Technik-Tricks bei 200 PS (Archivversion) alles im griff

Nur eine wachsame Elektronik wird die 200-PS-Maschinen dem Menschen gefügig machen.

Nominelle 200 PS Höchstleistung werden eher für das Marketing eine Rolle spielen, technisch sind sie schon jetzt problemlos machbar. Oberste Priorität bei den Ingenieuren wird weniger die Spitzenleistung als vielmehr ein homogenes, extrem breites Drehmomentband haben. Ob dafür die aktuellen 1000er-Sporttriebwerke taugen oder ob eine Aufstockung des Hubraums auf 1200 oder mehr Kubikzentimeter die schiere Kraft ermöglicht, muss sich noch zeigen. Um die Power effektiv und beherrschbar in entsprechende Fahrleistungen umsetzen zu können, wird in Zukunft ein elektronisches Management in
die Leistungsabgabe eingreifen. Schließlich reden wir über eine Beschleunigung von 0 auf 200 km/h in etwa 6,5 Sekunden und eine theoretische Höchstgeschwindigkeit von gut 320 km/h.
Ein durchdrehendes Hinterrad zu kontrollieren ist auf verschiedenen Wegen möglich. Der einfachste: das maximale Drehmoment in Abhängigkeit von der Übersetzung zu begrenzen. Honda konstruierte bereits vor einiger Zeit eine elektromechanische Leistungsbegrenzung für die MotoGP-Bikes, indem die Drosselklappen in den unteren Gangstufen gegen die Bewegung des Gasgriffs per Stellmotor wieder etwas geschlossen wurden. So verschwanden von ursprünglich 250 teilweise mehr als 50 PS.
Besser wäre, die abrufbare Maximalleistung je nach Geschwindigkeit, Gang und Fahrzustand so weit zu reduzieren, dass eine optimale Beschleunigung möglich ist. Die aufwendigste Variante ist eine echte Traktionskontrolle, mit der zurzeit bei den MotoGP-Bikes experimentiert wird. Dazu muss der Schlupf gemessen werden, so dass die Steuereinheit das aktuelle Drehmoment nicht nur begrenzen, sondern regeln kann. Ein schwieriges Unterfangen, denn ein mehr oder weniger großer Schlupf ist im Rennsport wünschenswert.
Yoskikazu Koike, Projektleiter der Yamaha-R1-Baureihe, zieht für eine 200 PS starke R1 zudem eine Wheelie-Kontrolle in Betracht, die über eine Erkennung der Federwege und einen elektronischen Winkelmesser die Leistung kappt, sobald das Motorrad einen bestimmten Nickwinkel überschreitet.
In Sachen Höchstgeschwindigkeit werden auch die Reifenhersteller ein Wörtchen mitzureden haben und diese auf ein Limit festschreiben, das garantiert, dass sich der Reifen nicht auflöst. Eine andere Variante: Eine Sensorik ermittelt Luftdruck und Reifentemperatur und passt dementsprechend die Maximalgeschwindigkeit über die elektronische Kontrolleinheit an.
Damit der Sportsmann die immense Leistung sicher und mit hohem Fahrspaß genießen kann, tüftelt man nicht nur bei Yamaha an einem aktiven Federungssystem, das je nach Fahrergewicht, Streckenbeschaffenheit und Geschwindigkeit eine optimale Federung/ Dämpfung garantiert. Dazu gehört auch eine variable Geometrie und Balance der Maschine über elektrohydraulische Elemente, die bei Brems- und Beschleunigungsvorgängen das Motorrad in der gewünschten Position halten. wk

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