Technik-Info: Führungs-Kräfte (Archivversion)

Eine Telegabel übernimmt Radführung, Federung samt Dämpfung und überträgt obendrein noch Lenkungs- sowie Bremskräfte. Eigentlich perfekt – wenn dieses Multi-Tasking nicht Schwächen mit sich bringen würde. Vor allem: Die Reibung der Dichtungen und Führungen verursacht ein relativ hohes Losbrechmoment und das Eintauchen der Gabel beim Bremsen.

Doch Alternativ-Konzepte verschwanden in der Versenkung – mit einer Ausnahme: das von BMW 1993 eingeführte Telelever und 2004 vom Duolever ersetzte Vorderradführungssystem. Dabei trennen die Bayern die Aufgaben der Radführung und Federung durch eine pfiffige Lösung mit zwei Längslenkern (grüne Pfeile), welche die starren Radträger mit dem Rahmen verbinden. Ein Federbein (roter Pfeil) übernimmt somit ohne den störenden Einfluss von Biegekräften die Federungs- und Dämpfungsaufgaben. Die leicht nach unten zeigende Ausrichtung der Längslenker ermöglicht einen weiteren wichtigen Effekt: den Nickausgleich. Beim Bremsen taucht die Duolever-Front kaum ein, erlaubt somit in dieser Situation die Nutzung eines Großteils des Federwegs. Neben dem Komfortgewinn behält der Reifen dadurch besseren Bodenkontakt und kann höhere Bremskräfte übertragen.

Also alles besser? Fast. Denn das Duolever bietet nicht das Feedback, die subjektiv empfundene Rückmeldung für die Reifen-Haftgrenze, einer Telegabel. Sportfahrern kommt das Abtauchen der Telegabel und der damit verbundene steilere Lenkwinkel beim Einlenken in Kurven entgegen. Außerdem wurde das Ansprechverhalten von Telegabeln durch reibungsarme Beschichtungen deutlich verbessert. Mit ein Grund, weshalb diese Lösung im Fahrwerksbau immer noch die dominante Rolle spielt.

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