Test Aprilia Pegaso 650 Garda––––– (Archivversion) Schmuckstück–––––

Mit tourentauglicher Sonderausstattung und einem attraktiven Preis setzt sich die ebenso schmucke wie bewährte Aprilia Pegaso mal wieder in Szene. Gut so.

Wohlerzogener und leistungsstarker Motor, hervorragendes Finish, gute Ausstattung und komfortables Fahrwerk: Seit ihrer Renovierung zur IFMA 1996 zählt die Aprilia Pegaso wahrlich zu den besten Reise-Enduros. Nimmermüde fightet sie seither gegen den Platzhirsch BMW F 650, den Preisbrecher Suzuki Freewind und den Tausendsassa Honda Dominator, aber weil der ganz große Erfolg ausblieb, soll ein Sondermodell, schlicht Garda getauft, den Verkauf beleben. Ganz gewiß keine Bauernfängerei, sondern das Bemühen, mit einer Rundum-Ausstattung die Touristen aufs Dichterpferd zu locken. Um es gleich vorweg zu sagen: Das Unterfangen blieb leider auf halbem Weg stecken. Oder gleich am Anfang? Die Koffer jedenfalls, in einem stilistisch höchst durchschnittlichen Rohrgeflecht ruhend, fassen allenfalls das Wochenend-Gepäck, und auch ihre Stabilität reicht nicht an bekannte Spitzenprodukte heran. Schade, denn mit dem komfortablen und praktischen Mittelständer sowie dem in der Federbasis hydraulisch zu verstellenden Federbein trifft Aprilia genau ins Schwarze.Beides zählt bei der Basis-Version nur zur Wunschausstattung. Wobei besagtes Federbein recht drastisch den Unterschied zwischen Wunsch und Wollen dokumentiert. Wer nämlich je den Wunsch verspürte, die Vorspannung des Standard-Federbeins zu erhöhen, der mußte erkennen, daß eben dies beim besten Wollen nicht funktioniert. Total dichtgebaut. Dank des kleinen Handrads an der Garda jedoch lupft diese artig ihr Heck, bevor ein Sozius auf der einladenden Bank Stellung bezieht. Oder der Solist eine angriffslustigere Position einnehmen möchte. Mit fast voll zugedrehter Zugstufendämpfung mutiert die Pegaso dann nämlich ruck, zuck vom genußsüchtigen Bummelanten mit weicher Grundeinstellung zum flotten Straßenfeger.Dann huscht sie wie nix über holprigen Belag, meistert ebenso stur wie komfortbewußt alle Fährnisse der Landstraße. Auch im Duett legt sie noch eine flotte Sohle auf den Asphalt. Höchstens in rasant durcheilten Wechselkurven irritieren das - gemessen an der Dominator - behäbige Einlenkverhalten und die etwas schwach gedämpfte Gabel, und zu zweit kommt die hintere Zugstufendämpfung bei rasanter Fahrt nicht immer mit. Wer es ganz bunt treibt, wird auch erleben, daß sich die Gabel bei heftigen Bremsattacken ein wenig verwindet, doch fällt all dies durchaus noch in die Kategorie »charmante Eigenheiten«. Weniger charmant, daß die Brembo-Vorderradbremse immer noch und viel zu schnell zum Fading neigt.Nun gut, die meisten Pegaso-Reiter werden keine Superbikes jagen wollen, sondern lieber auf hohem Niveau Allrounden. Vor allem der bei Rotax gefertigte, wassergekühlte und laufruhige Fünfventil-Einzylinder zeigt sich für diese Disziplin bestens gerüstet. Seine 49 PS treiben die Aprilia zwar nicht auf die vom lästerlich eiligen Tacho vorgegaukelten 175 km/h, aber knappe 160 reichen allemal. Im unteren Drehzahlbereich überrascht das Triebwerk mit einer unter Singles seltenen Laufkultur, danach schiebt es tüchtig voran. Kein Thrill, oder so, eher bärige Kraft, in dieser Klasse höchstens von der Suzuki Freewind übertroffen.Selbige kostet ohne Koffer und Mittelständer, aber dafür mit einem viel schlechteren Federbein nur 1000 Mark weniger als die Garda. Was beweist, daß diese Pegaso nicht nur zur ersten Wahl zählt, sondern beinahe schon zu den Sonderangeboten.

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