die Techniker sie einfach um und kreierten die Upside-down-Gabel. Dadurch kann der Bereich zwischen den Gabelbrücken als zusätzlicher Überschneidungsweg genutzt werden.Geringes Gewicht und kleine ungefederte Massen kann man mit Achsschenkellenkung und Upside-down-Gabel nur schwer erreichen. Da sprechen die Argumente für die konventionelle Gabel. Jüngstes Beispiel: die gewichtsoptimierte Neuauflage der ZX-9R von Kawasaki. Der entscheidende Nachteil bei der Einführung alternativer Vorderradlenksysteme ist jedoch das Design. Während die Upside-down-Gabel die konventionelle Linie beibehält und das Teleleversystem durch eine Verkleidung elegant verhüllt werden kann, akzeptiert der Kunde diese Systeme. An der GTS 1000 sticht dem Betrachter jedoch die neuartige und ungewohnte Konstruktion sofort unangenehm ins Auge. Doch auch die Akzeptanz neuer Systeme sollte nur eine Frage der Zeit sein, vorausgesetzt sie sind in ihrer Funktion der Telegabel überlegen.

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