Technik-Infos (Archivversion) ABS im Gelände

Mehr als zwei Jahrzehnte ist es her, seit BMW im Jahr 1988 als erster Hersteller serienmäßig ein ABS im Motorradbau anbot. Seitdem schreitet die Entwicklung rasant voran, gipfelt höchstaktuell in den selbst für den Renneinsatz tauglichen ABS-Bremsen der 2009er-Supersport-Modelle von Honda. Doch seit jenes noch ausgesprochen grob regelnde Ur-ABS so manchen BMW-GS-Piloten nach Schotterabfahrten ungebremst in die Büsche schickte, hält sich das Gerücht hartnäckig: Versierte Fahrer verzögern im Gelände mit Gefühl immer noch besser als mit ABS. Stimmt‘s?

MOTORRAD bremste die R 1200 GS und die F 800 GS sowohl mit ein- als auch abgeschaltetem ABS auf Schotter und nassem Gras aus 60 km/h bis zum Stillstand. Das Ergebnis: beeindruckend. Nur in einem einzigen Fall, bei der Bremsung mit der F 800 auf nassem Gras, zeigte sich die menschliche Feinmotorik dem ABS nennenswert überlegen. Sonst konnte der Testpilot die Werte der ABS-unterstützten Verzögerung nur marginal unterbieten, egalisieren, oder er kam klar hinter der ABS-Bestmarke zum Stehen. Zusätzliche Brisanz erhalten die Resultate, wenn man berücksichtigt, dass die Messungen unter Idealbedingungen, sprich mit konzentriertem Fahrer auf bekanntem Terrain stattfanden. Schreckmomente oder ungewohntes Gelände ließe das Pendel beim Bremsen noch weiter zu Gunsten des ABS ausschlagen. Vom durch den Blockierverhinderer reduzierten Sturzrisiko einmal ganz abgesehen.

Bremsweg aus 60 km/h
Asphalt, mit ABS
F 800 GS 15,2 m
R 1200 GS 14,4 m

Schotter
F 800 GS mit ABS 25,7 m
F 800 GS ohne ABS 25,7 m
R 1200 GS mit ABS 26,2 m
R 1200 GS ohne ABS 25,2 m

Wiese, nass
F 800 GS mit ABS 43,3 m
F 800 GS ohne ABS 40,8 m
R 1200 GS mit ABS 42,0 m
R 1200 GS ohne ABS 47,8 m

Deutliche Werte: Ob mit oder ohne ABS ist bei Softenduros wie den drei BMW nun auch im Gelände keine Frage mehr. Mit ABS bremst der Mensch meist besser.

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