Test Benelli TreK 1130 (Archivversion) Drei satt

Der satte Schub des Benelli-Dreizylinders konnte von Anfang an begeistern. Nun kommt der 1130er mit Euro-3-Homologation und in neuer Verpackung, nämlich als Funbike TreK. Macht der auf 125 PS reduzierte Antrieb immer noch so viel Spaß?

Es jagt einem kalte Schauer über den Rücken: Schon im Stand bietet der Italo-Dreireiher eine einzigartige Mixtur aus rasselnder Mechanik und unrhythmischem Poltern. Jeden Gasstoß erwidert er mit
einem animalischen Fauchen. Ab 4000 Umdrehungen, wenn die Auspuffklappe den Weg frei macht, geht das heisere Röcheln in ein mitreißendes Kreischen über. Solch eine akustische Präsenz bietet kein anderer Motor, gegen so viel wilde Kraft wirkt selbst ein englischer Tiger handzahm.
Das hat sich auch bei der neuen TreK nicht geändert. Trotz Euro 3, trotz Leistungsreduzierung. Von ursprünglich 135 Pferden der explosiven TnT ging Benelli bei der hochbeinigen TreK auf 125 PS zurück. Und bleibt preislich mit knapp 12000 Euro rund 1000 Euro unter dem stärkeren Naked Bike. Dafür muss der Käufer auf ein paar Goodies verzichten, etwa die einstellbaren Federelemente.
Müde orgelt der Anlasser den Motor ein paar Sekunden durch, bis dieser den
Betrieb aufnimmt. Das bekannt unwillige Startverhalten des Dreizylinders hat auch die neueste Abstimmung nicht beseitigt. Auf kurzem Weg rasten die Gänge exakt und lautlos ein. Kupplung einrücken – und hoppla, schon ab 2000/min schiebt die TreK gehörig voran, um bei 4000/min den Fahrer mächtig in den Sitz zu pressen und vor Kraft förmlich zu explodieren. Bis der Triple bei 9300 Umdrehungen urplötzlich abriegelt, lässt die TreK nicht locker.
Also ganz wie die stärkere Schwester. Der MOTORRAD-Prüfstand liefert den Beweis, die versprochenen 125 Pferdestärken stehen vollzählig parat, wenn die Power-Taste im Cockpit gedrückt ist. Ohne den Boost ist es jedoch nur eine Winzigkeit
weniger, der Schalter bringt im Gegensatz zu den bisherigen TnT-Modellen praktisch keinen Unterschied.
Egal, auf diesen Gimmick kann man ohnehin verzichten. Auf der Landstraße kostet man den gewaltigen Schub aus der Mitte voll aus, hohe Drehzahlen sind überflüssig. Zwischen 3500 und 7000/min plustert sich der Drilling gewaltig auf, um stets eindrucksvoll loszusprinten, ohne runterschalten zu müssen. Keine Wheelies, keine Nervosität, es geht einfach nur voran.
Auf den Benzinkonsum hat das nied-
rige Drehzahlniveau leider keinen Einfluss. Die TreK ist ein Schluckspecht vor dem Herrn, kippt sich auf der Landstraße fast acht Liter Super hinter die Binde. Wohlgemerkt bei Spazierfahrt, wenn andere
Big Bikes sich mit sechs Litern und weniger zufriedengeben. Gelegentliche kurze Aussetzer beim Beschleunigen und der Geruch nach ungereinigtem Abgas nähren obendrein den Verdacht, dass den Italienern die saubere Abstimmung des Dreizylinders noch nicht geglückt ist.
Nach einem halben Stündchen Kurven-Swingen ist der Ärger über den tiefen Griff ins Portemonnaie wieder verflogen. Wobei der spontane, bärige Krafteinsatz mehr Power vortäuscht, als tatsächlich vorhanden ist. Die Begleitmaschine, eine aktuelle Triumph Tiger, kann zwar im Spurt nicht folgen, wohl aber im Durchzug. Die Triumph beschleunigt im letzten Gang von 60 auf 100 km/h in 3,5 Sekunden, die Benelli braucht 0,8 Sekunden mehr. Zwischen 100 und 140 km/h hat die Tiger mit 3,9 Sekunden noch immer die Nase vorn, während die TreK 4,8 Sekunden verstreichen lässt. Das alles trotz mehr Druck bei jeder Drehzahl. Ein Blick aufs Gang diagramm klärt auf: Die TreK ist elendig lang übersetzt,
der Sechste würde theoretisch bis 280 km/h reichen.
Dennoch ist der Vortrieb der Benelli beeindruckend, und es tut gut, auf der TreK ein entspanntes Plätzchen vorzufinden. Alles ist wie aus einem Guss: der schlanke Sitz, der perfekte Knieschluss, der moderate Kniewinkel und der breite Alu-Lenker, der gut in den Händen liegt. Lediglich die Sitzbank wünscht man sich für lange Etappen etwas besser gepolstert und die dreifach verstellbare Windschutzscheibe schüttelfrei montiert.
Auf gut ausgebauten, kurvigen Schnellstraßen vermittelt die TreK dieses einzig-
artige, satte Feeling, das schon bei der TnT begeisterte. Zwar lenkt sie nicht besonders leicht ein, pfeift dann aber in Schräglage präzise ums Eck. Da ist kein Hauch von Unsicherheit, Vertrauen pur. Feinfühlig spricht dabei die fette Marzocchi-Gabel an, gleichermaßen komfortabel arbeitet das Sachs-Federbein. Kein Vergleich mehr zum straffen Vorserien-Pendant (siehe MOTORRAD 23/2006), sondern sehr ausgewogen. Zumindest, solange man die Anforderungen aus sportlicher Sicht nicht allzu hoch schraubt. Je härter die Fahrweise, umso schneller zeigen Gabel wie Federbein Grenzen auf. In Kurven mit welligem Belag beginnt schon mal die unterdämpfte Front zu stuckern, und beim harten Beschleunigen über Frostaufbrüchen wimmert das Hinterrad um Traktion. Die Doppelscheibenbremse mit Vierkolbenbremszangen gibt sich dagegen keine Blöße, verzögert transparent und bei mäßiger Handkraft druckvoll.
Unterm Strich ist die Benelli also von einem perfekten Motorrad ein gutes Stück entfernt. Abgesehen von den erwähnten Schwächen hapert es noch hier und da
an der Verarbeitungsqualität. Trotzdem gehört die TreK zu den Maschinen, die einen auf der Stelle packen und verführen können. Oder aber sie lässt einen völlig kalt. Man muss es probieren.

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