Test für den Test

Nach Rennstreckentests haben wir bei MOTORRAD schon häufig darüber diskutiert, wie aussagekräftig die Rundenzeiten der unterschiedlich schnellen Fahrer eigentlich sind. Welche Faktoren beeinflussen sie? Und was bringt das Ganze für den Leser? Mir scheint, das Master Bike ist ein guter Anlass zur Analyse.Wie sieht das aus mit den persönlichen Vorlieben für Sitz- und Rastenposition, eine bestimmte Motorcharakteristik oder spezielle Fahrwerkseigenheiten? Kann sich der eine besser und der andere schlechter auf ein bestimmtes Motorrad einstellen? Bleibt, was in den Einführungsrunden zunächst unfahrbar erscheint, für immer unfahrbar? Ich sage nein. Denn jedes Mal, wenn die zwei schwierigen Einführungsrunden vorbei waren und es auf Start-Ziel zur ersten gezeiteten Runde ging, waren alle Gedanken über das Mögen oder eben nicht Mögen bestimmter Eigenarten der einzelnen Motorräder wie weggeblasen. Die Stimmung ist wie bei einem Abschlusstraining – jeder hat nur noch die Pole im Kopf!Dieser Adrenalinschub zeitigte erstaunliche Ergebnisse: Es geht nur noch darum, das Beste aus sich und dem Material herauszuholen. Beim Fahren auf Zeit kann jedes einzelne Motorrad seine tatsächlichen Fähigkeiten wie Beschleunigung, Bremsstabilität und Griplevel unter Beweis stellen. Unterstrichen wird diese Aussage auch durch das Gesamtergebnis. Obwohl der langsamste Testfahrer über zehn Sekunden pro Runde verloren hat, waren im Durchschnitt 12 der 16 Piloten mit dem absolut schnellsten Motorrad dieser Klasse auch am schnellsten. Ganz unabhängig vom eigenen Können. Das dürfte, so meine ich, auch für die Leser repräsentativ sein.Wesentlich knapper ging es unter den Testmotorrädern zu. Durchschnittlich 1,5 Sekunden betrug die Zeitdifferenz innerhalb der vier Kategorien. Gemessen an den Zeitunterschieden der Fahrer nicht viel. Woraus ich schließe:1. Rundenzeiten sagen viel über die Qualitäten der Motorräder aus, egal, wie schnell die Fahrer sind. 2. Die Ursache einer deutlich schlechteren Rundenzeit ist auf moderen Sportmotorräder zu über 90 Prozent beim Fahrer zu suchen. Erst wenn die Zeiten sich auf sehr geringe Differenz eingependelt haben, gibt das Material den Ausschlag.

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