Technik: Suzuki GSX-R 600 (Archivversion) Die Leichtigkeit des Seins - Folge zwei

Mit einem tiefen Griff in die technische Trickkiste setzte Suzuki vor knapp einem Jahr den Maßstab in der 750er Supersport-Klasse. Konsequenter und kompakter Leichtbau drückte das Gewicht der GSX-R 750 auf 205 Kilogramm und den Radstand auf 1400 Millimeter.Hier noch einmal die technischen Highlights, die in MOTORRAD 25/1995 ausführlich vorgestellt wurden: kompakter Motor mit dreigeteiltem Kurbelgehäuse, um die Getriebewellen platzsparend versetzt zur Kurbelwelle unterzubringen. Alle Gehäusedeckel sind aus einer leichten Magnesiumlegierung, die Ventilfederteller aus Aluminiumlegierung. Die Kolben laufen direkt in den mit Nickel-Siliciumkarbid beschichteten Bohrungen des Aluminium-Zylinderblocks - eine Technologie, die bei europäischen Herstellern wie BMW oder Moto Guzzi längst Standard ist, bei den Japanern bisher aber nicht zum Einsatz kam. Das spart nicht nur Gewicht, die Wärmeleitfähigkeit von Alu ist viel besser als die von Stahl und somit die Kühlung effektiver und die Anpassung des Zylinders an die Kolbenausdehnung besser als mit den schweren Gußlaufbuchsen.Auch beim Fahrwerk wurde um jedes Gramm gerungen: hohlgebohrte Achsen, ein Steuerrohr aus Aluminium, die hohlgegossene untere Gabelbrücke sind nur einige der vielen Highlights.In den Genuß all dieser technischen Innovationen kommt nun auch die 600er Fraktion. Anstatt sich wie die Konkurrenz mit produktionstechnisch bedingten Kompromissen und konventionellen Lösungen dem Preisdruck in dieser Klasse zu beugen, übernahmen die Suzuki-Ingenieure die meisten Bauteile aus der 750er und sparten so eine Menge Entwicklungskosten und vermutlich noch mehr Werkzeugkosten. Bis auf den verringerten Hubraum sind die technischen Änderungen am Motor marginal: um ein auf 30 Grad vergrößerter Ventilwinkel, um zwei auf 17 reduzierte Kupplungsscheiben, eine um 0,2 auf 12:1 erhöhte Verdichtung und ein enger gestuftes Getriebe. Die gegenüber der 750er zusätzlich eingesparten fünf Kilogramm wurden hauptsächlich bei den Fahrwerkskomponenten (siehe Fahrbericht) geholt.Allerdings auch 400 Gramm bei der Zündanlage: Die GSX-R 600 besitzt als erstes Serienmotorrad ein System mit direkter Zündung, das herkömmliche Spulen und lange Hochspannungskabel überflüssig macht. Statt dessen führen Kabel mit geringem Querschnitt für die Bordspannung bis zu den vier Kerzensteckern, in denen jeweils eine Zündspule integriert ist. Dadurch soll ein stabilerer und stärkerer Zündfunken gewährleistet werden. rb

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote