Test Honda CBF 600, 34-PS-Version (Archivversion) vier gewinnt

Honda setzt auf Reihenvierzylinder – und hat Erfolg damit. Nach wie vor gehört die CBR 600 F zu den Bestsellern ihrer Klasse. Die unverkleidete Hornet 600, die den CBR-Motor, Modelljahr 1995, auf 94 PS leistungsreduziert nutzt, ist für den größten Motorradhersteller nicht minder lukrativ. Auch die Zeichen für die neue CBF 600, deren Antrieb ebenfalls vom CBR-Triebwerk abstammt, stehen gut. In Zeiten, in denen der Euro mehrmals umgedreht wird, bevor man ihn ausgibt, kommt das Sparkonzept »Mehr Motorrad für weniger Geld« gut an.
Der Motor mit überarbeitetem Zylinderkopf leistet in der CBF nun 78 PS, und ihr Preis lässt aufhorchen: 6790 Euro kostet die CBF inklusive ABS, Haupständer und Sitzhöhenverstellung. In den Zulassungszahlen liegt sie ganz vorn, wohl auch,
weil sich Fahrschulen um das »Sicherheitsmotorrad« geradezu reißen. Außerdem wird sie in der hier getesteten, einsteigerfreundlichen 34-PS-Variante angeboten.
Der ungedrosselten CBF 600 S hat
MOTORRAD bereits einen Top-Test (Heft 7/2004) gewidmet und dabei die Leistungsfähigkeit des ABS unter Beweis gestellt. Auch das unverkleidete Basis-Modell CBF 600 schnitt bei einem Vergleichstest preiswerter Motorräder (Heft 9/2004) sehr gut ab und beeindruckte die Test-Redaktion aufgrund ihres unkomplizierten, dynamischen Fahrverhaltens.
Bei nominell 34 PS ist es mit der Fahrdynamik allerdings nicht mehr weit her. Schließlich wird der Reihenvierzylinder, der über im Durchmesser reduzierte Ansaugstutzen gedrosselt ist, um knapp 60 Prozent seiner Leistungsfähigkeit beraubt. Mehr noch: Ein Besuch auf dem Leistungsprüfstand förderte gar nur 31 PS an der Kupplung zu Tage. Doch wer die 78-PS-Variante nicht kennt, kann keinen
Vergleich ziehen und freut sich zunächst einmal über den seidenweichen Lauf des Triebwerks, die weich einsetzende Kupplung und die geringen Lastwechselreaktionen. Nun gut, es dauert eine Weile bis der Motor mit gezogenem Choke nach dem Kaltstart sauber rund läuft und endlich Gas annimmt. Doch subjektiv betrachtet gefällt die 600er aus niedrigen Drehzahlen heraus wegen ihrer Spontanität und ihres akzeptablen Durchzugs.
In Wahrheit sind die Beschleunigungs- und Durchzugswerte zu anderen 34-PS-Motorrädern, beispielsweise einer Suzuki GS 500 E, bestenfalls Durchschnitt. In den ersten vier Gängen dreht die CBF locker über 8000/min, obwohl der Motor bereits knapp unter 7000/min seine Höchstleistung erzielt. In den letzten beiden Fahrstufen und jenseits der 110 km/h geht es eher zäh voran. Da bringt es nichts, der CBF die letzten Drehzahlen zu entlocken. Früher einen Gang hochschalten, und man kommt zügiger voran.
Mit den gebotenen Fahrleistungen kommt das Fahrwerk jedenfalls locker zurecht. Die straffe Abstimmung passt einerseits sicherlich besser zur ungedrosselten Variante, andererseits vermittelt die »harte« Federung im Zweifelsfall einen direkteren Fahrbahnkontakt als eine gautschig-weiche. Kleine Kritik zum Schluss: Als verbesserungswürdig entpuppt sich die Anlenkung des Hauptständers, denn die CBF 600 ist nur schwer aufzubocken. nk

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