Test: BMW K 1200 S (Archivversion)

Motor: wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor, 123 kW (167 PS) bei 10250/min; Fahrwerk: Brückenrahmen aus Aluminium;
Maße und Gewichte: Gewicht vollgetankt 248 kg, Tankinhalt 19 Liter; Preis: 16408 Euro inklusive Nebenkosten und Sonderausstattung

Glück gehabt. Fast wäre mir Sven bei der Maschinenvergabe zuvorgekommen. Da ich mit der K 1200 S für verschiedene MOTORRAD-Tests schon tausende von Kilometern abgespult habe, sind mir ihre Vorzüge bestens bekannt.
Da ist erstens das Anreiseplus: ewig lang draufhocken und keine Spur von
Müdigkeit spüren. Dazu bester Wind- und Wetterschutz. Oder die perfekte Sicht in den Rückspiegeln selbst bei 200 km/h – nix vibriert und wackelt. Außerdem liegt die K 1200 S wie hingemeißelt. Fahrwerks-
unruhen? Ein absolutes Fremdwort für den Platzhirsch aus Bayern. Die Stärken der Maschine: Autobahnkilometer fressen oder auf gut ausgebauten und gut in Schuss gehaltenen Landstraßen weite Radien genießen. Und damit sind wir an der Mosel.
Auf dem Feinschmecker-Asphalt entlang des Flusses funktioniert die K perfekt. Bürgerkäfige im Weg? Kurzer Gasstoß und vorbei. Traktor mit Anhänger plötzlich von rechts? Ein Finger reicht zum Bremsen. Das vollintegrale ABS wirft einen dermaßen schweren Anker, dass der Asphalt sich vor Schreck fast wellt. Die Kehrseite:
Beim Schleichen durch Städte reagiert die Bremse zu extrem. Kaum ist der Finger am Hebel, fliegt der Anker voll raus. Von feinfühliger Dosierbarkeit ist die Vorderradbremse so weit entfernt wie Tokio von Tauberbischofsheim. Das Umgekehrte gilt für die Hinterradbremse: Nur kräftiges Treten bewirkt was.
Nicht gerade optimal, aber an die beiden Bremsen kann man sich gewöhnen. Auch an die herben Lastwechselreaktionen des Kardans. Oder das hakige Getriebe und die harte Gasannahme. Diese Eigen-
arten verleiden mir allerdings ein wenig das Cruisen auf den Bergrennstrecken und den Nebensträßchen. Das war bei den ersten Testmotorrädern anders. Wenn die Straßen kleiner werden, der Asphalt holperiger und die Kurven enger, ist die Dauertest-K 1200 S nicht mehr in ihrem Element. Dann ist Schluss mit lustig. Um mit dem bayrischen Reisebus nicht den Anschluss an die Kollegen zu verlieren, bedarf es eines wesentlich größeren Kraftaufwands. Er lenkt sich träger, ist indifferent zu fahren und liefert durch das Duolever weniger Feedback. Letzteres hinterlässt bei niedrigen Geschwindigkeiten den Eindruck eines zu stramm eingestellten Lenkkopflagers.
Warum mir’s trotzdem gefallen hat?
Erstens: Mit den Schwächen kann man leben. Zweitens: Das Leben ist kein Rennen. Drittens: Die BMW hat trotz der genannten Kritikpunkte mehr Vor- als Nachteile. Denn was gibt es Schöneres als das Gefühl, immer weiterfahren zu wollen? Und so haben Federweißer und die K 1200 S eines gemeinsam: Beide machen Lust auf mehr, sind aber nicht ausgereift.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote