Technik transparent Loch an Loch - und läuft doch

Wenn es um Höchstleistung geht, hat das Drehschieberkonzept klare Vorteile: Der Einlaßkanal kann extrem kurz und geradlinig angelegt werden, die Strömungsverluste sind dadurch sehr gering, Füllung und Maximalleistung optimal.Die Nachteile: Bei Mischungsschmierung streicht der Gasstrom aus Luft/Öl und Benzin über das hochbelastete Pleuellager hinweg (Skizze 1), die Schmierung erfolgt dabei nur über den von den Kurbelwangen aufgewirbelten Ölnebel im vorverdichteten Benzin/Öl/Luft-Gemisch.Die Einlaß-Steuerzeiten können im Gegensatz zu althergebrachten kolbengesteuerten Motoren zwar asymmetrisch angelegt werden, sind aber für alle Drehzahl- und Lastbereiche gleich. Lange Öffnungszeiten, also ein großes, freies Kreissegment an der Platte, begünstigt in niedrigen und mittleren Drehzahlen jedoch ein Zurückströmen des Gemischs, da sich der Kolben vor Schließen des Einlasses bereits nach unten bewegt. Das Gemisch wird in die Airbox zurückgepreßt, vermischt sich dort mit der Ansaugluft des darauf folgenden Arbeitstaktes und reichert somit das Benzin/Luft-Gemisch zusätzlich an, der Motor überfettet, verliert an Leistung oder leidet an Zündaussetzern. Lange Steuerzeiten sind jedoch notwendig, um eine möglichst hohe Motorleistung zu erzielen. In höheren Drehzahlen, wenn das Resonanzsystem der Auspuffbirne zum Tragen kommt, baut sich eine sehr hohe Gasgeschwindigkeit im Einlaßtrakt auf und füllt, obwohl der Kolben bereits abwärts geht, das Gehäuse mit Frischgas. Es entsteht ein sogenannter Ladeeffekt. Um die Nachteile von Kolben- oder Drehschiebersteuerungen auszumerzen, perfektionierte Yamaha in den siebziger Jahren (RD- Baureihen) die als Rückschlagventil wirkende Membransteuerung. Dabei öffnen Federplättchen aus Stahl oder Kunststoff bei Unterdruck im Kurbelgehäuse den Einlaßkanal. Läßt der Unterdruck nach, schließen die Membranzungen, das Gemisch kann nicht mehr in die Airbox zurückströmen. Der Motor läuft mit diesem System sehr weich und elastisch, weshalb Straßenzweitakter, später auch Cross- und Rennmotoren von dieser Lösung profitierten. Ein weiter Vorteil: Das Öl/Luft/Benzin-Gemisch strömt direkt auf das Pleuellager (Skizze 2), Kühlung und Schmierung sind somit optimal.Der Nachteil: Die Membranzungen und der Membrankörper zerklüften den Einlaßkanal stark, die Strömungsverluste speziell in den oberen Drehzahlen wirken sich negativ auf die Spitzenleistung aus.

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