Technik: Clevere Eigenbaumotoren Tüftler,Techniker & Träumer

Ausgetüftelt: Ein Maschinenkonstrukteur baut einen Acht-zylinderantrieb für eine Ducati und kombiniert diesen mit einem einzigartigem Kurbeltrieb. Drei Jungingenieure entwerfen einen Radialvierventilkopf für eine 50er - samt Extra-Elektromotor.

Foto: Hartmann-Wirthwein

Er ist so etwas wie der Daniel Düsentrieb der deutschen Motorradszene. Dieter Hartmann-Wirthwein fertigte Vierventilköpfe für eine BMW R 50 S von Anfang der 1960er-Jahre. Dann sorgte sein selbst konstruierter 125er-Vierzylinder-Reihenmotor für eine Honda Monkey für Aufsehen, siehe Fahrbericht in MOTORRAD 21/2008. Aber nach dem Projekt ist vor dem Projekt. Denn nun hat der 53-Jährige die für die Monkey entwickelte Technik quasi verdoppelt. Der gelernte  Maschinenkonstrukteur hat einen eigenständigen V8-Antrieb konstruiert, den er auf den Rumpfmotor einer Ducati 900 Supersport von 1992 verpflanzt hat. Voilà, die Ducati Elenore. Das Besondere an diesem luftgekühlten V8 mit "nur" 868 cm3: seine acht einzelnen Zylindergehäuse.

Dazu der Kurbeltrieb mit Pleuelwippen, für den ein Patent erteilt ist. Die vier 56er-Kol-ben einer Zylinderbank, sie sollen weniger wiegen als ein Ducati-Serienkolben, sind über trickreiche Dreieckswippen und Minipleuel mit dem einzigen zugehörigen Haupt-Gabelpleuel verbunden. Der Hub beträgt 44 Millimeter. Parallel laufen jeweils die beiden mittleren sowie die äußeren Kolben. In den Köpfen sitzen zwei Ventile je Zylinder (Einlass: 27, Auslass 23 Millimeter) und je eine obenliegende -Nockenwelle, die von einem Zahnriemen zwischen den äußeren Zylindern angetrieben wird. Nockenwellengehäuse, Zylinder, Pleuel und Pleuelwippen fertigt der Rimbacher selbst auf seiner CNC-Fräsmaschine. Aus dem Vollen. Zylinderköpfe, Kurbelwelle und Kipphebel lässt er eigens anfertigen. Jungfernfahrt und TÜV-Ab-nahme sind für Mitte 2011 geplant.

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Der kleinste Hybrid der Welt

Auf Dieter Hartmann-Wirthwein als technischen Berater setzten auch die drei Maschinenbau-Ingenieure Salvatore D’Andrea, Daniel Hilarius und Alexander Kunz.

Sie lieferten als Studenten des Studiengangs „Maschinenbau, Konstruktion und Ent-wicklung/Kfz-Prüftechnik“ an der Dualen -Hochschule Horb eine besondere Bache-lor-Abschlussarbeit ab: Dem 50-cm3-ohc-Zweiventil-Einzylinder eines chinesischen Hensim-Mopeds verpassten sie einen Radial-Vierventilkopf mit doppelten, oben-liegenden Nockenwellen. Damit soll der Motor beachtliche 6,5 Kilowatt (8,8 PS) bei runden 13 500/min leisten.


Bislang hat nur Honda Serien-„Fuffis“ mit vier Ventilen in winzigen Brennräumen ausgestattet: Zum einen im frechen High-tech-Roller Zoomer 50 mit Einspritzung, und G-Kat, zum anderen im Retro-Rennerle Dream 50. Doch im Gegensatz zu den beiden Maschinchen aus Fernost setzt das sächsisch-schwäbisch-italienische Inge-nieurstrio auf radiale Anordnung der Ventile und Rollenschlepphebel, wie sie auch in der Formel 1 zum Einsatz kommen. Den fertig gestellten, filigranen Teilen fehlen jedoch noch Fein- und Nachbearbeitung. Zusätzlich pflanzten die drei Konstrukteure, die mittlerweile beim TÜV Süd als Prüfer arbeiten, noch einen 1,5 Kilowatt (2,1 PS) starken Elektromotor in die hintere Zylinderattrappe.

Dessen Akkus sollen an jeder Steckdose aufgeladen werden können. Der E-Motor läuft ständig auf der Getriebeeingangswelle mit. Diesen Hybrid-Antrieb tauften sie „Atacama RV4“ und pflanzten ihn in das Chassis eines chinesischen Prototypen. Als echter Vollhybrid soll neben dem Verbrennungsmodus und der Kooperation von Viertakt- und Elektromotor (Parallel-Hybrid) auch rein elektrisches Fahren möglich sein.
Allerdings sind Akkutechnik und Steuerungselektronik samt Bremsenergie-Rückgewinnung noch nicht fertig entwickelt. „Es wäre doch schön, wenn sich in Deutschland wieder eine Fir-ma fände, die an große 50er-Tradition à la Kreidler, Hercules oder Zündapp anknüpfen würde“, sagt Daniel Hilarius. Ob der Traum der Tüftler und Techniker in Erfüllung geht?

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