Test Beta Alp 200 (Archivversion) Forest Gump

Das Motorrad zum Film. Simpel, sinnfrei und doch so genial. Höchster Unterhaltungswert mit einfachsten Mitteln. Ganz normal abgedreht.

Sie kann blinken, hupen, rückspiegeln und scheinwerfen. Gepäck und zwei Personen kann sie auch. Und e-starten. Und überhaupt ist die Alp 200 ein sehr komplettes Motorrad. Trägt sogar Helmschloss. Echt nobel, verglichen mit ihren nächsten Verwandten, die ja nicht mal richtige Sitzplätze haben. Wir reden von Trialern – diesen verrückten, kleinen Dingern, die meterhoch springen und per dreifachem Rittberger wenden können. Beta zählt zu den arriviertesten Herstellern solcher Geräte, trug schon sieben WM-Titel nach Hause ins schöne Florenz.Mit der Alp wagt sich der italienische Familienbetrieb nun an die breitere Öffentlichkeit. Freilich unter besonderer Berücksichtigung bürgerlicher Interessen. Drum kommt die 200er nicht als sägende Zweitaktfräse, sondern zivil im Viertakt daher. Der Einzylinder »made by Suzuki« bringt’s auf immerhin 15 PS, die allesamt so tapfer antreten, dass man sich selten untermotorisiert fühlt. Um das japanische Implantat herum fabrizierten die Florentiner ein Fahrwerk, das mehr nach vollgefedertem Mountainbike denn vollgetüvtem Motorrad aussieht. Kurz, klein, schmal, kompakt. Vorn ist hinten, ist oben, ist unten – alles ist aufs Dichteste komprimiert. Das Ganze wiegt 116 Kilogramm, samt neun Litern Sprit im Tank, passt am Stück in jede Großraumlimousine und fährt am liebsten zum Wandern.Schmale, steile, schwierige Wege – je ursprünglicher die Gefilde, desto mehr ist die Beta in ihrem Element. Sie kommt garantiert überall hin, wo ein Fahrzeug ohne Flügel und Schiffsschraube hinkommen kann. Und das Beste daran: Zum Alp kraxeln gehört nicht mal besonderes Talent. Kleiner Ausrutscher – kein Problem: Wo nicht viel ist, kann nicht viel kaputt gehen. Verfahrene Situation – völlig egal: Im Notfall wird das Teil geschoben, gehoben oder in den Rucksack gepackt. Alles ist möglich, nur Herumbolzen nicht, denn fürs Herumbolzen sind Trial-Enduros nicht gemacht.Selbst im Asphaltbetrieb ist die Alp nicht scharf darauf, ihre 105 km/h Höchstgeschwindigkeit auszuspielen. Denn erstens gerät sie bereits bei 80 Sachen ins Trudeln, zweitens sind ihre Bonsai-Bremsen nicht dazu angetan, höhere Tempi zu vernichten, und drittens wehren die knüppelharten Federelemente so gut wie keinen Angriff aus dem Untergrund ab. Ums kurz zu machen: Aus herkömmlicher Sicht ist die Beta eine ziemliche Gurke. Doch wer enttäuscht von ihr absteigt, ist mit falschen Erwartungen an sie herangegangen. Alp fahren ist anders. Alp fahren ist ein Spiel. Viel lustiger und unaufwändiger als ordinäres Motorradeln. Es gilt: dem Stadtverkehr ein Schnippchen zu schlagen, den kürzesten Weg aufs Land zu finden, um bei den Wackersteinen am Fluss den Hochspung zu üben. Einfach so, aus Spaß an der Freud.

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