Test Harley-Davidson Fat Bob (Archivversion) Dick ist chic

Einer schlägt ja immer aus der Art. Im Falle der Dyna-Familie von Harley-Davidson ist das die Fat Bob. Sie ist die einzige Dyna, die auf kleinen, aber umso fetteren 16-Zoll-Scheibenrädern rollt. Taugt ihr hinten noch ein vergleichsweise bescheidener 180er, rollt sie vorne über einen 130er-Reifen ab. Das sieht auf jeden Fall schon mal ziemlich cool aus. Ebenso wie die verchromten, kleinen Doppelscheinwerfer, die zusammen mit der doppel-läufigen Auspuffanlage und den blanken Alu-Scheibenrädern einen feinen Kontrast zum martialischen Mattschwarz von Motor und Blechkleid geben.

Lässig geht es auch beim Aufsitzen weiter, leicht findet der Hintern seinen bequemen Platz. Die Beine weit aus-gestreckt und den dicken Lenker, der in seinem Inneren die Kabel der Schalter-einheiten führt, fest in der Hand. Der Passagier muss sich allerdings mit mit einem Notsitz begnügen, auf dem nach hinten abfallenden Polster hält er sich nur mühsam.
Ganz entspannt geht der 96er-Twin-Cam-Motor zu Werke. Ab Leerlaufdrehzahl trommelt er sanft, aber wuchtig voran und hängt ausgesprochen akkurat am Gas. Obwohl ohne Ausgleichswelle, bekommt der Fahrer vom elastisch aufgehängten Triebwerk nur ein dampfmaschinenartiges Stampfen mit, das wohlig das Bauchfell massiert. Dabei bietet der mit einem Sechsganggetriebe kombinierte V2 ein breites Drehzahlband und gibt sich enorm elastisch. Ihn im hohen Gang mit sattem Beat aus dem Drehzahlkeller heraufwuchten lassen ist ein echtes Vergnügen.

Den dicken Bob über kurvige Straßen zu führen übrigens ebenfalls, auch wenn die vordere Bremse nach einem sehr festen Griff verlangt. Denn anders als Name und dicke Räder vermuten lassen, geht er ausgesprochen willig ums Eck, bietet bei artgemäßer Fortbewegung ausreichend Schräglagenfreiheit. Und ein überraschendes Maß an Stabilität, trotz der etwas weichen, doch sehr sensibel ansprechenden Gabel. Und selbst die hinteren Federbeine holen erstaunlich viel Komfort aus dem kurzen Federweg und der deshalb straffen Abstimmung der verchromten Stereo-Federbeine. Ein ausgesprochen umgänglicher Kumpel also, der fette Bob, der richtig gute Laune verbreitet. Zumal er preislich mit rund 16000 Euro noch einigermaßen auf dem Teppich bleibt.abi

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