Technik: Fahrwerksprobleme der Honda Fireblade

Das große Flattern

Unruhen in der Lenkung der neuen Fireblade können auf bestimmten Autobahnabschnitten dem Fahrer gehörig Respekt einflößen

Eines der Kriterien im MOTORRAD-Test lautet Geradeauslaufstabilität, eine Disziplin, die bis in den Bereich der Höchstgeschwindigkeit ermittelt wird. Bei der neuen Honda Fireblade eine höchst unangenehme Aufgabe für den Tester. Neben dem bereits zuvor aufgetretenen Lenkerschlagen beim vollen Beschleunigen auf Bodenwellen fängt die Vorderradaufhängung speziell auf Autobahnen mit Betonplatten, wie die A81 zwischen Weinsberg und Würzburg, bei höheren Geschwindigkeiten immer wieder unkontrolliert zu flattern an.
Im Gegensatz zum Lenkerschlagen, bei dem der Lenker innerhalb von ein bis zwei Schwingungen von Anschlag zu Anschlag pendeln kann, baut sich die Drehschwingung etwas langsamer auf, verstärkt sich dann aber rasch. Nur blitzschnelles Zudrehen des Gasgriffs beruhigt die Lenkung wieder. Diese Erscheinung tritt im gesamten Geschwindigkeitsbereich über 180 km/h auf, sowohl auf Geraden als auch in langgezogenen Kurven. Bei der Gegenprobe auf ebenen, geteerten Autobahnen zuckt die CBR nur auf Brückenabsätzen oder Bodenunebenheiten kurz mit dem Lenker.
Bei einem Lokaltermin auf der Würzburger Autobahn gehen der deutsche Importeur und MOTORRAD der Sache auf den Grund. Die japanischen Fahrwerkstechniker prüfen vor Ort mit einer Federwaage penibelst das Losbrechmoment des Lenkkopflagers und justieren es mit 1,9 Newtonmeter an der oberen Toleranzgrenze – eine Maßnahme, zu der inzwischen alle Händler in einem Rundschreiben aufgefordert wurden. Die solchermaßen vorbereitete Maschine testen sowohl die Honda- als auch MOTORRAD-Techniker auf der Autobahn. Bereits beim Anfahren fällt das hohe Losbrechmoment auf, das sich bei niedrigen Geschwindigkeiten unangenehm auf das Fahrverhalten auswirkt. Bei hohen Geschwindigkeiten gerät die Lenkung dennoch ein ums andere Mal in gefährliche Drehschwingungen um die Lenkachse.
Nach diesem unbefriedigenden Ergebnis besorgte MOTORRAD den Prototyp eines Öhlins-Lenkungsdämpfer und stellte bei dessen Anbau das Lenkkopflager wieder nach bewährtem Muster – leichtgängig, aber spielfrei – ein. Zwar müssen bei hohen Geschwindigkeiten auf der Würzburger Autobahn 14 von 20 möglichen Klicks zugedreht werden, und selbst dann signalisiert der Dämpfer durch ständiges Zucken, dass er kein leichtes Spiel hat. Doch das Lenkerflattern ist beseitigt. Einbußen im Landstraßenbetrieb gibt es keine. Selbst in langsamen Ecken wirkt sich der Lenkungsdämpfer nicht negativ auf das Fahrverhalten aus. Deshalb ist für MOTORRAD klar: Die Auslieferung der Honda Fireblade kann nur mit beruhigenden Maßnahmen wie etwa einem Lenkungsdämpfer erfolgen. Alles andere wäre grob fahrlässig.
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Statement

Honda nimmt Stellung zu Fahrwerksproblemen der Fireblade
?Unternimmt Honda etwas gegen die kritische Fahrwerksinstabilität der Fireblade, die Resonanzschwingungen der Vorderradaufhängung um die Lenkachse auf bestimmten Autobahnabschnitten hervorrufen? Wir wurden von diesem Phänomen überrascht, da derartige Fahrbahnkonfigurationen nur selten anzutreffen sind. Deshab sind wir noch mit der Untersuchung dieser Erscheinung und der Entwicklung von Gegenmaßnahmen beschäftigt, die vom Ergebnis der Untersuchungen abhängen.? In welchem Zeitraum ist mit einer Abhilfe zu rechnen? Wir arbeiten mit Hochdruck daran, können aber keinen endgültigen Termin nennen.

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