Technik Tryphonos 900 (Archivversion) Neues Spiel...

...neues Glück. Nach zahlreichen wie glücklosen Anläufen anderer Hersteller präsentiert der Londoner Ingenieur Michael Tryphonos einen vielversprechenden Supersportler mit Radnabenlenkung.

»Es ist völlig logisch, daß es funktioniert. Dieses Konzept ist der Telegabel fahrdynamisch überlegen.« Die Idee einer alternativen Vorderradführung war für Fahrwerks-Ingenieur Michael Tryphonos, der in London die Firma »Tryphonos Engineering« betreibt, der Anstoß, ein eigenes Bike zu konstruieren, das er nun an einem verregneten Tag auf dem Grand Prix-Kurs von Donington präsentiert. Acht Jahre lang hat er konsequent entwickelt, um ein kompaktes, leichtes Sportmotorrad mit möglichst einfacher, aber perfekt funktionierender Radnabenlenkung zu realisieren, die, im Gegensatz zur Telegabel, Führung und Federung des Vorderrads trennt und Bremsnicken in hohem Maße verhindert.Die avantgardistisch anmutende, supersportliche Tryphonos 900, deren Vorläufer teils beachtliche Erfolgge auf der Isle of Man erzielten (9. Platz Senior TT 1995), macht tiefen Eindruck: handwerkliche Perfektion zum Beispiel am eigens konstruierten, aus Alu-Frästeilen verschraubten Rahmen, pfiffige Details, kein überflüssiges Teil, daß die klare Konstruktion stören würde. Die appetitlichen Eckdaten: Radstand 1400 Millimeter, Lenkkopfwinkel zwischen 68 und 72 Grad einstellbar, im Test 71 Grad bei 99 Millimetern Nachlauf, Trockengewicht 160 Kilogramm, von denen 53 Prozent auf dem Vorderrad lasten. Die hintere Schwinge stammt vom aktuellen GSX-R 750-Modell, das auch die geometrische Position von Federbein und Umlenkung sowie von Schwingendrehpunkt und Ritzelposition vorgab. Gefedert und gedämpft wird von Penske-Federbeinen, der Federweg beträgt vorn 110, hinten 130 Millimeter. Immerhin 23 Grad Lenkeinschlag genügen zum Rangieren. 3,5 und 6 Zoll breite Felgen (vorn Kohlefaser von Saxon, hinten Magnesium von Dymag) tragen Avon Azaro-Supersport-Reifen der Dimensionen 120/70 ZR 17 und 190/50 ZR 17.Viel High-Tech, getoppt durch die vordere Radnabenlenkung. Der Felgenkranz ist ebenso mit dem gefrästen Stern verschraubt wie die einzelne, im Interesse der Fading-Sicherheit überaus dicke Bremsscheibe. Dieser Felgenverbund rotiert kugelgelagert auf einem Nabenkörper, der wiederum kegelrollengelagert um die Lenkachse - wegen des Nachlaufs leicht außermittig - drehbar ist. An dieser setzt ein doppelter Achsschenkel an, der über Nadelkäfige auf der Mittlachse gelagert und via Längslenker-Schubstangen-Parallelogrammverbund am Rahmen angelenkt ist und so die Federbewegungen der Schwinge geometrisch annähernd ausgleicht. Die Länge der Schubstange ist einstellbar und bestimmt den Lenkkopfwinkel. Links am inneren Nabenkörper stützen sich zwei PFM-Sechskolben-Bremszangen ab. Hier lenkt auch die Lenkstange an, die über nur einen Querlenker direkt mit dem Lenker verbunden ist. Alles klar? Nun, nicht einfach zu beschreiben, aber logisch konstruiert.Die Fahreigenschaften? Erster Eindruck: kompakte, sportliche Sitzposition. Zunächst irritiert, daß der tiefe Lenker nicht wie gewohnt um die Lenkachse dreht, sondern wie ein Fahrradlenker mit Vorbau schwenkt. Aber nach spätestens einer Minute hat sich der Fahrer daran gewöhnt und kann sich den Vorzügen der Radnabenlenkung hingeben. Irre, wie hart trotz der triefend nassen Piste auch in Kurven hineingebremst werden kann. Beeindruckend, wie leichtfüßig die Tryphonos lenkt. Das Vorderrad meldet mit kristallener Transparenz den Fahrzustand an Hände und Popometer. Völlig spurstabil zieht die Engländerin ihre Bahn. Ein Beispiel: Eine mit weit über 200 km/h überfahrene Kuppe irritierte den Geradeauslauf nur minimal. Lediglich der Lenker zuckte kurz, sonst stoische Ruhe. Auch der Rest des Motorrads begeistert. Die Bremse verzögert brachial und linear dosierbar, der Motor brilliert durch Potenz und Drehfreude. Tryphonos entschied sich bewußt für ein kompaktes Suzuki-RF 900-Triebwerk (auch GSX-R 750 W und 1100 W möglich), das einen Schräglagenwinkel von 57 Grad zuläßt - bei voll eingefedertem Motorrad.Ab Frühjahr wird die Fahrmaschine produziert und mit EG-ABE für etwa 16000 englische Pfund käuflich sein. MOTORRAD fiebert dem ersten Test entgegen.

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