Technik: Horex VR6 1200 Der Motor der Horex VR6 1200

In der Horex-Geschichte schlagen die Entwickler das nächste Kapitel auf: Der Motor sammelt seine ersten Betriebsstunden auf dem Prüfstand. MOTORRAD war exklusiv dabei.

Foto: Horex

Eine illustre Gruppe von hochkarätigen Wissenschaftlern und Ingenieuren drängt sich im Motorprüfstandsraum. Aufgepflanzt ist ein Prototyp des Horex-VR6-Motors. Clemens Neese, der Horex-Boss, wirkt aufgedreht. Gleich darf er den Starterknopf drücken und den mächtigen Sechszylinder starten.

Seit fünf Jahren leitet Professor Dr.-Ing. Martin Doll das Horex-Projekt an der Hochschule. Stolz zeigt er den Einzylinder-Versuchsmotor her, an dem die Grundlagenforschung für die Auslegung des VR-Motors betrieben wurde. "Wir haben den Zylinder immer weiter zur Seite geschoben, um die maximale Schränkung herauszufinden", erklärt er. "Schränkung?" "Der Versatz zwischen Zylinderachsen und Kurbelwellenachse". Ach so. Klar ist: Der Horex-Motor ist ein ganz besonderes Stück deutscher Ingenieurskunst. Ähnlich dem VW-VR-Motor sind die Zylinder platzsparend ineinander verschachtelt, laufen die Kolben der beiden Zylinderbänke im Winkel von 15 Grad zueinander. Die beiden Zylinderachsen treffen sich aber unterhalb der Kurbelwelle, weshalb Reibung erzeugende Querkräfte auf die Kolben wirken. Mit dem Einzylinder-Versuchsmotor erforschten die Münchner die sinnvolle Grenze zwischen Schränkung und Reibung.Gebläse der Absaugung ein und Start! Sofort springt der VR6 an und fällt in ein aufgeregtes Gebrabbel. Was für ein Sound! Die sechs Krümmer münden in einen großen Sammler unter dem Getriebe und danach in drei Auspufftöpfe mit Schalldämpfern, die bereits dem Serienstand entsprechen sollen. Dennoch spricht der VR schon im Leerlauf eine außerordentlich deutliche Sprache.

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Foto: Horex

Erstaunlich: Zylinder und Kopf sind fertig gegossene Teile, der Motor ist über das bereits eingebaute Getriebe an dem Prüfstand angeflanscht und wird im sechsten Gang gemessen. Horex scheint also mit der Entwicklung viel weiter zu sein, als einige bisher geglaubt haben.

Vorsichtig kuppelt Motorenbauer Rupert Baindl ein. Der Sound schwillt beim Gasgeben mächtig an. Unter Volllast beginnt der mechanisch angetriebene Lader hell zu zischen, man spürt förmlich die gewaltige Kraft des 1200ers. Schon bei 2000/min drückt der Motor beachtliche Drehmomentwerte auf die Bremse. Bis 8500/min soll der Sechszylinder später einmal drehen. "Wir können bis zu 240 PS einbauen", erklärt Clemens Neese. "Für die erste Version werden wir die Leistung aber auf höchstens 200 PS beschränken."

Das ist für ein Naked Bike allemal mehr als genug. wie klingt der VR6? Anders als die VW-Motoren. Eine Mischung aus Dreizylinder und V4, einzigartig in jedem Fall. Horex fährt eine ungewöhnliche Zündfolge von 1-2-3-6-5-4. Bis 6000/min dreht der Motor unter voller Last, wohlig erschauernd stellen sich einem die Nackenhaare auf. Man kann das gewaltige Drehmoment des Horex-VR6 körperlich spüren. Dann lässt es die Münchner Prüfstandsmannschaft gut sein. Traurig schluchzt der VR6 die Drehzahlleiter wieder runter und wird vom Horex-Boss schließlich abgestellt. "Wir haben mehr Leistung als erwartet, deshalb können wir die Nenndrehzahl senken und den Lader höher übersetzen." Clemens Neese wirkt sehr zufrieden. Nach wie vor läuft alles nach Plan. Bis jetzt gab es kaum mechanische Probleme, alle paar Betriebsstunden wird das Motoröl des VR6 sorgfältig untersucht.

Zurzeit wird ein zweiter Motor für die Fahrversuche aufgebaut. Und bald soll auch der Produktionsstandort bekannt gegeben werden. Auf der Messe INTERMOT war der Horex-Stand stark umlagert. Der Traum von der Wiederauferstehung der Marke scheint tatsächlich wahr zu werden.

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