Technik: Mapping Alles über Mapping

Galaktischer Budenzauber oder endlose Zahlenkolonnen: Was um alles in der Welt verbirgt sich hinter dem Wort Mapping? MOTORRAD erklärt, was der Grundbaustein moderner Einspritzmotoren bereits heute leistet und worauf es in Zukunft noch ankommen wird.

Foto: Archiv
Vor einigen Jahren in Dortmund: Auf einer Motorrad-Messe versammelte sich eine Handvoll Journalisten um einen kleinen, unscheinbaren Kasten. Der deutsche Vertriebsmann war begeistert: "Das Gerät ist nicht nur ein effektiver Schutz gegen Diebstahl, sondern auch eine echte Hilfe bei Unfällen!" Das Prinzip: Über einen kleinen GPS-Sender, der im Steuergerät untergebracht ist, lässt sich der Standort des Fahrzeugs jederzeit orten. Aber nicht nur das: Eingebunden in die Motorradelektronik, könnten sogar Warnmeldungen an eine Überwachungszentrale geschickt werden, wenn Sensoren auf einen Unfall hindeuten. Und dann begannen die Augen des Verkäufers zu leuchten. Ja, noch vieles mehr sei vorstellbar... Spätestens jetzt stellte sich bei dem einen oder anderen ein mulmiges Gefühl ein.

Aus der Ferne könne man sogar Eingriffe ins Mapping vornehmen, beispielsweise die Benzinzufuhr unterbrechen oder den Drehzahlbegrenzer auf ein Minimum herunterschrauben – wenn man beispielsweise ein geklautes Bike kurz vor der Grenze orte und die Flucht ins Ausland verhindern will. Und in enger Zusammenarbeit mit den Motorradherstellern bräuchte man zum Software-Update des Motormanagement, so schwärmte er weiter, zukünftig gar nicht mehr in die Werkstatt rollen. Der Hersteller könne das diskret online erledigen, während das Bike in der Garage steht, der nichtsahnende Besitzer direkt daneben. Mit entsprechend codierten Schlüsseln ließen sich sogar bei meh-reren Nutzern verschiedene Einstellungen hinterlegen: Fährt der Filius mit Papas 1000er, wäre automatisch eine 34-PS-Version aktiviert. Der Traum vom ungezügelten Easy riding, er hätte sich im Nu per Mausklick erledigt. Das Mapping macht‘s möglich. Aber: Was kann das Mapping alles möglich machen?

Klar ist heute: Mapping ist in aller Munde. Es ist aus der Motorradszene nicht mehr wegzudenken. "Wir haben ein neues Mapping aufgespielt", sagt der Werkstattmeister zu seinem Kunden, wenn er die einzelnen Arbeitsschritte der Inspektion erläutert. Was genau das für Auswirkungen hat, kann er aber meist nicht erklären. "Mein Mapping stimmt nicht", sagt der verzweifelte Hobbyracer, wenn er eine Erklärung für seine miserablen Rundenzeiten sucht. Doch wie er dann den Berg bunter Linien, die sein Datarecording ausgespuckt hat, in eine funktionierende Motorsteuerung umsetzen soll, bleibt auch ihm ein Rätsel. Um Ratespiele und ahnungsloses Schulterzucken zu vermeiden, lohnt es sich, einmal genauer zu schauen, was sich konkret hinter dem Wort "Mapping" verbirgt. Im Grunde nichts anderes als eine riesengroße Tabellensammlung, vergleichbar mit dem, was Sie im Büro oder daheim von Windows Excel kennen. Der Inhalt dieser Tabellen: In Abhängigkeit von Kurbelwellendrehzahl und Drosselklappenöffnung (also Gasgriffstellung) sind die Werte für die Verbrennung festgelegt. Sprich: Wie lang ist die Einspritzzeit, wann erfolgt der Zündzeitpunkt? Jeder Einspritzmotor muss mit diesen Basisdaten versorgt werden, der Techniker spricht vom sogenannten Alpha-N-Kennfeld. Daran hat sich in den letzten Jahrzehnten im Grunde genommen nichts verändert. Das Grundkennfeld ist rein physikalisch betrachtet eine feste Größe, welche die optimale Verbrennung in einem Motor regeln soll.

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