Technik: Honda Zoomer (Archivversion) Im Viertakt Marsch

Mit einem innovativen Viertakter will Honda frischen Wind in die 50er-Klasse bringen. Wobei der 50er-Viertakter bei Honda eine lange Tradition hat. Schon Ende der 60er Jahre brachten die Japaner mit der SS 50 einen ungewohnten Klang
in die von Zweitaktern, vornehmlich deutscher Provenienz, heiß umkämpfte Klasse. Der neue Motor soll zunächst im Rollersegment kräftig mitmischen. Dazu haben die Ingenieure alle Register gezogen.
Mit Wasserkühlung, Vierventiltechnik, Kraftstoffeinspritzung und geregeltem Katalysator erfüllt das Triebwerk das Anforderungsprofil an einen modernen Verbrennungsmotor. Eine kettengetriebene, oben liegende Nockenwelle betätigt über gegabelte Rollenkipphebel die Ventile.
Offensichtlich um einen homogenen Drehmomentverlauf zu erzielen, konstruierten die Techniker einen Langhuber. Der Kolben mit 38 Millimeter Durchmesser legt im
Zylinder 44 Millimeter Weg zurück und
verdichtet das Gemisch auf 12 zu 1. Derart gerüstet, steht bereits bei 5000/min das maximale Drehmoment von 4,5 Nm an. Für die maximale Leistung von vier PS sind nur moderate 7500 Umdrehungen notwendig. Eine Fliehkraftkupplung leitet das Drehmoment an die Riemenautomatik weiter.
Raffiniert ist auch die bürstenlose Lichtmaschine, die gleichzeitig als Elektrostarter fungiert. Damit nimmt Honda das Prinzip der Dynastartanlage von Bosch aus den 50er Jahren wieder auf, allerdings mit ungleich weniger Baugröße und
Gewicht. Die berührungslos über einen Magneten angetriebene Wasserpumpe – diese Bauart spart Dichtungen ein – zeugt ebenfalls vom tiefen Griff in die techni-
sche Trickkiste. Die winzige Zweiloch-Einspritzdüse und der Drosselklappenkörper mit integrierten Sensoren sind komplette
Neuentwicklungen, da die Ingenieure nicht auf vorhandene Bauteile zurückgreifen konnten.
Die aufwendige Technik feiert nun
im ungewöhnlich gestylten Roller namens Zoomer ihre Europa-Premiere. Mit dem Verbundrahmen aus einer Aluguss-Konstruktion an der Front und frei zur Schau gestellten Stahlrohren am Heck, den üppig bereiften Zehn-Zoll-Rädern und dem
Doppelscheinwerfer zielt sein rustikales Design ganz offensichtlich auf Jugendliche ab, die dank des umfangreichen Zubehörprogramms den Zoomer mit verschiedenen Seiten- und Kühlerabdeckungen in Chromlook über diverse Gepäcksysteme bis hin zu Rennfußrasten individuell gestalten können.
Ob sich der trendige Roller für 1990 Euro ab September in die Herzen der Youngster zoomt und welche Zweiräder der Motor in Zukunft noch antreiben wird, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch schon jetzt sicher: Im 50er-Segment läutet das Triebwerk eine neue Ära ein, und zwar nicht nur, was die Schadstoffemissionen anbelangt, sondern auch beim Verbrauch. ws

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