Test Hesa-Suzuki Bandit 1200 (Archivversion) zur Bewährung

Eine völlig neue Identität verschafft Hesa Motorsport der beliebten, doch ein wenig biederen Suzuki Bandit 1200. Grimmig lässt die Universalverkleidung »Typ IV« die 1200er von 2001 schauen. Schmuck glänzen die Felgen mit blauen Kränzen und polierten Hörnern. Markant geriet der Bugspoiler. Seine Airbrush-
Lackierung wirkt wie hingepinselt, genau wie auf Tank, Lampenmaske und der
Soziussitzabdeckung.
Höher gelegt präsentiert sich das Heck mit vier Rückleuchten. Darunter versteckt sich der glattflächig geschlossene Radkasten sowie der mächtige Überzug auf der polierten Schwinge. Eigentümlich, aber nicht unbequem ist die Fahrerhaltung: weit zurück im nach hinten abfallenden Sitz,
an den Höcker rangerutscht. Lang strecken
sich die Arme zur 78 Zentimeter breiten Superbike-Lenkstange. An den Enden blinken verwegen kleine Kellermann-Blinker.
Angriff! Grip ohne Ende offerieren die Pirelli Dragon in weicher Supercorsa-Mischung. Einen spitzen Kniewinkel bei großer Schräglagenfreiheit bedingt die höhere, filigrane Fußrastenanlage von LSL. Spielerisch leicht fällt die 237-Kilogramm-Fuhre in Schräglage, lässt sich prima dirigieren. Außer beim Schieben. Sensibel spricht die weich abgestimmte Upside-down-Gabel aus einer GSX-R 1100 auch auf kleine Fahrbahnunebenheiten an.
Der Karbon-Endschalldämpfer von Bos mit Kat klingt kernig. Dumpfer, satter Sound, herrlich grummelnd im Schiebebetrieb, jedoch kein Brüllrohr. Ganz legal hievt der hoch gelegte Topf die Power von gut 110 auf 117 PS. Das ist exakt der
gleiche Wert wie bei der RMI-Kawasaki
Z 750 aus MOTORRAD 15/2005. Nur dass die 1200er-Bandit viel bulliger zur Sache kommt als die quirlige Kawasaki. Mehr Schubraum, mehr Druck. Der gläserne Kupplungsgehäusedeckel von Moko lässt freien Blick auf das wild rotierende Geschehen im Ölbad zu.
Nach leichten Startproblemen nimmt der vergaserbestückte Vierzylinder gut
Gas an, kommt heftig zur Sache. Rasch sind die fünf Gänge durchgerissen, der Horizont fliegt nur so heran. Obwohl der breite Lenker dem Fahrtwind jede Menge Angriffsfläche bietet, rennt der Bolide bis Topspeed narrensicher geradeaus. Prima. Gut dosierbar und sicher fangen die
per Stahlflexleitungen aktivierten Sechskolbenstopper den Banditen wieder ein.
Solch gelungene Arbeit kommt nicht von ungefähr: Bereits 1999 präsentierte die Sauerländer Tuningschmiede mit der 60000 Mark teuren »Ego« ein superedles Naked Bike, entwickelte alle Verkleidungsteile exklusiv für dieses Motorrad. Seit-
her hat Hesa Veredelungskomponenten für viele Marken und Modelle in petto. Zur
Bewährung, versteht sich. tsr

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