Test Aprilia RS 125 »Rossi Replica“ (Archivversion) Schwungrad

Im weltmeisterlichen Grand Prix-Design und mit flotten 25 PS mobilisiert, interpretiert Aprilia das Thema Sportmotorrad auch in der 125er Klasse mit aller Konsequenz.

Valentino Rossi, umjubelter Teenager und Weltmeister der 125er Klasse 1997, gab der aktuellen Aprilia den Namen. »Valerossi« prangt auf der Verkleidungskuppel der 9423 Mark teuren RS 125 Jahrgang 1998. Im polierten, den Werksrennern nachempfundenen Aluguß-Rahmen treibt ein mit allen technischen Raffinessen bestückter 125er Rotax-Zweitaktmotor seine Spielchen. Und die fordern auf den ersten Metern einen geduldigen Mitspieler. Beschleunigen aus dem Stand erfordert eine Portion Geschicklichkeit im Umgang mit Gasgriff und Kupplung, führt dann aber zügig zum Erfolg. Leicht und exakt zu schalten, ohne nervige Gier nach kreischenden Drehzahlen , schwimmt das Rennerle unauffällig im flüssigen Verkehr mit. Erst der dramatische Leistungseinbruch zwischen 5500/min und 6000/min raubt dem wassergekühlten Motor leider den Atem, bevor der Hubraum-Zwerg eine Nadelbreite später zum giftigen Sprint ansetzt. Fleißig durchgeschaltet, bringt es die RS 125 dann zu erstaunlichen Fahrleistungen, denen Fahrwerk und Bremsen mühelos gewachsen sind. Die Handlichkeit der 144 Kilogramm leichten Aprilia, die natürlich auch in der Einsteiger-gerechten 15-PS Variante ausgeliefert wird, artet dank der auf Stabilität getrimmten Rahmengeometrie nicht in nervöse Zappeligkeit aus, sorgt aber dafür, daß Staßenkrümmungen aller Art akkurat und ohne nachzubessern durchzirkelt werden. Wer den Schwung zu nutzen versteht ist überraschend stramm unterwegs, ohne in Hektik zu verfallen.Zum sportlichen Konzept der RS 125 paßt die versammelte, aber nicht unbequeme Sitzposition. Groß gewachsene Menschen stören sich jedoch am weit nach vorn gezogenen Sozius-Sitzpolster, das die Bewegungsfreiheit einschränkt, während Rasten und Lenkerstummel ergonomisch tadellos angeordnet sind. Dabei sorgt die großzügig angelegte Verkleidung nicht nur für eine erstaunliche Höchstgeschwindigkeit von 161 km/h, sondern bürgt auch für ordentlichen Wind- und Wetterschutz.Sieht man von der ungenauen Tankuhr und einem winzigen und versteckten Benzinhahn ab, fördern funktionelle, übersichtliche Schalter und Armaturen die Benutzerfreundlichkeit ebenso wie der kleine Elektro-Starter, der den Rotax-Antrieb sekundenschnell zum Leben erweckt und peinliche Kickstarter-Trampeleien vermeidet. Weniger talentiert gibt sich die Aprilia RS 125 in Sachen Personenbeförderung. Beladen mit dem in luftiger Höhe thronenden Passagier, erschwert sich die Anfahrprozedur erheblich, und auch die Federreserven des hinteren Federbeins sind unter der zusätzlichen Last schnell aufgebraucht. Doch solche Tugenden waren bei der Konzeptionierung der Aprilia RS 125 weniger gefragt. Sportlichkeit in Design und Technik standen ganz oben im Lastenheft, und beides hat man mit Bravour umgesetzt.

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