TECHNIK: ANTIBLOCKIERSYSTEM (Archivversion) Immer an der Haftgrenze

Vor allem, wenn das Vorderrad blockiert, herrscht akute Sturzgefahr, deshalb hat Kawasaki nach BMW, Yamaha und Honda nun als vierter Hersteller ein ABS für Motorräder entwickelt. Antiblockiersysteme verhindern das Blockieren der Räder bei harten Bremsmanövern und/oder starken Reibwertsprüngen im Fahrbahnbelag. Dazu erfassen Sensoren die Drehzahlen von Vorder- und Hinterrad und leiten sie an den Rechner weiter. Der ermittelt daraus den Reifenschlupf, ist dieser zu groß, wird die Hydraulikeinheit des ABS aktiv.Im Falle des neuen Kawasaki-ABS unterbricht dann das Magnetventil der Hydraulikeinheit die Bremsleitung zwischen Hauptbremszylinder und den Bremszangen. Der Bremsdruck in den Bremszangen wird somit »gehalten« und kann nicht mehr steigen, ganz egal, wie kräftig am Bremshebel gezogen wird. Auf dem Bremsdruckdiagramm (Abb. unten links) ist dieser Zustand mit »B« gekennzeichnet.Sollte trotzdem noch ein Rad zum Blockieren neigen, weil zum Beispiel die Straßenoberfläche wechselt und dadurch die Reifenhaftung weiter abnimmt, schaltet das Magnetventil auf »Druck abbauen«. Bremsflüssigkeit wird dann von den Bremszangen zurück in den Hauptbremszylinder gepumpt, was am gezogenen Bremshebel deutlich zu spüren ist (Zustand »C« im Bremsdruckdiagramm).Stellt der Rechner über den Radschlupf fest, daß sich die momentane Verzögerung zu stark von der maximal möglichen entfernt, schaltet das Magnetventil wieder auf »normal«. Die Bremsleitung zwischen Hauptbremszylinder und Bremszangen wird freigegeben, der Bremsdruck in den Bremszangen kann wieder ansteigen (Zustand »A«).Etwa zehnmal pro Rad und pro Sekunde kann das Kawasaki-ABS den Bremsdruck in den Bremssätteln der GPZ halten, abbauen oder wieder erhöhen. Dadurch ist bei Notbremsungen eine optimale Verzögerung nahe an der Haftgrenze der Reifen möglich. Im normalen Fahrbetrieb, solange kein Rad zu blockieren droht, arbeitet das ABS nicht.Ein ausführlicher Vergleichstest der unterschiedlichen Antiblockiersysteme steht für MOTORRAD Heft 8/1996 an, dann wird sich zeigen, ob das Kawasaki-ABS auf Anhieb mit den etablierten Systemen anderer Hersteller mithalten kann.

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